11. August 2026
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Trump-Mitarbeiter wettet illegal auf Inhalte von Trumps Reden

Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses soll mit Trump-Reden mehr als 100.000 Dollar gewonnen haben. Neue Regeln für Mitarbeiter bei Goldman Sachs und Europas Vorgehen schärfen die Debatte um Prognosemärkte.

Das Weiße Haus in Washington, D.C.

Ein langjähriger Mitarbeiter des Weißen Hauses soll sein Vorabwissen über Reden von US-Präsident Donald Trump für Wetten auf der Prognosemarkt-Plattform Kalshi genutzt haben. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurde der Teleprompter-Techniker unbezahlt vom Dienst freigestellt.

Wie ABC News als erstes berichtete, untersuchte die US-Terminmarktaufsicht Commodity Futures Trading Commission, kurz CFTC, Wetten auf mehr als ein Dutzend Trump-Reden. Der Trump-Mitarbeiter soll mit den Geschäften mehr als 100.000 US-Dollar gewonnen haben. Der Bericht stützt sich auf mehrere mit der Untersuchung vertraute Quellen.

Wetten auf einzelne Wörter und Themen

Bei den betreffenden Angeboten handelte es sich um sogenannte „Mentions Markets“. Nutzer können darauf setzen, ob ein Politiker während einer Rede bestimmte Wörter, Formulierungen oder Themen erwähnt. Die Kontrakte werden in der Regel nach einem einfachen Ja-Nein-Prinzip gehandelt.

Der Techniker arbeitet dem Bericht zufolge seit dem ersten Präsidentschaftswahlkampf Trumps als Teleprompter-Techniker. Durch seine Tätigkeit soll er kurz vor öffentlichen Auftritten Zugang zu den vorbereiteten Redetexten und zu kurzfristigen Änderungen gehabt haben.

Laut ABC News betrafen die untersuchten Wetten unter anderem eine Fernsehansprache im Dezember, Trumps Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos, die Rede zur Lage der Nation im Februar sowie eine Zeremonie zur Verleihung der Medal of Honor im März.

Besonders auffällig war dem Bericht zufolge das Verhalten des Mitarbeiters während laufender Reden. In einzelnen Fällen soll er Positionen wieder verkauft haben, nachdem Trump von seinem vorbereiteten Text abwich und erwartete Wörter nicht aussprach.

Vergleich mit der US-Aufsicht im Gespräch

Der Techniker soll gegenüber den Ermittlern einen Teil der Geschäfte eingeräumt haben. Nach Angaben von ABC News führte die CFTC Gespräche über eine mögliche außergerichtliche Einigung. Dabei könnte der Mitarbeiter verpflichtet werden, erzielte Gewinne herauszugeben und künftig auf vergleichbare Geschäfte zu verzichten.

Die CFTC selbst bestätigte die Untersuchung nicht. Die Behörde erklärte gegenüber US-Medien, sie könne sich grundsätzlich nicht zu möglichen laufenden Verfahren äußern. Bundesstaatsanwälte in Manhattan sollen nach einer Weiterleitung des Vorgangs durch die CFTC keine strafrechtlichen Ermittlungen aufgenommen haben.

Damit handelt es sich bislang um Vorwürfe und nicht um eine rechtskräftige Feststellung. Eine öffentlich bekannt gegebene Einigung mit der CFTC lag zunächst ebenfalls nicht vor.

Kalshi meldete die Geschäfte an die CFTC

Kalshi erklärte, die verdächtigen Transaktionen selbst entdeckt und an die zuständige Aufsicht weitergegeben zu haben. Bobby DeNault, Leiter der Durchsetzung bei Kalshi, teilte ABC News mit, das Überwachungsteam habe die Geschäfte zeitnah erkannt und der CFTC gemeldet. Die Plattform unterstütze die Regulierungsbehörden bei der Untersuchung.

Kalshi verbietet nach seinen eigenen Handelsregeln Geschäfte auf Grundlage wesentlicher, nicht öffentlicher Informationen. Bei verschiedenen Märkten dürfen zudem Mitarbeiter jener Behörden oder Organisationen nicht handeln, deren Veröffentlichungen oder Entscheidungen für die Abrechnung eines Kontrakts maßgeblich sind.

Die Plattform hatte zuletzt zusätzliche Maßnahmen zur Marktintegrität angekündigt. Bei Angeboten mit einem erhöhten Risiko für Insiderhandel oder Manipulation sollen Beschäftigungsdaten der Teilnehmer abgefragt werden. Damit will Kalshi Personen erkennen, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit über nicht öffentliche Informationen verfügen könnten. Hinzu kommen Meldemöglichkeiten für Nutzer und eine permanente Überwachung verdächtiger Handelsaktivitäten.

Weißes Haus spricht von einer „Schande“

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, bestätigte die unbezahlte Freistellung. Donald Trump sei über die Angelegenheit informiert worden und habe die Entscheidung persönlich getroffen. Der Präsident habe das mutmaßliche Verhalten als eine „Schande“ bezeichnet.

Das Weiße Haus verfüge über strenge ethische Vorgaben für seine Mitarbeiter, erklärte Leavitt. Ihr seien keine weiteren Beschäftigten bekannt, die vergleichbare Geschäfte abgeschlossen hätten. Das Weiße Haus veröffentlichte die betreffende Pressekonferenz vom 16. Juli auch über seine offiziellen Kanäle.

Goldman Sachs schränkt Prognosewetten für Mitarbeiter ein

Auch die Finanzbranche reagiert zunehmend auf die Risiken durch Insiderwissen und mögliche Interessenkonflikte. Wie Bloomberg unter Berufung auf interne Vorgaben berichtete, hat Goldman Sachs seine Regeln für private Geschäfte der Mitarbeiter verschärft. Beschäftigte dürfen demnach auf Prognosemärkten wie Kalshi und Polymarket nicht mehr auf Ereignisse wetten, die einzelne Unternehmen, Wahlausgänge, Finanzmärkte, Zinssätze, Konjunkturdaten oder geopolitische Entwicklungen betreffen. Erlaubt bleiben lediglich Kontrakte zu Sport und Unterhaltung.

Bei Verstößen drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen. Wiederholte Regelverletzungen können laut Bloomberg zur Kündigung oder zur Schließung des betreffenden Handelskontos führen. Gewinne von mehr als 200 US-Dollar aus unzulässigen Geschäften können zudem eingezogen oder an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden. Die Vorgaben verdeutlichen die Nähe bestimmter Prognosewetten zum beruflichen Informationszugang von Bankmitarbeitern. Gerade bei Wetten auf Zinsentscheidungen, Unternehmensentwicklungen oder politische Ereignisse können vertrauliche Kenntnisse einen erheblichen Vorteil gegenüber anderen Marktteilnehmern schaffen.

Frankreich lässt Polymarket sperren

Nahezu zeitgleich verschärfte Frankreich sein Vorgehen gegen Prognosemärkte. Die französische Glücksspielaufsicht Autorité Nationale des Jeux, kurz ANJ, teilte am 17. Juli mit, dass französische Internetprovider den Zugang zu Polymarket sperren müssen. Die entsprechende Anordnung erging einen Tag zuvor.

Nach Einschätzung der ANJ bewirbt Polymarket ein in Frankreich nicht zugelassenes Glücksspielangebot. Bereits seit November 2024 hatte sich die Behörde mit der Plattform beschäftigt. Nach einer ersten Aufforderung führte der Betreiber ein Geoblocking ein, das finanzielle Transaktionen aus Frankreich verhindern sollte. Dieses System wurde laut ANJ in der Praxis jedoch umgangen.

Die Behörde verwies zudem auf die weiterhin große Reichweite der Plattform. Im Juni seien aus Frankreich 578.751 Besuche und 205.057 unterschiedliche Besucher registriert worden. Bereits die öffentlich zugängliche Darstellung aktueller Quoten auf der Startseite wertete die ANJ als Werbung für das unerlaubte Angebot.

Polymarket selbst führt Frankreich und Deutschland in seinen geografischen Beschränkungen als gesperrte Staaten auf. Nach Angaben der Plattform ist auch die Nutzung von VPN-Diensten oder vergleichbaren technischen Mitteln zur Umgehung der Sperren untersagt.

ANJ warnt vor Manipulation und fehlender Kontrolle

Die französische Aufsicht verweist bei Prognosemärkten neben dem Suchtrisiko besonders auf mögliche Manipulationen. Nach Angaben der ANJ erschienen einzelne Wetterwetten auf Polymarket verfälscht. Es bestehe der Verdacht, dass Wettersonden manipuliert oder gehackt worden sein könnten. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete dazu im Mai eine Untersuchung ein.

Kritisch bewertet die ANJ außerdem unzureichende Identitätsprüfungen, die permanente Verfügbarkeit der Angebote sowie fehlende Einsatz- und Zeitlimits. Nutzer würden die Plattformen häufig als Investitionsmöglichkeit statt als Glücksspiel wahrnehmen. Diese Darstellung könne eine Kontrollillusion fördern, bei der Spieler ihre Fähigkeit zur Vorhersage von Nachrichten und politischen Entwicklungen überschätzten.

Gesellschaftswetten sind in Deutschland nicht erlaubnisfähig

In Deutschland sind Wetten auf politische, gesellschaftliche oder unterhaltungsbezogene Ereignisse nach Angaben der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder nicht erlaubnisfähig. Eine Erlaubnis kann ausschließlich für Wetten auf Sportereignisse mit überprüfbaren Ergebnissen und klaren Regeln erteilt werden.

Die GGL hatte bereits ausdrücklich vor Gesellschaftswetten gewarnt und dabei auch Angebote auf Prognosemärkten genannt. Sowohl das Veranstalten und Vermitteln als auch die Teilnahme an unerlaubten Angeboten können strafbar sein.

Im Juni schloss sich die GGL einer gemeinsamen Erklärung der Glücksspielaufsichten aus Belgien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen, Portugal, Spanien und der Schweiz an. Die Behörden warnten vor Risiken durch fehlenden Spielerschutz, Marktmanipulation, Betrug mit Insiderinformationen, blockierte Guthaben und finanzielle Schwankungen. Sie kündigten einen stärkeren grenzüberschreitenden Informationsaustausch und Maßnahmen gegen Plattformen an, die nationale Vorschriften missachten.

Vorhersage oder beeinflussbares Ereignis?

Der Vorgang im Weißen Haus berührt eine zentrale Schwachstelle von Gesellschaftswetten. Bei einer Wette auf das Ergebnis einer Wahl hängt der Ausgang von Millionen Stimmen ab. Bei einer Wette auf ein bestimmtes Wort in einer Rede kann dagegen ein sehr kleiner Personenkreis über entscheidendes Vorabwissen verfügen. Einzelne Beteiligte können teilweise sogar beeinflussen, ob das Ereignis eintritt.

Die Aufdeckung der Geschäfte spricht zunächst dafür, dass die Überwachungssysteme von Kalshi verdächtige Muster erkennen können. Eine nachträgliche Meldung verhindert jedoch nicht, dass Insider zunächst am Handel teilnehmen und Marktpreise beeinflussen. Gerade Kontrakte, deren Ausgang von einer einzigen Person, einem vertraulichen Dokument oder einer kleinen Entscheidungsträgergruppe abhängt, stellen deshalb höhere Anforderungen an Zugangsbeschränkungen und Kontrollen.

Zwischen den USA und Europa entwickeln sich dabei unterschiedliche regulatorische Ansätze. Kalshi operiert in den USA als von der CFTC beaufsichtigter Handelsplatz für Ereigniskontrakte. Die CFTC arbeitet derzeit an präziseren Regeln für Märkte, die wegen ihres Bezugs zu Glücksspiel, Krieg, Terrorismus oder Attentaten dem öffentlichen Interesse widersprechen könnten. Die Kommentierungsfrist für den Regelungsvorschlag läuft bis zum 27. Juli.

Mehrere europäische Aufsichtsbehörden behandeln Prognosemärkte dagegen als Glücksspiel und verlangen eine nationale Erlaubnis. Frankreichs vollständige Sperranordnung gegen Polymarket markiert eine weitere Verschärfung dieses Ansatzes.

Die Kombination aus dem mutmaßlichen Insiderhandel im Weißen Haus, die Order an die Goldman Sachs-Belegschaft und der französischen Sperrverfügung erhöht damit den Druck auf die Plattformen. Entscheidend wird sein, ob besonders leicht beeinflussbare Gesellschaftswetten technisch und regulatorisch zuverlässig abgesichert werden können. In Deutschland ist diese Abwägung bereits gesetzlich getroffen worden, politische und gesellschaftliche Wetten bleiben außerhalb des erlaubnisfähigen Marktes.

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