5. September 2026
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Verkauf von Bet365? Coates-Familie prüft Milliarden-Exit aus dem Sportwetten-Imperium

Die Eigentümerfamilie des britischen Glücksspielkonzerns Bet365 denkt offenbar über einen teilweisen oder vollständigen Verkauf ihres Unternehmens nach. Der mögliche Deal würde nicht nur einen historischen Eigentümerwechsel bedeuten, sondern könnte auch neue Maßstäbe für die Bewertung digitaler Glücksspielanbieter setzen. Gespräche mit US-Investoren und Investmentbanken laufen – und der Zeitrahmen scheint strategisch gewählt.

Zwischen Rückzug und Wachstum: Die strategische Neuausrichtung von Bet365

Das britische Familienunternehmen Bet365 zählt zu den größten privaten Online-Sportwettenanbietern weltweit. Nun erwägt die Coates-Familie, das Unternehmen teilweise oder vollständig zu veräußern – ein Schritt, der Bet365 mit rund 9 Milliarden Pfund Sterling (rund 10,6 Milliarden Euro) bewerten könnte. Das berichtete zuerst die britische Tageszeitung The Guardian, weitere Details lieferte das Fachportal Onlinecasinosdeutschland.

Im Raum stehen verschiedene Optionen: ein klassischer Börsengang an einer US-Börse, ein Teilverkauf an Private-Equity-Investoren oder auch ein Spin-off einzelner Unternehmensbereiche, die dann unabhängig operieren würden. Die Gespräche mit Investmentbanken befinden sich laut übereinstimmenden Medienberichten bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.

Finanzstark und wachstumsbereit

Bet365 präsentierte sich zuletzt in robuster Verfassung. Für das Geschäftsjahr bis März 2024 meldete das Unternehmen einen Umsatzanstieg um neun Prozent auf 3,72 Milliarden Pfund. Der Vorsteuergewinn lag bei 626,6 Millionen Pfund – eine deutliche Trendwende nach einem Verlustjahr.

Angesichts des Wachstums und der guten Liquiditätslage wäre ein Börsengang nicht nur ein logischer Schritt, sondern könnte auch Signalwirkung für die gesamte Branche haben: Marktbeobachter sehen darin ein mögliches Benchmarking für die Bewertung anderer Glücksspielanbieter, etwa Flutter oder Entain.

Denise Coates – strategischer Rückzug auf Zeit?

Bet365 wurde maßgeblich von Denise Coates aufgebaut, die heute 58 Prozent der Anteile hält. Ein Verkauf könnte ihr mehr als 5 Milliarden Pfund einbringen. Beobachter vermuten auch persönliche Motive hinter dem möglichen Exit: Die Mitgründerin wird in zwei Jahren 60 und könnte diesen Meilenstein als geeigneten Zeitpunkt für einen strukturierten Rückzug aus dem operativen Geschäft betrachten.

Zugleich hat die Familie jüngst entscheidende Weichen gestellt:

  • Im Frühjahr 2025 erfolgte der Rückzug aus dem chinesischen Markt, der lange als juristisch heikel galt.

  • Bereits im August 2024 wurde der Fußballverein Stoke City FC aus dem Unternehmensverbund gelöst und auf Denise Coates’ Bruder John übertragen.

Diese Schritte werden in Branchenkreisen als gezielte Vorbereitung für eine US-konforme Neuausrichtung gewertet – sowohl mit Blick auf Investorenanforderungen als auch auf regulatorische Transparenz.

Fokus auf den US-Markt – zum richtigen Zeitpunkt?

Seit der Liberalisierung des Sportwettenmarkts in den USA im Jahr 2018 hat sich Bet365 erfolgreich in 13 Bundesstaaten etabliert. Inzwischen strebt das Unternehmen laut der Gaming-Beratung Eilers & Krejcik Gaming (EKG) einen zweistelligen Marktanteil an – aktuell liegt dieser bei rund 2,5 %.

Die Aussichten sind attraktiv: Laut EKG soll der US-Sportwettenmarkt von 14 auf über 23 Milliarden Dollar bis 2029 anwachsen. Für Bet365 ergibt sich daraus nicht nur weiteres Expansionspotenzial, sondern auch die Notwendigkeit externer Kapitalquellen, um im Wettbewerb mit US-Giganten wie DraftKings zu bestehen.

Zwischen Diskretion und Transparenz

Ein Börsengang – insbesondere in den USA – würde jedoch einen fundamentalen Kulturwandel mit sich bringen: Bet365 gilt bislang als extrem zurückhaltend in der öffentlichen Kommunikation. Eine Notierung an der Börse würde neue Offenlegungspflichten mit sich bringen – ein potenzieller Bruch mit der bisherigen Firmenpolitik, die stark von der medial scheuen Denise Coates geprägt ist.

Fazit: Reifeprüfung für ein Familienunternehmen

Ob der Verkauf letztlich erfolgt, bleibt offen. Die Coates-Familie ist alleinige Eigentümerin und nicht unter Handlungsdruck. Doch die Weichenstellungen der vergangenen Monate – wirtschaftlich wie strukturell – deuten auf einen bewussten und gut vorbereiteten Strategieprozess hin.

In einem zunehmend dynamischen globalen Glücksspielmarkt könnte Bet365 mit einem Börsengang nicht nur Kapital generieren, sondern auch ein Zeichen für die Reife und das Potenzial digitaler Glücksspielkonzerne setzen – und die Branche langfristig neu ausbalancieren.

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