Robinhood nahm im zweiten Quartal 156 Millionen US-Dollar mit Ereigniskontrakten ein. Die Erlöse übertrafen jene aus Aktien- und Kryptohandel. In Deutschland sind Gesellschaftswetten nicht erlaubt.
Der US-Onlinebroker Robinhood hat sich eine neue, äußerst lukrative Einnahmequelle erschlossen. Bei ihm kann man Wetten auf politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ereignisse platzieren. Rund 18 Monate nach der Einführung sogenannter Event Contracts (Ereignis-Wetten) erzielt das Unternehmen mit dem Geschäft inzwischen höhere Erlöse als mit seinem klassischen Aktien- oder Kryptohandel.
Im letzten Quartal nahm der Broker Robinhood mit den Gesellschaftswetten 156 Millionen US-Dollar ein. Das entspricht rund zwölf Prozent des gesamten Quartalsumsatzes und übertrifft erstmals die Einnahmen aus dem traditionellen Kerngeschäft. Mit dem Aktienhandel machte das Unternehmen 129 Millionen US-Dollar Umsatz, der Handel mit Kryptowährungen brachte lediglich 100 Millionen Dollar. Für Vorstandschef Vladimir Tenev ist dies ein deutlicher Beleg dafür, wie stark die Nachfrage nach neuen Formen spekulativer Finanzprodukte wächst.
Bei den Event Contracts handelt es sich um Finanzkontrakte, mit denen Anleger auf den Eintritt oder Nichteintritt eines bestimmten Ereignisses setzen können. Dabei geht es nicht nur um Wahlen oder Zinsschritte der US-Notenbank, sondern auch um wirtschaftliche Kennzahlen, Sportereignisse oder gesellschaftliche Entwicklungen. Nutzer kaufen Kontrakte, deren Wert davon abhängt, ob ein vorher definiertes Ereignis eintritt. Anders als bei klassischen Sportwetten werden diese Produkte an regulierten Terminmärkten gehandelt und rechtlich häufig als Derivate eingestuft.
Befürworter argumentieren, dass solche Märkte Informationen bündeln und Erwartungen der Marktteilnehmer sichtbar machen. Kritiker sehen dagegen die Gefahr, dass die Grenzen zwischen seriöser Geldanlage und Glücksspiel zunehmend verschwimmen. Insbesondere wenn auf politische oder gesellschaftliche Ereignisse gewettet wird, stellt sich die Frage, ob wirtschaftliche Anreize problematische Fehlentwicklungen begünstigen könnten.
Robinhood ist längst nicht mehr allein in diesem Markt. Auch große Handelsplattformen wie Coinbase setzen zunehmend auf den Boom der Event Contracts und erweitern ihr Angebot entsprechend. Damit geraten die bisherigen Spezialanbieter Kalshi und Polymarket immer stärker unter Wettbewerbsdruck. Während diese Plattformen den Markt für Prognose- und Ereigniswetten maßgeblich aufgebaut haben, verfügen Robinhood und Coinbase über Millionen bestehender Kunden und können entsprechende Produkte direkt in ihre Handels-Apps integrieren.
Die Entwicklung zeigt, wie sich die Grenzen zwischen Börsenhandel, Finanzderivaten und Wetten zunehmend auflösen. Für viele Anbieter eröffnet dies neue Umsatzquellen in einem Markt, der weit über den klassischen Handel mit Aktien oder Kryptowährungen hinausgeht.
Während sich der Markt in den USA dynamisch entwickelt, sind Gesellschaftswetten in Deutschland bislang nicht zulässig. Das deutsche Glücksspiel- und Aufsichtsrecht lässt Wetten auf politische oder gesellschaftliche Ereignisse derzeit nicht zu. Entsprechend können Anleger hierzulande keine vergleichbaren Produkte handeln, wie sie US-Plattformen inzwischen in großem Umfang anbieten.
Während der Markt für Event Contracts in den Vereinigten Staaten eine sehr dynamische Entwicklung verzeichnet, rasant wächst und stark nachgefragt wird, ist die Situation in Europa und insbesondere in Deutschland eine völlig andere. So sind Gesellschaftswetten und ereignisbasierte Finanzwetten dieser Art sind in Deutschland sowohl nach dem Glücksspielstaatsvertrag als auch unter den strengen Vorgaben der Finanzaufsicht (BaFin) in dieser Form verboten. Deutsche Regulierer stufen solche Angebote meist als unzulässige Glücksspiele oder hochriskante Derivate ein, die dem harten hiesigen Verbraucherschutz widersprechen. Während amerikanische Nutzer unkompliziert auf alltägliche Ereignisse spekulieren können, bleibt deutschen Anlegern der Zugang zu solchen Plattformen verwehrt.
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