In Österreich entfallen laut einer neuen Studie bis zu 71 % des gesamten Glücksspielumsatzes auf illegale Anbieter. Die Diskussion über Regulierung, Monopol und Spielerschutz gewinnt dadurch weiter an Schärfe.
Das illegale Glücksspiel in Österreich boomt. Laut der Kronen Zeitung schätzt eine aktuelle Erhebung des Beratungsunternehmens Regulus (im Auftrag des Wettanbieters Tipico) den Schwarzmarkt auf rund 500 Millionen Euro Volumen. Das entspräche bis zu 71 % des gesamten Glücksspielmarkts in Österreich. Konkret wird der illegale Umsatzanteil auf 435 bis 616 Mio. € beziffert. Diese neue Zahl hat in der Branche für Aufsehen gesorgt und alarmiert sowohl Anbieter als auch Behörden.
Der Studie zufolge ist der hohe Schwarzmarktanteil vor allem zwei Faktoren geschuldet. Erstens besteht in Österreich ein staatliches Glücksspielmonopol, wodurch viele Spieler mangels legaler Alternativen auf nicht-lizenzierte Angebote ausweichen. Zweitens belasten hohe Steuern und Abgaben das lizenzierte Glücksspiel, was zusätzliche Anreize schafft, sich im grauen Markt umzusehen. Wie die Krone berichtet, kanalisiert das Monopolangebot (etwa die Online-Plattform Win2Day der Casinos Austria) laut Studie nur rund 29–37 % der Gesamtnachfrage. Anders gesagt: Nur etwa ein Drittel der Nachfrage wird derzeit im legalen Rahmen bedient, während zwei Drittel auf ausländische EU-Lizenzanbieter oder komplett unregulierte Webseiten entfallen. Ein Anteil, der laut Regulus tendenziell weiter steigen dürfte.
Branchenvertreter zeigen sich besorgt. „Aktuelle Schätzungen zeigen, dass weit mehr als 50 Prozent der Spieler im unregulierten Schwarzmarkt aktiv sind. Ein wirksamer Spielerschutz kann aber nur in einem regulierten Umfeld stattfinden“, betont Monika Racek, Managerin beim Glücksspielunternehmen Admiral und Sprecherin der Branche, im Krone-Bericht. Damit unterstreicht sie die Gefahr: Mehr als die Hälfte der österreichischen Glücksspielkundschaft agiert außerhalb des lizenzierten Sektors, wo staatliche Aufsicht und Spielerschutz nicht greifen. Dieses Ausmaß des Schwarzmarkts gefährdet nicht nur Spieler (etwa durch fehlende Jugendschutz- und Suchtpräventionsmaßnahmen), sondern entzieht auch der legalen Wirtschaft erhebliche Umsätze.
Die österreichische Regierung plant nun verstärkte Gegenmaßnahmen gegen illegale Glücksspiele. Insbesondere sollen Webseiten-Blockaden (IP-Blocking) und Zahlungssperren eingeführt werden, um den Zugriff auf unlizenzierte Online-Casinos und Sportwettenseiten zu erschweren. Laut der Krone-Zeitung sind solche Methoden im internationalen Vergleich jedoch nur begrenzt wirksam, was auch hiesige Anbieter betonen. So verweist etwa der Online-Anbieter Lottoland darauf, dass IP- und Payment-Blocking vor allem jene Betreiber treffen würde, die mit EU-Lizenz (z.B. aus Malta) operieren und somit zumindest gewissen Auflagen unterliegen. Hardcore-illegale Plattformen in Offshore-Zonen ließen sich durch solche Sperren kaum beeindrucken. Lottoland prognostiziert, dass bei einem Festhalten am strikten Monopol und intensiven Sperrmaßnahmen die aktuell mit ausländischer EU-Lizenz tätigen Anbieter bis 2030 vollständig vom österreichischen Markt verschwinden könnten inklusive der Steuereinnahmen, die sie bislang erbringen. Die Spieler würden dann vermehrt zu gänzlich unregulierten Offshore-Angeboten (sogenannten „Karibik-Anbietern“) abwandern, “wovon der Staat dann gar nichts hat und es auch keinen Spielerschutz gibt“, so wird im Bericht gewarnt.
Parallel dazu wird in Österreich eine Liberalisierung des Marktes diskutiert. Wie die Krone berichtet, steht eine Öffnung mit der Vergabe zusätzlicher Lizenzen zur Debatte. Die Befürworter einer geregelten Marktöffnung argumentieren ebenfalls mit Spielerschutz und Kanalisierung: Je breiter das regulierte Angebot gefächert ist, desto eher können Spieler im legalen Umfeld gehalten werden und desto höher sind die Standards (z.B. bei Suchtprävention, Datenkontrolle und Fairness). Jeder Spieler, der zu einem lizenzierten Anbieter wechselt, ist ein Gewinn für den Schutz vor Betrug und Spielsucht. Zudem hätte der Staat fiskalische Vorteile: Mehr lizensierte Unternehmen bedeuteten auch mehr Steueraufkommen und Lizenzabgaben. Die Branche verweist darauf, dass eine kontrollierte Öffnung des Marktes die Abwanderung ins Ausland eindämmen könnte, ohne auf reine Repression zu setzen.
Allerdings gehen die Einschätzungen über das tatsächliche Ausmaß des Schwarzmarkts auseinander. Casinos Austria als Monopolbetreiber sieht den illegalen Anteil geringer als von Regulus dargestellt. Das staatliche Win2Day-Onlineangebot kanalisiere deutlich über 50 % der Nachfrage, heißt es von Unternehmensseite, demnach wäre unter der Hälfte des Marktes unreguliert. Grundsätzlich sei die Größe des illegalen Sektors schwer präzise zu erfassen, da nicht alle Aktivitäten sichtbar werden. Unterschiedliche Methoden und Annahmen führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dennoch zeichnet sich ab, dass Handlungsbedarf besteht: Entweder muss das Monopol so gestärkt und modernisiert werden, dass es mehr Spieler bindet oder es braucht alternative Regulierungsansätze.
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