7. Oktober 2026

Steuern, Blacklists und Übernahmen verändern Europas Glücksspielmarkt

Großbritannien erhöht Glücksspielabgaben, Italien und Rumänien bauen Blacklists aus, bei evoke und Evolution verändern sich Eigentümerstrukturen. Europas Glücksspielmarkt bleibt in Bewegung.

Analyse des europäischen Glücksspielmarktes mit Finanzdaten, Marktcharts und Europakarte

Steigende Glücksspielsteuern, technische Sperrmaßnahmen gegen illegale Anbieter und neue Beteiligungsstrukturen verändern den europäischen Glücksspielmarkt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Großbritannien erhöht den Kostendruck: Seit dem 1. April 2026 beträgt die Remote Gaming Duty 40 Prozent statt zuvor 21 Prozent. Bei evoke zeigen sich die zusätzlichen Glücksspielabgaben bereits in den Halbjahreszahlen.

  • Italien erweitert seine Blacklist: Die Glücksspielbehörde ADM ordnete im September die Sperrung weiterer 61 nicht autorisierter Glücksspielseiten an. Die veröffentlichte Liste umfasst damit 12.699 Domains.

  • Rumänien setzt auf technische Erkennung: Die Glücksspielaufsicht ONJN nahm Ende Juli rund 800 illegale Glücksspielseiten neu in ihre Blacklist auf. Dabei kam nach Angaben der Behörde ein Instrument zur Erkennung von Klonseiten zum Einsatz.

  • Die geplante Übernahme von evoke schreitet voran: Die evoke-Aktionäre stimmten am 17. August 2026 zu, am 18. September folgte die erforderliche Zustimmung der Aktionäre von Bally’s Intralot. Der Abschluss steht noch unter weiteren Bedingungen.

  • Das Pflichtangebot für Evolution ist beendet: Lediglich 111.716 Evolution-Aktien wurden Candle Lake angeboten. Das entspricht rund 0,06 Prozent der Aktien. Candle Lake hält nach Abschluss des Angebots rund 31,6 Prozent des Unternehmens.

Der europäische Glücksspielmarkt gerät gleichzeitig auf mehreren Ebenen in Bewegung. In Großbritannien schlägt eine massive Steuererhöhung bereits in den Finanzzahlen großer Anbieter durch. Italien und Rumänien verstärken ihre technischen Maßnahmen gegen illegale Glücksspielseiten. Gleichzeitig sorgen Übernahmen und neue Beteiligungsverhältnisse bei großen Unternehmen für Bewegung.

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei der britischen Remote Gaming Duty. Seit dem 1. April 2026 werden die Gewinne aus Remote Gaming mit 40 Prozent statt zuvor 21 Prozent besteuert. Die Folgen sind keine theoretische Rechengröße mehr, sondern erreichen inzwischen unmittelbar die Bilanzen der Anbieter.

Britische Glücksspielsteuer belastet die Unternehmen

Wie die britische Steuerbehörde HM Revenue & Customs mitteilt, gilt der neue Satz von 40 Prozent für die Gewinne aus Remote Gaming mit britischen Kunden. Die Steuer betrifft damit insbesondere Online-Casino und andere Formen des Remote Gaming. Für Remote-Sportwetten ist eine weitere Steueränderung vorgesehen: Ab April 2027 steigt die Belastung für einen großen Teil dieser Wetten von 15 auf 25 Prozent.

Wie stark höhere Glücksspielabgaben wirken können, zeigen die Halbjahreszahlen von evoke. Der Konzern hinter William Hill, 888 und Mr Green meldete für die ersten sechs Monate 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum rund 46 Millionen Pfund zusätzliche Glücksspielabgaben. Den größten Anteil daran hatte Großbritannien, höhere Abgaben in Rumänien und Italien spielten ebenfalls eine Rolle.

Mehr als die Hälfte dieser zusätzlichen Belastung konnte evoke nach eigenen Angaben durch effizientere Marketingausgaben, geringere Promotionskosten und operative Einsparungen auffangen. Das bereinigte EBITDA ging dennoch um zwölf Prozent auf 124,8 Millionen Pfund zurück.

Die Entwicklung macht eine grundsätzliche Herausforderung für regulierte Glücksspielunternehmen sichtbar: Höhere Abgaben müssen entweder durch steigende Erlöse, Kostensenkungen oder höhere Effizienz aufgefangen werden. Gerade für Unternehmen mit großen Kundenbeständen, mehreren Marken und eigener Technologie kann Größe damit zu einem noch wichtigeren Wettbewerbsvorteil werden.

Konsolidierung gewinnt zusätzlich an Bedeutung

Parallel zum Kostendruck verändert sich die Unternehmenslandschaft. Die Banijay Group schloss im April 2026 die Übernahme der Tipico Group ab. Unter Banijay Gaming werden damit Betclic, Tipico und Admiral gebündelt. Auf Pro-forma-Basis hätte Banijay Gaming nach Unternehmensangaben 2025 rund 3,1 Milliarden Euro Umsatz erzielt.

Auch bei evoke steht eine grundlegende Veränderung bevor. Die Aktionäre stimmten am 18. August 2026 der Übernahme durch Bally’s Intralot mit großer Mehrheit zu. Damit steht ein weiteres bekanntes europäisches Glücksspielunternehmen vor der Einbindung in eine größere Unternehmensgruppe.

Nicht jede Übernahme lässt sich unmittelbar mit höheren Steuern oder regulatorischen Kosten erklären. Der wirtschaftliche Nutzen von Skalierung nimmt unter diesen Rahmenbedingungen jedoch zu. Technologie, Compliance, Marketing und regulatorische Anforderungen verursachen hohe Fixkosten, die größere Anbieter über mehrere Marken und Märkte verteilen können.

Italien ordnet Sperrung weiterer 61 Glücksspielseiten an

Italien erweitert seine Liste nicht autorisierter Glücksspielangebote erneut. Nach Angaben der italienischen Glücksspielbehörde Agenzia delle Dogane e dei Monopoli, kurz ADM, wurde im September die Sperrung von weiteren 61 Webseiten angeordnet.

Damit umfasst die veröffentlichte Liste nach Angaben der ADM 12.699 Domains. Die Internetprovider müssen die neuen Seiten spätestens bis zum 9. Oktober 2026 sperren beziehungsweise auf die von der Behörde vorgesehene Hinweisseite umleiten.

Die neue Verfügung ergänzt die vorherige Maßnahme vom 5. August 2026. Damals hatte die ADM die Sperrung weiterer 190 nicht autorisierter Glücksspielseiten angeordnet. Seit April nutzt die Behörde zudem eine neue zentrale Weiterleitungsadresse für gesperrte Angebote.

Die Zahl der angeordneten Sperren dokumentiert den Umfang der italienischen Maßnahmen gegen nicht autorisierte Angebote. Ob und in welchem Umfang Domainsperren die Nutzung illegaler Glücksspielseiten tatsächlich reduzieren, lässt sich aus der Zahl der gesperrten Adressen allein allerdings nicht ableiten.

Rumänien setzt rund 800 Domains auf die Blacklist

Auch Rumänien weitete seine Maßnahmen gegen illegales Online-Glücksspiel zuletzt deutlich aus. Die nationale Glücksspielaufsicht ONJN teilte am 31. Juli 2026 mit, dass ihr Aufsichtsgremium rund 800 illegale Glücksspielseiten neu in die Blacklist aufgenommen habe.

Diese Domains kamen zu rund 370 Seiten hinzu, die nach Angaben der Behörde zuvor während der Amtszeit der aktuellen Führung aufgenommen worden waren. Die ONJN erklärte zudem, zwischen ihrer Gründung im Jahr 2013 und April 2025 seien insgesamt rund 1.500 illegale Seiten in die Blacklist eingetragen worden. Seit Beginn der aktuellen Amtszeit seien rund 1.180 weitere Seiten hinzugekommen.

Für die jüngste Maßnahme nutzte die ONJN nach eigenen Angaben unter anderem ein neu entwickeltes Instrument zur Erkennung sogenannter Klonseiten. Damit sollen Angebote identifiziert werden, die auf vergleichbaren technischen Strukturen beruhen, aber unter unterschiedlichen Domains auftreten.

Das Vorgehen verdeutlicht eine Schwierigkeit bei der Bekämpfung illegaler Online-Angebote. Nach einer Domainsperre können Betreiber unter einer neuen Internetadresse erneut auftreten. Für Aufsichtsbehörden gewinnt deshalb die Erkennung zusammenhängender Domain- und Plattformstrukturen an Bedeutung.

Pflichtangebot für Evolution endet mit geringer Annahmequote

Das von Kenneth Dart kontrollierte Investmentvehikel Candle Lake hatte am 13. August 2026 ein verpflichtendes öffentliches Barangebot für die Aktionäre des schwedischen Glücksspielanbieters Evolution vorgelegt. Hintergrund war das Überschreiten der schwedischen Beteiligungsschwelle von 30 Prozent.

Candle Lake bot 695 schwedische Kronen je Evolution-Aktie. Die Annahmefrist endete am 15. September. Das am folgenden Tag veröffentlichte Endergebnis zeigt, dass nur ein kleiner Teil der übrigen Aktionäre das Angebot annahm.

Insgesamt wurden 111.716 Aktien angeboten, entsprechend rund 0,06 Prozent des Aktienkapitals und der Stimmrechte. Zusammen mit den bereits gehaltenen oder kontrollierten Aktien verfügt Candle Lake nach eigenen Angaben damit über 59.910.335 Evolution-Aktien. Das entspricht rund 31,6 Prozent des Unternehmens.

Zusätzlich besteht über Total-Return-Swaps eine indirekte finanzielle Beteiligung an weiteren rund vier Millionen Aktien. Unter Einbeziehung dieser Positionen beziffert Candle Lake seine gesamte finanzielle Exponierung gegenüber Evolution auf rund 33,8 Prozent.

Das Pflichtangebot führte damit nur zu einer geringfügigen Erhöhung des direkten Aktienanteils. Die im August noch theoretisch mögliche vollständige Übernahme durch das Angebot ist nicht eingetreten.

Evolution mit EBITDA-Marge von 65,9 Prozent

Evolution weist weiterhin eine hohe operative Marge aus. Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Nettoumsatz von 517,8 Millionen Euro und ein EBITDA von 341 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge lag nach Unternehmensangaben bei 65,9 Prozent.

Gleichzeitig zeigt Evolution, dass regulatorische Anforderungen zunehmend auch Unternehmen auf der B2B-Seite des Glücksspielmarktes betreffen. Die britische Gambling Commission veröffentlichte im Juli 2026 das Ergebnis eines Verfahrens gegen Evolution Malta Holding.

Evolution Malta Holding verpflichtete sich im Rahmen des regulatorischen Vergleichs zu einer Zahlung von 4,75 Millionen Pfund. Nach Angaben der Gambling Commission waren Spiele des Unternehmens auf sechs nicht lizenzierten Webseiten verfügbar, die von Verbrauchern in Großbritannien erreicht werden konnten. Die Behörde stellte zudem Mängel bei der Risikobewertung und bei Kontrollmaßnahmen fest.

Damit rücken neben den Betreibern von Glücksspielseiten auch Spielehersteller und weitere Dienstleister stärker in den Fokus der Aufsicht. Für B2B-Unternehmen spielt deshalb eine größere Rolle, über welche Betreiber und Vertriebswege ihre Produkte in einzelnen Märkten angeboten werden.

Europas Behörden gehen technischer gegen den Schwarzmarkt vor

Die Entwicklungen in Italien und Rumänien besitzen deshalb eine Bedeutung, die über die jeweils gesperrten Domains hinausgeht. Regulierung verlagert sich stärker in Richtung technischer Marktüberwachung.

Blacklists, Domainerkennung, Weiterleitungssysteme und die Identifikation von Klonseiten sollen es illegalen Betreibern erschweren, nach einer einzelnen Sperre einfach unter einer neuen Adresse weiterzumachen. Gleichzeitig nehmen Behörden verstärkt Dienstleister und Strukturen rund um das eigentliche Glücksspielangebot in den Blick.

Wie groß der illegale europäische Online-Markt tatsächlich ist, bleibt allerdings umstritten. Eine von der European Casino Association beauftragte Untersuchung von Yield Sec kam für 2024 zu dem Ergebnis, dass 71 Prozent des Online-Glücksspielmarktes der EU auf illegale Anbieter entfielen. Für Deutschland ermittelte das von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder beauftragte Blockchain Research Lab mit einer anderen Methodik dagegen einen Anteil unerlaubten Online-Glücksspiels von 22,97 Prozent. Die Werte sind aufgrund unterschiedlicher Untersuchungsmethoden und Marktdefinitionen nicht unmittelbar vergleichbar.

Unabhängig von der konkreten Größenordnung bleibt der Schwarzmarkt damit eines der zentralen Themen der europäischen Regulierung.

Kosten, Kanalisierung und Kapital verändern den Wettbewerb

Für den deutschen Glücksspielmarkt sind die Entwicklungen in den europäischen Nachbarstaaten aus mehreren Gründen relevant. Italien und Rumänien zeigen, wie stark Behörden inzwischen auf technische Instrumente und eine schnelle Identifikation illegaler Angebote setzen. Für die deutsche Diskussion um Kanalisierung und Schwarzmarktbekämpfung dürfte damit auch die Frage wichtiger werden, wie schnell und effektiv illegale Webseiten tatsächlich aus dem Markt gedrängt werden können.

Auf der anderen Seite zeigt Großbritannien, welche wirtschaftlichen Folgen starke Eingriffe auf der Kostenseite haben können. Lizenzierte Unternehmen müssen Glücksspielabgaben, Spielerschutz, Technologie, Compliance und weitere regulatorische Anforderungen finanzieren und gleichzeitig mit Anbietern konkurrieren, die sich diesen Vorgaben entziehen.

Hinzu kommen anhaltende rechtliche Auseinandersetzungen und hohe Compliance-Kosten im deutschen Markt. Für Lizenzinhaber wird damit nicht nur entscheidend, regulatorische Vorgaben einzuhalten, sondern dies auch wirtschaftlich dauerhaft tragen zu können.

Die derzeitige Entwicklung in Europa verläuft deshalb in zwei Richtungen gleichzeitig: Der Druck auf illegale Anbieter nimmt zu, zugleich steigen in Teilen des legalen Marktes die Kosten. Übernahmen wie Banijay und Tipico, die bevorstehende Neuordnung bei evoke und die Milliardenbewegung rund um Evolution zeigen, dass Kapitalstärke und Größe unter diesen Bedingungen weiter an Bedeutung gewinnen.

Der europäische Glücksspielmarkt wird damit nicht einfach größer oder stärker reguliert. Er wird technischer überwacht, kapitalintensiver und für die Unternehmen anspruchsvoller. Für die Marktkanalisierung wird entscheidend sein, ob Regulierung beide Seiten dieser Entwicklung zusammenbringt: einen konsequenten Vollzug gegen illegale Angebote und Rahmenbedingungen, unter denen legale Anbieter konkurrenzfähig bleiben.

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