7. Oktober 2026

Neue Stiftung der WestLotto will Ehrenamt in NRW stärken

Axel Weber erklärt im Interview, wie Vereine von der neuen Mikroförderung profitieren können. Die Bingo! Ehrenamtsstiftung NRW fördert Projekte mit 1.000 bis 5.000 Euro.

Ehrenamtliches Engagement ist für unsere Gesellschaft unverzichtbar. Häufig fehlen aber Vereinen und Initiativen die finanziellen Mittel, um gute Ideen umzusetzen. Die neue Bingo! Ehrenamtsstiftung NRW will das ändern. Mit Mikroförderungen zwischen 1.000 und 5.000 Euro will die von WestLotto gegründete Stiftung unkompliziert und digital Projekte in Nordrhein-Westfalen unterstützen.

Im Interview mit der GlücksWirtschaft spricht Axel Weber, Geschäftsführer der Bingo! Ehrenamtsstiftung NRW, über die Ziele der neu gegründeten Stiftung, die Bedeutung kleiner Förderbeträge und die Frage, wie Vereine und Initiativen mit kreativen Ideen vom neuen Förderangebot profitieren können. Dabei geht es auch um die Rolle des Ehrenamts für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie.

Axel Weber, Unternehmenssprecher WestLotto und Geschäftsführer der Bingo! Ehrenamtsstiftung NRW

Herr Weber, Sie sagen, dass oft vergleichsweise geringe Summen aus einer Idee ein Herzensprojekt werden lassen. Welche konkreten Projekte schweben Ihnen dabei vor?
Als Bingo! Ehrenamtsstiftung NRW wollen wir Projekte fördern, die Ehrenamt in Nordrhein-Westfalen sichtbar, attraktiv und möglich machen. Dabei fehlt es eben oft an Geldern, um genau dieses zu ermöglichen. In erster Linie werden mit vorhandenen Geldern ja die Regeltätigkeiten des Vereins oder der Organisation finanziert. Genau hier setzen wir mit der Förderung der Stiftung an: Das können beispielsweise Projekte von der kleinen Dankeschön-Tasche für verdiente Mitglieder über die Unterstützung von Volunteers bei sportlichen Großereignissen bis hin zu umfassenden Mitgliederkampagnen, beispielsweise im Bereich des Katastrophenschutzes sein. Die Vielfalt ist fast unendlich groß.

Warum wurde die Bingo! Ehrenamtsstiftung NRW gerade jetzt ins Leben gerufen?
Weil das Ehrenamt dringend Unterstützung braucht! Zudem ist doch ehrenamtliches Engagement für unsere Gesellschaft ein gelebtes Handeln zur Stärkung der Demokratie. Das ist aktuell unzweifelhaft wichtig. Deshalb hat WestLotto die Stiftung gegründet. Aber auch inhaltlich zeigen die Daten des EhrenamtAtlas 2026 besonders eindrucksvoll den Bedarf: Mehr als die Hälfte der Ehrenamtlichen gibt an, zu wenig Geld für Verbesserungen und Ideen zu haben.

Wo sehen Sie aktuell den größten Unterstützungsbedarf im Ehrenamt?
Natürlich gibt es bereits jetzt sehr gute Fördermöglichkeiten für das Ehrenamt und auch in Nordrhein-Westfalen entsprechende Programme des Landes. Mit der Bingo! Ehrenamtsstiftung schaffen wir aber die Möglichkeit, das Ehrenamt langfristig und strukturell zu unterstützen – und das über alle Engagementbereiche hinweg. Das Antragsverfahren ist unkompliziert und komplett digital. Damit können wir den Vereinen und Initiativen wirklich helfen.

Die Stiftung fördert Projekte mit 1.000 bis 5.000 Euro. Wie sind diese Förderhöhen zustande gekommen?
Das hat WestLotto wissenschaftlich untersuchen lassen! Die Studie „Kleine Summen, große Hilfe?“ des ZiviZ im Stifterverband zeigt ganz klar: Diese sogenannte Mikroförderung ist genau das, was den Ehrenamtlichen helfen kann - und was sie selbst sich wünschen. Denn Fördersummen in dieser Höhe sind aus Sicht der Ehrenamtlichen besonders attraktiv und hilfreich, um konkrete Alltagsideen umzusetzen und Projekte oder Aktionen zu ermöglichen, mit denen zum Beispiel neue Ehrenamtliche animiert werden.

Wer entscheidet nach welchen Kriterien darüber, welche Projekte förderwürdig sind?
Die Förderung orientiert sich an unserem Leitfaden, der auf der Homepage der Stiftung transparent abgebildet ist. Wichtig ist, dass ein Projekt neu und noch nicht gestartet ist, und dass es einen Bezug zu NRW hat. Im Mittelpunkt muss natürlich das Ehrenamt stehen. Für die thematische Ausrichtung gibt es keine Begrenzung, denn jeder gesellschaftliche Bereich ist förderfähig.

Sie sprechen von einem „einfachen, digitalen und unkomplizierten Förderprozess“. Was ist damit konkret gemeint?
Uns war wichtig, den Förderprozess komplett digital abzubilden und so einfach wie möglich zu halten. Das Motto: Geringer Zeitaufwand und wenig bürokratischer Aufwand. Alle gemeinnützigen Vereine und Organisationen registrieren sich einmalig in unserem digitalen Förderportal: Kontaktdaten, Konto- und Steuernummer inkl. Nachweis der Gemeinnützigkeit - und schon kann ein Antrag gestellt werden. Hierfür bedarf es dann im Wesentlichen lediglich einer kurzen Projektbeschreibung mit 1.500 Zeichen und eines Finanzierungsplans. Alle einzelnen Prozessschritte können dann digital nachverfolgt werden. Eines Eigenanteils bedarf es auch nicht.

Was unterscheidet die Bingo! Ehrenamtsstiftung NRW von bereits bestehenden Förderprogrammen für Vereine und Ehrenamtliche?
Wir konzentrieren uns auf die Lücke in der Mikroförderung, also zwischen 1.000 und 5.000 Euro. Außerdem scheitern Förderungen eben oft an hohen bürokratischen Hürden, die wir mit unserem digitalen Prozess vermeiden.

Gibt es ein Budget, das die Stiftung für die erste Förderperiode zur Verfügung stellt?
Die Idee ist, dass die fortlaufende Finanzierung aus den staatlichen Konzessionsabgaben der neuen Lotterie von WestLotto, „Local Hero Bingo!“, erfolgen soll.

Welche Rolle spielt der Sport bei der Arbeit der Stiftung? Sind Sportvereine eine besondere Zielgruppe?
Der Sport ist mit seinen zigtausenden Vereinen einer der größten Player in unserem Gesellschaftsleben. Seit vielen Jahren engagiert sich WestLotto bereits für die Unterstützung dieser Strukturen – insbesondere auch neben den rein sportlichen Aspekten, zum Beispiel mit der erfolgreichen Kampagne „Das habe ich beim Sport gelernt!“. Die hat ja dann nationale Verbreitung gefunden. Grundsätzlich ist eine Förderung durch die Stiftung in allen gesellschaftlichen Bereichen möglich, in denen Ehrenamt wirkt, zum Beispiel Kultur, Soziales, Wohlfahrt, Bildung, Integration, Heimat, Umwelt, Nachbarschaft, Gesundheit usw.

Was wünschen Sie sich von den Vereinen, die ab dem 1. September einen Antrag stellen?
Kreative Ideen, wie das Ehrenamt in NRW, und damit die Gesellschaft, in der wir leben, gestärkt und mit Hilfe unserer Förderung sichtbar gemacht werden kann.

Herr Weber, vielen Dank für das Gespräch!

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