Eine Cicero-Reportage beleuchtet den Glücksspiel-Schwarzmarkt, begleitet eine Razzia und lässt Vertreter von Branche, Polizei und Politik zur Regulierung zu Wort kommen.
Ein Ausschnitt des Titels der aktuellen Cicero-Reportage.
Das Monatsmagazin Cicero widmet sich in seiner Ausgabe 08/2026 ausführlich dem legalen Glücksspiel und dem illegalen Schwarzmarkt. Reporter Jan Uphoff lässt in der Reportage „Das Spiel mit dem Verbot“, die ab Seite 81 erscheint, Vollzugsbeamte, Vertreter der legalen Automatenwirtschaft und Politiker zu Wort kommen.
Der Beitrag verbindet Eindrücke aus dem behördlichen Vollzug mit einem Besuch bei Löwen Entertainment in Bingen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die derzeitige Regulierung die Nachfrage noch ausreichend in den legalen Markt lenkt.
Zum Einstieg schildert Uphoff eine Razzia in Offenbach. Dort seien illegale Sportwetten über zwei Tablets abgewickelt worden. Auf der zuständigen Polizeiwache diene inzwischen ein kompletter Raum der Aufbewahrung sichergestellter illegaler Geräte.
Ein Beamter, der in der Reportage anonym bleibt, berichtet zudem von einem illegalen Automaten, der an einem stark frequentierten Bahnhof beschlagnahmt worden sei. Innerhalb von sechs Monaten sollen über das Gerät rund drei Millionen Euro umgesetzt worden sein.
Die Reportage beschreibt das illegale Glücksspiel nicht als Randerscheinung, sondern als wachsenden Parallelmarkt außerhalb staatlicher Regulierung. Zugleich wird die Frage aufgeworfen, ob das bestehende Regelwerk den Markt noch wirksam begrenzt oder Teile der Nachfrage unbeabsichtigt in den Untergrund verdrängt.
Ausführlich befasst sich die Reportage mit der Zusammenarbeit zwischen Vollzugsbehörden und der legalen Automatenwirtschaft. Georg Stecker, Sprecher des Vorstandes des Dachverbandes Die Deutsche Automatenwirtschaft, verweist auf die hohen Aufwendungen der Branche für Schulungen.
Auf dem Schwarzmarkt wird der Verbraucher- und Jugendschutz mit Füßen getreten. Wer dort spielt, ist vollkommen ungeschützt, ohne Einzahl- und Verlustgrenzen, ohne Sperrdatei, ohne geschultes Personal.
Der Staat sei bei der Bekämpfung des Schwarzmarktes auf das Fachwissen legaler Anbieter angewiesen. Gleichzeitig werde der regulierte Markt durch immer weitergehende Vorschriften geschwächt.
Stecker betont, dass es bei illegalen Angeboten weder wirksamen Verbraucher- und Jugendschutz noch Verlustbegrenzungen, Sperrsysteme oder geschultes Personal gebe. Spieler seien dort den Risiken des Glücksspiels weitgehend ungeschützt ausgesetzt.
Für die Reportage besuchte Uphoff auch Löwen Entertainment in Bingen. Schulungsreferent Sven Unger erläutert dort die technischen und regulatorischen Unterschiede zwischen legalen Geldspielgeräten und illegal betriebenen Automaten.
Zu den Schutzmechanismen gehören unter anderem die Begrenzung des Geldspeichers, gesetzlich vorgegebene Gewinn- und Verlustgrenzen, die Freischaltung über ein Identifikationsmittel zur Verhinderung der gleichzeitigen Nutzung mehrerer Geräte, verpflichtende Spielpausen sowie die Anbindung an das bundesweite Spielersperrsystem OASIS. Unger thematisiert außerdem das verbreitete Vorurteil, der Ausschank von Alkohol gehöre zum üblichen Angebot einer legalen Spielhalle.
Dr. Daniel Henzgen, Geschäftsführer Kommunikation und Compliance bei Löwen Entertainment, beschreibt in der Reportage den Zielkonflikt der Regulierung. Jede zusätzliche Schutzvorschrift erhöhe zwar die Kontrolle, könne gleichzeitig jedoch dazu führen, dass das legale Angebot für Spieler an Attraktivität verliere.
Organisierte Kriminalität fängt oft mit etwas vergleichsweise Kleinem wie illegalem Glücksspiel an.
Henzgen warnt zudem vor Verbindungen zwischen illegalem Glücksspiel und organisierter Kriminalität. Mit vergleichsweise einfach zu betreibenden illegalen Glücksspielangeboten könnten zunächst hohe Einnahmen erzielt werden. Diese Gelder könnten anschließend den Einstieg in andere, kapitalintensivere Straftaten erleichtern.
Die Cicero-Reportage verweist zudem auf eine Studie von Daniel Fritz, Professor Justus Haucap und Susanne Thorwarth zur Kanalisierungsquote des gewerblichen Automatenspiels. Für das Jahr 2022 errechneten die Autoren einen Schwarzmarktanteil zwischen 30 und 46 Prozent. Unter der Annahme unveränderter regulatorischer Rahmenbedingungen prognostizierte die Studie für 2026 einen Anstieg auf 45 bis 62 Prozent. Bei diesen Werten handelt es sich nicht um eine aktuell gemessene Schwarzmarktquote, sondern um eine auf Grundlage der bisherigen Marktentwicklung erstellte Prognose.
Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, erklärt in der Reportage, der behördliche Vollzug könne gegen den illegalen Markt derzeit lediglich punktuell vorgehen. Er spricht sich für einen attraktiveren legalen Markt und eine einfachere Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Behörden aus.
Der Cicero-Beitrag berücksichtigt auch politische Positionen, die eine Verknappung des legalen Angebots ausdrücklich befürworten. In Bremen werde die Einschränkung legaler Glücksspielangebote nicht als Fehlentwicklung, sondern als Bestandteil einer wissenschaftlich begründeten Präventionspolitik betrachtet.
Eine andere Einschätzung vertritt Erik Stohn, SPD-Abgeordneter im Landtag Brandenburg. Nach seiner Auffassung müsse sich die Politik stärker mit der tatsächlichen Lebensrealität der Spieler auseinandersetzen. Stohn fordert eine ausgewogene Vermittlung zwischen Spielerschutz, den wirtschaftlichen Interessen legaler Anbieter und einem konsequenten Vollzug gegen den Schwarzmarkt. Die Reportage stellt damit unterschiedliche Antworten auf die Frage gegenüber, wie Spielerschutz, Kanalisierung und eine wirksame Bekämpfung illegaler Angebote miteinander verbunden werden können.
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