Online-Glücksspiel nähert sich der 40-Prozent-Marke – Entwicklung zeigt nachhaltiges Wachstum im digitalen Segment
Der europäische Glücksspielmarkt setzt auch 2024 seinen Wachstumskurs fort. Mit einem Bruttospielertrag (GGR) von 123,4 Milliarden Euro verzeichnete die Branche ein Plus von 5 % im Vergleich zum Vorjahr. Besonders das Online-Segment gewinnt weiter an Bedeutung und steuert mittlerweile 39 % zum Gesamtmarkt bei – ein Anstieg um zwei Prozentpunkte gegenüber 2023.
Dies geht aus dem aktuellen Jahresbericht der European Gaming and Betting Association (EGBA) hervor, der in Kooperation mit dem Datenanalysehaus H2 Gambling Capital veröffentlicht wurde.
Mit 47,9 Milliarden Euro erwirtschaftete das Online-Glücksspiel 2024 fast 40 % des gesamten europäischen Glücksspielumsatzes. Damit rückt die digitale Sparte zunehmend in Richtung Gleichgewicht mit dem traditionell dominierenden landbasierten Segment, das auf 75,5 Milliarden Euro kam. Letzteres verzeichnete zwar ebenfalls einen leichten Zuwachs, büßte aber anteilig Marktvolumen ein – der stationäre Anteil sank von 63 % (2023) auf 61 % im laufenden Jahr.
Ein wesentlicher Treiber des digitalen Wachstums ist die mobile Nutzung: 58 % der Online-Einnahmen entfielen 2024 auf Endgeräte wie Smartphones und Tablets – ein weiterer Anstieg gegenüber den 56 % im Vorjahr. Die Zahlen belegen einen nachhaltigen strukturellen Wandel in der Nutzungsweise von Glücksspielangeboten.
Trotz des digitalen Trends bleibt die Lotterie das volumenstärkste Segment des europäischen Glücksspielmarkts: Mit einem Gesamtumsatz von 38 Milliarden Euro – davon 30,9 Milliarden Euro aus dem stationären Bereich – nimmt sie weiterhin die Spitzenposition ein. Es folgen Casinospiele mit insgesamt 30 Milliarden Euro, wobei hier das Online-Segment (21,5 Milliarden Euro) bereits deutlich vor dem stationären Bereich (8,5 Milliarden Euro) liegt.
Rein landbasiert bleibt hingegen das Segment der Spielautomaten, das 2024 einen Umsatz von 24,9 Milliarden Euro generierte. Deutlich digitaler zeigt sich der Bereich der Sport- und Eventwetten: Mit insgesamt 20,1 Milliarden Euro entfallen rund 68 % der Umsätze (13,7 Milliarden Euro) auf Online-Angebote.
Auffällig sind die teils erheblichen Unterschiede zwischen den europäischen Märkten in Bezug auf den Online-Anteil. Skandinavische Länder wie Schweden (68,3 %), Finnland (68,1 %) und Dänemark (68,1 %) führen die Liste an – dort dominiert das digitale Glücksspiel den Markt bereits deutlich. Spanien liegt mit lediglich 14,2 % Online-Anteil weit abgeschlagen am unteren Ende.
Ein Blick auf die Gesamtumsätze einzelner Länder zeigt Italien als Spitzenreiter im Jahr 2023 mit 21,0 Milliarden Euro, gefolgt vom Vereinigten Königreich (19,8 Mrd. €), Deutschland (14,4 Mrd. €) und Frankreich (14,0 Mrd. €). Diese Reihenfolge bezieht sich auf den GGR aller vertikalen Glücksspielformen zusammen.
Bis Ende des Jahrzehnts wird ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis zwischen Online- und stationärem Glücksspielmarkt erwartet.
Für das kommende Jahr 2025 rechnen die Analysten von H2 Gambling Capital mit einem weiteren Anstieg des Gesamtmarkts auf rund 127,7 Milliarden Euro – ein Plus von 3,5 %. Der Online-Sektor soll dabei erstmals die 40-Prozent-Marke überschreiten und 51,1 Milliarden Euro zum Gesamtumsatz beitragen.
Langfristig erwarten die Experten ein deutliches Wachstum des digitalen Glücksspiels: Bis 2029 soll das Online-Segment eine jährliche Wachstumsrate von 6,9 % erreichen und Einnahmen von 66,8 Milliarden Euro erzielen. Der landbasierte Markt soll im selben Zeitraum auf 82,4 Milliarden Euro anwachsen, jedoch mit einer deutlich geringeren jährlichen Rate von 1,8 %. Damit würde sich das Kräfteverhältnis zwischen Online und stationär im Glücksspielmarkt bis Ende des Jahrzehnts nahezu ausgleichen.
Die European Gaming and Betting Association sieht in der dynamischen Entwicklung des Online-Sektors eine logische Folge technologischer Innovationen und veränderter Nutzergewohnheiten. Zwar dominiere das stationäre Glücksspiel aktuell weiterhin den Markt, doch die Online-Kanäle zeigten eine deutlich stärkere Wachstumsdynamik. Der Verband geht davon aus, dass sich beide Marktsegmente mittelfristig annähern und langfristig ein Gleichgewicht bilden könnten – getragen von einem zunehmend digitalen Konsumverhalten.
Diese Entwicklung stellt nicht nur Anbieter, sondern auch Regulierungsbehörden und Spielerschutzinstitutionen vor neue Herausforderungen. Eine kontinuierliche Anpassung der regulatorischen Rahmenbedingungen und ein verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Angeboten bleiben entscheidend, um das Wachstum nachhaltig und sicher zu gestalten.
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