Temin Joguncic ist Deutschlands bester Dealer. Bei der German Dealer Championship in Berlin überzeugte er mit Präzision, Ruhe und Gastfreundschaft und qualifizierte sich für die Europameisterschaft in Baden-Baden.
Temin Joguncic hat sich beim German Dealer Championship bereits 2025 den Titel gesichert.
Temin Joguncic ist Deutschlands bester Dealer. Bei der vierten „German Dealer Championship“ setzte er sich in der Spielbank Berlin am Potsdamer Platz gegen 22 Konkurrenten aus elf Bundesländern durch. Die Hauptstadt war für drei Tage das Zentrum der deutschen Casinowelt. Mit Ruhe, Präzision und der Fähigkeit, Technik und Gastfreundschaft zu verbinden, überzeugte Temin Joguncic die Jury und sicherte sich den deutschen Titel und das Ticket zur Teilnahme an der Europameisterschaft im Juni in Baden-Baden, bei der sich die Besten aus über 20 Nationen messen. Die Anreise wird sich leicht gestalten, die Spielbank Baden-Baden ist die normale Arbeitsstätte von Joguncic.
Vom ersten Moment an lag bei dem Wettbewerb in der Spielbank am Potsdamer Platz eine besondere Spannung in der Luft. Die Dealer, nahezu alle in ihrer Berufskleidung, weißes oder schwarzes Hemd mit Fliege oder Krawatte, teils mit Weste und Jackett waren alle sehr konzentriert bei der Sache. Die Atmosphäre im Turniersaal der Spielbank Berlin ist elektrisierend. Das leise Klacken der Chips, das sanfte Gleiten der Karten über den Filz, die konzentrierten Blicke der Juroren. Der Wettbewerb war hochspannend. Die Spielbank wurde zur Bühne für Menschen, die ihr Handwerk perfektioniert haben. In den Disziplinen American Roulette und Black Jack ging es nicht nur um Technik, sondern um die Kunst, daraus ein Erlebnis zu machen.
Bewertet wurde die ganzheitliche Performance am Tisch, in den Kategorien Gastfreundlichkeit, technische Fertigkeiten und Spielkontrolle. Ein entscheidendes Detail gab dabei den Ausschlag: Die Kategorie Gastfreundschaft wurde mit dem dreifachen Faktor gewertet. Vor den Tischen sitzen keine Spieler, sondern Juroren - erfahrene Croupiers und Ausbilder, deren Blicke jede Bewegung erfassen. Bewertet wird nicht nur technisches Können, sondern auch das, was den Beruf erst lebendig macht: Gastfreundschaft, Präsenz, die Fähigkeit, eine Atmosphäre zu schaffen. Zwischen einem aufmunternden, auch beruhigenden Lächeln und einem perfekt gestapelten Chipstapel liegen oft entscheidende Punkte.
Die Juroren agierten als anspruchsvolle Gäste und prüften, ob die Dealer neben der technischen Präzision auch die emotionale Klaviatur beherrschten. Wer nicht nur stumm Chips stapelte, sondern mit einem freundlichen Gesichtsausdruck, einem lockeren Spruch oder feiner, aber auch dezenter Körpersprache eine Wohlfühlatmosphäre schuf, sammelte wertvolle Punkte. Ein Lächeln, die richtige Ansprache, ein souveräner Umgang mit den „Gästen“, all das entschied mit über Sieg oder Niederlage. Die Juroren, die jede Bewegung, jeden Spruch, die Bewegung der Hände, die Mimik mit Argusaugen betrachten, sind erfahrene Croupiers und Ausbilder, die jeden Handgriff auf einer Skala von eins für Ungenügend (extrem geringe Qualität und unprofessionelles Auftreten) bis zehn für Außergewöhnlich (überragendes Spitzenleistung mit nachhaltigem Eindruck) bewerten.
Der Wettbewerb folgte einer klaren Dramaturgie. Nach der Auslosung traten die Teilnehmer in Gruppen gegeneinander an, durchliefen Vorrunde, Halbfinale und Finale. In nur 20 Minuten mussten sie die Jury überzeugen, die bewusst die Perspektive echter Casinobesucher einnahm. Sie achtete auf Kommunikation, Körpersprache, Übersicht und fehlerfreie Abläufe. Die Fingerfertigkeit ist hohe Kunst. Chips gleiten lautlos durch die Hände, Karten landen beim Black Jack exakt vor den Juroren - kein „Verschmeißen“, keine unsichere Bewegung. Jede Runde wird unbarmherzig nach genau 20 Minuten beendet. Die Juroren tragen ihre Punkte in eine elektronische Tabelle ein. Für die Dealer heißt es dann warten bis zum nächsten Einsatz – beim Roulette oder beim Black Jack.
Ergänzt wurden die Hauptdisziplinen durch Side Events, in denen einzelne Fähigkeiten isoliert geprüft wurden. Ob beim schnellen und sauberen Stapeln von Chips, beim exakten Umsortieren, beim präzisen Kartengeben oder bei rasanten Rechenaufgaben - stets waren höchste Konzentration und perfektes Zusammenspiel von Hand und Kopf gefragt. Die Anforderungen waren gnadenlos. Jeder Handgriff musste sitzen, ein kleiner Fehler konnte bei den Juroren den Ausschlag geben.
Besonderen Eindruck hinterließ Jennifer Dehren aus Nordrhein-Westfalen, die im Spielcasino in Monschau arbeitet. Sie war die einzige Frau unter den 22 besten deutschen Teilnehmern und hatte sich gegen acht andere Konkurrenten durchgesetzt, um nach Berlin fahren zu können. Seit sieben Jahren ist die nun 27jährige dabei. Die Spielleidenschaft ist früh beim Kartenspiel mit ihrer Mutter und Verwandten entbrannt. „Man muss Spaß daran haben“, meint sie. Sie ist eine blitzschnelle Rechnerin, bei Entertainment könnte sie nach eigener Einschätzung noch zulegen. Das schnelle und korrekte Rechnen ist für sie keine Anstrengung. Irgendwann ist es ihr „in Fleisch und Blut übergegangen“. Egal, ob und wieviel die Spieler auf „Plain, Cheval, Transversale, Carre oder Transversale Simpel“, Farben oder Kolonnen legen, in Windeseile sind die Summen zusammengerechnet und den Spielern zugeschoben. Irgendwann will sie sich zum Saalchef hochgearbeitet haben.
Trotz aller Professionalität war die Anspannung greifbar. „Mir ist die Nase gelaufen“, sagte ein Teilnehmer nach seiner Runde, „aber ich kann mir doch nicht am Spieltisch die Nase putzen.“ Ein Satz, der die Disziplin und den Anspruch des Berufs treffend zusammenfasste.
Am Roulettetisch zeigte sich auffallend, wer die Kontrolle behielt. Die „Spieler“ forderten mit immer neuen Einsätzen die volle Aufmerksamkeit. Der Tisch war stellenweise dicht mit Chips bedeckt. Doch die besten Dealer ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie lächelten, erklärten, reagierten - und behielten jederzeit den Überblick.
Zu ihnen gehörte auch Joshua Schmidt. Der 26-Jährige, der den dritten Platz belegte, hatte sich zuvor im internen Wettbewerb der Spielbank Berlin qualifiziert und trat mit spürbarer Leidenschaft an. Sein Weg in den Dealerberuf begann mit einem Casinobesuch mit Freunden. „Ich habe mich sofort in das Spiel verliebt“, erzählt er der GlücksWirtschaft in einer Spielpause. Die Eleganz, die Atmosphäre, das Zusammenspiel von Technik und Kommunikation hatten ihn fasziniert. Drei Tage nach dem Ereignis bewarb er sich bei der Spielbank Berlin, überzeugte beim Einstellungsgespräch, absolvierte eine intensive Ausbildung und fand seinen „absoluten Traumberuf“. Er lebt seine Leidenschaft am Tisch sichtlich aus. „Von 18 Uhr bis drei Uhr nachts zu arbeiten, war schon immer meine Traumzeit.“ Selbst im Urlaub besuchte er Casinos, vorzugsweise im Ausland, um Kollegen zu beobachten und deren Techniken zu studieren. Schmidt liebt das Roulette. Man merkt, dass es seine Lieblingsdisziplin ist. Ab und zu streicht er sich die blonden Haare aus dem Gesicht, er geht auf jeden Spielerwunsch ein, von Anspannung keine Spur.
Seit ihrer Premiere im Jahr 2023 hatte sich die German Dealer Championship zu einer festen Größe der Branche entwickelt. Für den Sieger bedeutete der Erfolg nicht nur den nationalen Titel, sondern auch die begehrte Qualifikation für die European Dealer Championship, bei der sich die Besten aus über 20 Nationen messen.
Berlin hatte damit nicht nur einen spannenden Wettbewerb erlebt, sondern auch gezeigt, dass Dealen weit mehr ist als ein Beruf, mehr als nur das korrekte Verteilen von Karten oder das korrekte Werfen der Roulettekugel - es ging um die perfekte Symbiose aus Handwerk, Mathematik und Charisma, eine Kunstform auf Spitzenniveau.
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