11. August 2026
Veröffentlicht am
Rubrik

Christian Hochgrebe über seine neue Rolle als Vorsitzender des GGL-Verwaltungsrates

Mit Christian Hochgrebe übernimmt ein Berliner Innenstaatssekretär den Vorsitz des GGL-Verwaltungsrates. Im Interview mit der GlücksWirtschaft spricht er über Evaluierung, Schwarzmarktbekämpfung und die Zukunft der Regulierung.

Die Regulierung des deutschen Online-Glücksspielmarktes steht vor wegweisenden Monaten. Christian Hochgrebe, Innen-Staatssekretär im Berliner Senat, hat zu Beginn des Monats den Verwaltungsrats- Vorsitz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) übernommen. Er folgt in dieser Funktion auf den bayerischen Innenstaatssekretär Sandro Kirchner.

Der Wechsel fällt in eine dynamische und entscheidende Phase für die Behörde. Neben der Bewältigung struktureller Aufgaben wie der Vervollständigung des GGL-Vorstandes und dem Ausbau der IT-Infrastruktur steht die Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrages, die bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll.

Im Interview mit der GlücksWirtschaft äußert sich der neue Verwaltungsratsvorsitzende zu seinen strategischen Prioritäten, den Erwartungen an den Evaluierungsprozess, neuen Ansätzen im Kampf gegen unerlaubte Glücksspielangebote sowie der Balance zwischen effektivem Spielerschutz und einem attraktiven legalen Markt.

GlücksWirtschaft: Herr Hochgrebe, Sie übernehmen den Vorsitz des Verwaltungsrates der GGL in einer entscheidenden Phase. Welche drei Themen werden für Sie in Ihrer Amtszeit die höchste Priorität haben und woran möchten Sie sich am Ende Ihrer Amtszeit messen lassen?

Christian Hochgrebe: Eine Beschränkung auf drei Einzelthemen wird der Breite der Aufgaben der GGL und des Verwaltungsrats nur bedingt gerecht. Im Mittelpunkt steht für mich, dass die GGL ihre Aufgaben als zentrale Vollzugs- und Aufsichtsbehörde der Länder verlässlich, rechtssicher und wirksam wahrnehmen kann.

Organisatorisch gehören dazu insbesondere die Vervollständigung des Vorstandes sowie die weitere Stärkung der IT- und Datenbasis der Behörde. Inhaltlich wird es unter anderem darum gehen, laufende Verfahren im legalen Markt sachgerecht weiterzuführen – etwa im Zusammenhang mit dem Einzahlungslimit – und zugleich die Instrumente gegen unerlaubte Angebote konsequent weiterzuentwickeln.

Mein Ziel ist es, dass der Verwaltungsrat die GGL in dieser Phase stabil, konstruktiv und lösungsorientiert begleitet und damit zu einem wirksamen Vollzug der Ziele des Glücksspielstaatsvertrags beiträgt.

Ein zentrales Thema Ihrer Amtszeit wird die anstehende Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrages sein, die kurz vor dem Abschluss steht und weitreichende Änderungen der bisherigen Regulierung nach sich ziehen könnte. Welche Erwartungen haben Sie an diesen Prozess und in welchen Bereichen sehen Sie schon heute den größten Handlungsbedarf? Wie wollen Sie als Verwaltungsratsvorsitzender sicherstellen, dass die Erkenntnisse aus diesem Prozess schnell und effektiv in konkrete regulatorische Anpassungen einfließen?

Die Evaluierung ist aus meiner Sicht ein zentrales Instrument, um die Wirksamkeit der bestehenden Regulierung und des Vollzugs anhand belastbarer Erkenntnisse zu prüfen. Sie wird ergebnisoffen, faktenbasiert und mit Blick auf die Ziele des Glücksspielstaatsvertrags geführt werden.

Die GGL ist als zentrale Vollzugs- und Aufsichtsbehörde in besonderer Weise in der Lage, praktische Vollzugserfahrungen, Daten und fachliche Einschätzungen in den Evaluierungsprozess einzubringen.

Der Verwaltungsrat kann diesen Beitrag begleiten und unterstützen. Maßgeblich wird sein, dass etwaige Änderungsbedarfe nicht abstrakt, sondern mit Blick auf Vollzugstauglichkeit, Rechtssicherheit, Spielerschutz, Kanalisierung und die Bekämpfung unerlaubter Angebote bewertet werden. Aus meiner Sicht sollte jede Weiterentwicklung der Regulierung daran gemessen werden, ob sie die Ziele des Staatsvertrags in der Praxis besser erreichbar macht.

Der illegale Glücksspielmarkt gilt weiterhin als eine der größten Herausforderungen für die Regulierung. Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie als Verwaltungsratsvorsitzender vorantreiben, um illegale Anbieter wirksamer zu bekämpfen? Welche neuen oder erweiterten Strategien planen Sie, um den Druck auf illegale Strukturen weiter zu erhöhen?

Die Bekämpfung unerlaubten Glücksspiels bleibt eine Kernaufgabe des Vollzugs und zugleich eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die gesetzlich regulierten Angebote ihre Kanalisierungsfunktion erfüllen können. Der Verwaltungsrat steuert dabei nicht einzelne Vollzugsmaßnahmen, wird die GGL aber darin unterstützen, die hierfür erforderlichen organisatorischen, rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln.

Die GGL verfolgt bereits einen zunehmend ganzheitlichen Ansatz. Dazu gehören die Nutzung der vorhandenen aufsichtsrechtlichen Instrumente, die Einbeziehung von an unerlaubten Angeboten beteiligten Akteuren, die weitere internationale Vernetzung mit Aufsichtsbehörden sowie - soweit die rechtlichen und tatsächlichen Voraussetzungen vorliegen - technische Maßnahmen wie IP-Blocking. Ziel ist es, nicht nur einzelne Angebote zu unterbinden, sondern die dahinterliegenden Geschäftsprozesse spürbar zu stören.

Diesen Ansatz halte ich für richtig. Entscheidend wird sein, ihn mit Augenmaß und zugleich konsequent fortzuführen. Die GGL kann sich bei den damit verbundenen Grundsatz- und Strukturfragen auf eine konstruktive Begleitung und Unterstützung durch den Verwaltungsrat verlassen.

Immer wieder kritisieren legale Anbieter, dass eine zu strenge Regulierung die Kanalisierung der Spieler in den erlaubten Markt erschwere. Wie wollen Sie den Ausgleich zwischen konsequentem Spielerschutz und einem attraktiven legalen Angebot schaffen?

Der Ausgleich zwischen wirksamem Spielerschutz und einer funktionierenden Kanalisierung in den erlaubten Markt gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Glücksspielregulierung. Ein legaler Markt kann nur dann dauerhaft tragfähig sein, wenn er zugleich verlässlich reguliert ist und die Schutzanliegen des Glücksspielstaatsvertrags ernst nimmt.

Richtig ist aber auch, dass Regulierung in der Praxis wirksam und vollzugstauglich sein muss. Deshalb ist die Evaluierung so wichtig. Sie sollte zeigen, welche Regelungen ihre Ziele erreichen, wo Nachsteuerungsbedarf besteht und wie legale Angebote so ausgestaltet werden können, dass sie kanalisieren, ohne die Anforderungen an Spieler- und Jugendschutz zu relativieren.

Ein Abbau zentraler Schutzstandards ist aus meiner Sicht nicht der richtige Weg. In erster Linie muss der Druck auf den illegalen Markt erhöht werden. Kanalisierung gelingt nur, wenn regulierte Angebote funktionsfähig sind und unerlaubte Angebote zugleich wirksam zurückgedrängt werden.

Die GGL agiert im engen Zusammenwirken mit den Bundesländern. Wo sehen Sie dennoch Verbesserungsbedarf - etwa bei der Zusammenarbeit mit den Ländern, der Transparenz der Aufsicht oder auch in der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft? Welche Akzente möchten Sie hier persönlich setzen?

Die GGL ist als zentrale Vollzugs- und Aufsichtsbehörde der Länder auf einen engen, kontinuierlichen Austausch mit den Ländern angewiesen. Dieser Austausch findet sowohl im Verwaltungsrat als auch in weiteren fachlichen Formaten statt. Wichtig ist, dass dabei Zuständigkeiten klar bleiben und Abstimmungen effizient erfolgen.

Bei der Transparenz der Aufsicht gilt aus meiner Sicht ein ausgewogenes Verständnis: Die GGL sollte ihre Maßstäbe, Verfahren und Erwartungen nachvollziehbar kommunizieren. Zugleich gibt es Beratungen, laufende Verfahren und rechtlich geschützte Belange, die nicht öffentlich geführt werden können. Transparenz bedeutet daher nicht vollständige Öffentlichkeit, sondern nachvollziehbares, berechenbares und rechtssicheres Verwaltungshandeln.

Auch der Austausch mit der Wirtschaft und mit Interessenverbänden ist wichtig, weil er praktische Hinweise geben und zur Vollzugstauglichkeit beitragen kann. Der Dreiklang aus Prävention, Intervention und Repression ist auch im Glückspielbereich richtig. Persönlich möchte ich Akzente bei strukturierten Dialogformaten, klarer Kommunikation und einer verlässlichen Begleitung der GGL durch den Verwaltungsrat setzen - immer mit dem Ziel, die Aufgaben der Behörde wirksam und rechtssicher zu erfüllen.

Herr Hochgrebe, vielen Dank für das Gespräch.

ANZEIGE

Tags

Auf Social Media teilen

Autor*in

Das könnte Sie auch interessieren

Zeal Network erweitert Lotto24 um Haus- und Autoverlosungen
Zeal baut Lotto24-Geschäft mit Haus- und Autoverlosungen aus
Zeal Network erweitert das Geschäft von Lotto24 um Haus- und Autoverlosungen und expandiert nach Großbritannien. Damit soll das Geschäft weniger stark von hohen Lotto-Jackpots abhängen.
Artikel lesen
Banijay Gaming ernennt Antoine Jouteau zum neuen CEO
Banijay Gaming ernennt Antoine Jouteau zum neuen CEO, um die eigene Wachstumsstrategie zu beschleunigen. Er soll die Stärken von Betclic, Tipico und Admiral bündeln.
Artikel lesen
GGL und Dataport bauen LUGAS für datenbasierte Glücksspielaufsicht aus
GGL und Dataport entwickeln LUGAS weiter. Ab 2027 sollen Safe-Server-Daten stärker ausgewertet werden und eine belastbare Grundlage für Aufsicht, Spielerschutz und Regulierung schaffen.
Artikel lesen