Polen verschärft den Kampf gegen illegales Online-Glücksspiel: Behörden gehen laut Branchenberichten erstmals koordiniert gegen Glücksspiel-Influencer und Zahlungsdienstleister vor.
Polen verschärft den Kampf gegen illegales Online-Glücksspiel und nimmt dabei erstmals systematisch Influencer und Zahlungsdienstleister ins Visier. Laut einer aktuellen Analyse des Branchenportals iGamingBusiness, verfasst vom polnischen Glücksspielrechtler Marek Plota (RM Legal), kam es in den vergangenen Tagen zu koordinierten Frühmorgen-Razzien gegen bekannte Streamer, die Offshore-Casinos beworben haben.
Über Jahre nutzten nicht lizenzierte Anbieter in Polen ein Doppelmodell aus klassischer Online-Werbung und Influencer-Marketing. Offshore-Casinos kombinierten Werbung über ausländische Netzwerke mit Streams und Promo-Content auf Plattformen wie YouTube, TikTok, Twitch oder Kick. Laut iGamingBusiness verlieh gerade der Influencer-Kanal diesen Angeboten eine besondere Nähe und Authentizität und erreichte vor allem jüngere Zielgruppen.
Nach der Analyse von Marek Plota markieren die aktuellen Maßnahmen einen Strategiewechsel: Die polnischen Behörden betrachten die Social-Media-Ebene nicht mehr als bloße „Werbeschicht“, sondern als integralen Bestandteil der illegalen Casino-Infrastruktur. Entsprechend werden Influencer, Agenturen und Affiliate-Netzwerke inzwischen ähnlich ernst genommen wie die Betreiber selbst.
Parallel zur Influencer-Schiene wird auch der Finanzsektor deutlich stärker eingebunden. Wie iGamingBusiness berichtet, hat die polnische Finanzaufsicht KNF ein branchenweites Schreiben an Zahlungsdienstleister verschickt. Darin werden Banken und Payment Service Provider aufgefordert, zu prüfen, ob sie Transaktionen für nicht lizenzierte Glücksspielanbieter abwickeln und solche Geschäftsbeziehungen unverzüglich zu beenden.
Nach Informationen aus Fachmedien werden Zahlungen im Zusammenhang mit unlizenzierter Glücksspielaktivität explizit als Hochrisiko im Rahmen von Geldwäsche- und Terrorismusbekämpfung eingeordnet. In der Folge sind in Polen verbreitete Bezahlmethoden wie BLIK auf verschiedenen Offshore-Seiten bereits verschwunden, Ein- und Auszahlungen wurden massiv erschwert.
Die aktuelle Enforcement-Welle wird in Polen von strukturellen Änderungen im Hintergrund getragen. Nach Berichten aus der Branche wurde im Finanzministerium ein eigenes Gambling Regulation Department eingerichtet, das mit der nationalen Steuer- und Zollverwaltung sowie der Finanzaufsicht zusammenarbeitet. Ergänzend gibt es ein interministerielles Team zur Bekämpfung des Graumarkts, in dem Ermittlungsbehörden, Aufsicht und weitere Ressorts koordiniert agieren.
Diese Struktur ermöglicht es, Muster in Werbung, Zahlungsströmen und Domain-Nutzung zusammenzuführen. Die Strategie folgt laut Analyse einem Drei-Stufen-Modell: Sichtbarkeit reduzieren (Influencer, Affiliates), Zugang einschränken (Domainblocking, digitale Überwachung) und Zahlungswege kappen (Druck auf Zahlungsdienstleister).
Polen verfügt bereits seit Jahren über ein restriktives Glücksspielregime. Das Finanzministerium reguliert den Markt zentral, Online-Casinospiele unterliegen einem staatlichen Monopol, private Anbieter können im Internet lediglich Sportwetten mit polnischer Lizenz anbieten. Ein öffentlich einsehbares Register listet Domains illegaler Anbieter, Werbung für die meisten Glücksspielprodukte ist verboten.
Trotz dieser Regeln gilt der Graumarkt als sehr groß. Bei Branchenkonferenzen und in Analysen polnischer Experten wird seit längerem darauf hingewiesen, dass legale Anbieter mit strengen Werbeverboten und hoher Steuerbelastung konfrontiert sind, während nicht lizenzierte Plattformen vergleichsweise ungestört agieren konnten.
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