Illegales Glücksspiel mitten im Berliner Alltag: Ein ARD-Mittagsmagazin-Team begleitet eine Razzia, bei der Automaten, Drogen, Waffen und Kinder in heruntergekommenen Hinterzimmern aufeinandertreffen, während dem Land Berlin Millionen an Steuern entgehen.
ARD-Mittagsmagazin berichtet von einer Glücksspiel-Razzia: Die Räumlichkeiten zeigen eine Mischung aus Wohn- und Spielhölle
Das ARD-Mittagsmagazin berichtete am 11. Dezember eindrücklich, wie präsent illegales Glücksspiel in Berlin ist und welche Folgen das für Staat und Stadtgesellschaft hat. Demnach wird der Hauptstadt jedes Jahr ein Millionenbetrag an Steuereinnahmen entzogen, obwohl beim regulierten Glücksspiel etwa jeder vierte Euro an das Land Berlin fließt. Illegale Strukturen umgehen diese Abgaben systematisch.
Im Beitrag begleiten die Reporterinnen und Reporter einen großangelegten Kontrolltag. Rund 60 Fahnder aus Polizei, Ordnungsamt, Zoll und weiteren Behörden sind gleichzeitig in mehreren Kiezen unterwegs. Zwei Lokale stehen dabei exemplarisch im Fokus: ein als Nagelstudio getarnter Betrieb und ein ehemaliges Restaurant, das nur auf den ersten Blick verlassen wirkt.
Die Ermittler treffen im ehemaligen Restaurant auf ein geöffnetes Objekt. Einige Personen versuchen sofort zu fliehen. Die Räumlichkeiten zeigen eine Mischung aus Wohn- und Spielhölle: Auf dem Boden stehen Betten, daneben liegen Crackpfeifen, ein Kind spielt zwischen den Möbeln. In einem hinteren Raum entdecken die Fahnder uralte Geldspielgeräte, aufgestellt wie in einer kleinen Spielhalle, ohne jede Genehmigung. Wer die Räume nutzt, bleibt unklar, alle Anwesenden geben an, nur zu Besuch zu sein. Auch Waffen werden gefunden.
Die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg macht im Beitrag deutlich, wie attraktiv diese Strukturen für die organisierte Kriminalität sind. Geld sei der Motor, so ihre Einschätzung, und illegale Glücksspielautomaten erlaubten mit wenig Aufwand hohe Gewinne. Kriminelle Netzwerke suchten sich gezielt Orte wie Friseursalons, Gaststätten oder Scheinbetriebe, hinter deren Fassade Automaten betrieben und Bargeldströme verschleiert werden.
Sabine Seidel, Kommissariatsleiterin beim LKA 334, beschreibt im Mittagsmagazin ein weiteres zentrales Problem der Ermittler: Die Drahtzieher blieben meist im Hintergrund, vorgeschoben würden Schein-Geschäftsführer. Wer tatsächlich die Fäden zieht und von den Gewinnen profitiert, lasse sich oft nur schwer nachweisen.
Der Beitrag zeigt damit beispielhaft, wie eng illegales Glücksspiel, organisierte Kriminalität, Steuerhinterziehung und soziale Verwahrlosung zusammenhängen. Während der legale Glücksspielmarkt streng reguliert ist, Abgaben leistet und Spielerschutzauflagen erfüllen muss, operiert der Schwarzmarkt in Hinterzimmern, vermeintlichen Ladengeschäften und verdeckten Casinos zulasten von Staat, Spielerschutz und Anwohnern.
Sie verlassen jetzt die offizielle Website der GlückWirtschaft. Für den Inhalt der folgenden Seiten ist die Sigert Verlag GmbH nicht verantwortlich.
Um fortzufahren drücken Sie 'Weiter'.