14. März 2026
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Berliner Sonderweg verdrängt legalen Glücksspielmarkt zunehmend

Das Land Berlin erhebt die höchste Vergnügungssteuer auf Glücksspiel. Laut dem Berliner Abendblatt wächst der Schwarzmarkt, während legale Anbieter unter der Regulierung leiden.

Was lange im Schatten lag, entwickelt sich in Berlin zu einem massiven Problem: Der illegale Glücksspielmarkt wächst rasant. Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben, verpflichtender Lizenzen und Auflagen florieren Angebote, die sich gezielt außerhalb des legalen Rahmens bewegen. Wie das Berliner Abendblatt berichtet, sind die Folgen weitreichend für Anbieter, Spieler und das Vertrauen in den Rechtsstaat.

Berliner Steuerpolitik setzt legale Anbieter unter Druck

Mit Einführung einer besonders hohen Vergnügungssteuer Mitte 2025 hat Berlin einen Sonderweg eingeschlagen: 25 Prozent auf den Bruttospielertrag, zusätzlich zur regulären Glücksspielabgabe. Laut Berliner Abendblatt bedeutet das für lizenzierte Betreiber eine kaum tragbare Belastung, insbesondere für kleine Unternehmen. Während sich legale Anbieter an strenge Vorgaben halten müssen und um ihre Existenz kämpfen, agieren illegale Betreiber steuerfrei, solange keine Kontrolle durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde erfolgt. Dieses Ungleichgewicht sorgt für eine gefährliche Marktverzerrung.

Die Konsequenz: Immer mehr legale Betriebe ziehen sich zurück. Wie das Berliner Abendblatt weiter berichtet, untergräbt diese Entwicklung die eigentliche Intention der Regulierung. Anstatt Spieler in den legalen Markt zu lenken, schafft das System ungewollt Anreize für illegale Angebote.

Schwarzmarkt mit Struktur – digital wie analog

Längst handelt es sich bei den illegalen Angeboten nicht mehr um vereinzelte Hinterzimmeraktionen. Der Schwarzmarkt ist professionell organisiert, sowohl offline als auch online. In Berliner Gewerberäumen, Wohnungen oder Café-Hinterzimmern werden nicht registrierte oder manipulierte Geräte betrieben, häufig aus dem Ausland eingeführt. Immer wieder tauchen sogar bereits beschlagnahmte Automaten in neuer Form wieder auf.

Besonders dynamisch agieren die Betreiber im Internet: Wechselseitige Domains, Zahlungen über ausländische Anbieter oder Kryptowährungen - all das erschwert die Nachverfolgung und entzieht sich der Kontrolle. Laut Berliner Abendblatt operieren die Akteure in gut vernetzten Strukturen, verfügen über technisches Know-how und nutzen gezielt rechtliche Grauzonen.

Der legale Markt bröckelt

Für reguläre Anbieter bedeutet die aktuelle Lage eine Krise: Hohe Steuern, umfassende Auflagen und gleichzeitig ein Schwarzmarkt, der keinerlei Verpflichtungen kennt. Anforderungen wie Spielerschutz, Altersverifikation oder regelmäßige Kontrollen erzeugen enorme Kosten. Illegale Angebote hingegen locken mit einfacher Zugänglichkeit, größerem Spielumfang und weniger Restriktionen, aus Sicht vieler Nutzer schlicht attraktiver.

Besonders betroffen sind kleinere Betriebe in sozialen Brennpunkten. Diese geben laut Berliner Abendblatt zunehmend auf, was nicht nur Arbeitsplätze kostet, sondern Investitionen und Vertrauen zerstört. Wo der regulierte Markt sich zurückzieht, entsteht ein Vakuum, das illegale Betreiber schnell füllen. Der Staat verliert zunehmend die Kontrolle.

Strafverfolgung mit stumpfen Werkzeugen

Zwar wurde 2024 eine Berliner Taskforce ins Leben gerufen, mit Beteiligung von Polizei, Steuerfahndung sowie Bezirksämtern mit folgenden Zielen: gut organisierte Razzien, Beschlagnahmungen, Schließungen. Doch der Erfolg bleibt begrenzt. Geräte tauchen wieder auf, Betreiber wechseln Namen oder Standorte, neue Strohmänner übernehmen den Betrieb. Auch digitale Maßnahmen wie Webseitenblockaden oder gekappte Zahlungswege reichen bislang nicht aus, um die Strukturen zu zerschlagen.

Erschwerend hinzu kommt laut Berliner Abendblatt der Mangel an belastbaren Daten. Eine zentrale Kanalisierungsrate, also der Anteil der Nutzer im legalen Markt, fehlt bislang. Ohne diese Zahlen lassen sich politische Maßnahmen kaum bewerten oder anpassen.

Risiko für Spieler, Gefahr für die Gesellschaft

Wer auf illegale Angebote ausweicht, spielt ohne jede Absicherung: keine Limits, keine Sperrdateien, keine Ansprechpartner im Schadensfall. Gerade für Minderjährige oder gefährdete Personen ein enormes Risiko. Der Zugang ist leicht, der Schutz gleich null. Bei Verlusten besteht kein Anspruch auf Rückerstattung, die Plattformen agieren anonym, rechtliche Mittel laufen ins Leere.

Neben dem individuellen Risiko drohen auch gesellschaftliche Schäden: Schwarzgeldströme, Verbindungen zur organisierten Kriminalität, Vertrauensverlust in staatliche Ordnung. Der legale Markt, der eigentlich Schutz bieten soll, wird ausgehöhlt.

Reformvorschläge für einen Kurswechsel

Folgende Lösungsansätze nennt das Berliner Abendblatt zusammengefasst:

  • Reform der Steuerpolitik: Denkbar wäre ein System, das sich an Betriebsgröße, Standort oder Gewinn orientiert, ähnlich wie in Italien. Eine Entlastung legaler Anbieter wäre möglich, ohne den Fiskus auszuhebeln.

  • Transparenz durch Daten: Die Erhebung und Veröffentlichung einer Kanalisierungsrate wäre ein wichtiger Schritt, um politische Steuerung möglich zu machen.

  • Stärkere Behördenausstattung: Gerade im digitalen Raum braucht es moderne Technik, Expertise und personelle Ressourcen, um gegen internationale Netzwerke vorzugehen.

Fazit

Glücksspiel lässt sich aus der Gesellschaft nicht verbannen, wohl aber in geordnete Bahnen lenken. Berlin steht derzeit sinnbildlich für eine verfehlte Regulierung, die legale Anbieter schwächt und dem Schwarzmarkt Tür und Tor öffnet. Wenn Politik, Aufsicht und Marktakteure nicht gemeinsam gegensteuern, droht ein dauerhafter Kontrollverlust. Der Schutz der Spieler gelingt nur mit einem starken, attraktiven und fairen legalen Angebot – nicht mit Überlastung und Schließung.

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