Trotz neuer Lizenzen boomt der Schwarzmarkt beim Glücksspiel weiter. Was gilt in Deutschland als illegales Glücksspiel und was unternehmen die Behörden dagegen?
In Deutschland unterliegt Glücksspiel strengen gesetzlichen Vorgaben. Nach der Legaldefinition liegt ein Glücksspiel vor, wenn für die Chance auf einen Gewinn ein Entgelt gezahlt wird und der Ausgang überwiegend vom Zufall abhängt. Darunter fallen klassische Casino- und Automatenspiele, Poker, Lotterien sowie Sport- und Pferdewetten – ob offline in Spielbanken und Wettbüros oder online auf Internetplattformen. Illegal ist ein Glücksspielangebot immer dann, wenn es ohne behördliche Erlaubnis veranstaltet oder vermittelt wird. Seit Juli 2021 ermöglicht der novellierte Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) private Anbieter in wichtigen Bereichen zwar offiziell zu lizenzieren, doch wer ohne eine solche deutsche Lizenz hierzulande Spiele um Geld anbietet, bewegt sich außerhalb des legalen Rahmens. Das betrifft vor allem Online-Casinos und -Wettangebote, die deutsche Kunden anvisieren, aber keine deutsche Konzession besitzen. Auch vor Ort gilt: Wird etwa in einem Hinterzimmer einer Kneipe um Geld gezockt oder stehen dort nicht genehmigte Automaten, handelt es sich um unerlaubtes Glücksspiel. Was viele Spieler nicht wissen: Sogar die Teilnahme an einem illegalen Glücksspiel ist strafbar – Wer bei einem unerlaubten Glücksspiel mitmacht, riskiert laut Strafgesetzbuch (§285 StGB) bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Entsprechend rät die Suchtprävention dringend davon ab, auf Schwarzmärkten zu spielen.
Grundsätzlich sind in Deutschland nur Anbieter mit gültiger deutscher Lizenz oder staatlicher Erlaubnis legal. Dazu zählen etwa die Lotto- und Totogesellschaften der Bundesländer (für Lotterien und Sportwetten im staatlichen Auftrag), konzessionierte Betreiber von Spielbanken (staatlich erlaubte Casinos in einigen Bundesländern) sowie neuerdings privatwirtschaftliche Anbieter von Sportwetten, Online-Poker und virtuellen Automatenspielen, die seit 2021 eine Lizenz nach dem GlüStV 2021 erwerben können. Zuständig für die Erteilung dieser überregionalen Lizenzen ist die neu geschaffene Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit Sitz in Halle (Saale). Die GGL führt eine öffentlich einsehbare Whitelist, auf der alle genehmigten Internet-Glücksspielanbieter aufgeführt sind. Anfang 2025 waren dort rund 200 Unternehmen verzeichnet. Die Faustregel lautet: Ist ein Online-Anbieter, der in Deutschland Spieler sucht, nicht auf dieser offiziellen Liste, agiert er illegal.
Allerdings sind nicht alle legalen Glücksspielangebote zentral gelistet, insbesondere stationäre Anbieter mit rein lokaler Erlaubnis tauchen auf der Whitelist nicht auf. Zum Beispiel benötigen Spielhallen mit Geldspielgeräten lediglich eine gewerberechtliche Aufstellerlaubnis im jeweiligen Bundesland, ohne bundesweite Lizenz. Auch örtliche Annahmestellen für Lotterien, konzessionierte Buchmacher und Rennwettenveranstalter oder Wettvermittlungsstellen dürfen legal betrieben werden, sofern sie die jeweils nötigen Genehmigungen haben, erscheinen aber nicht in der GGL-Whitelist. Diese Differenzierung sorgt gelegentlich für Verwirrung – doch im Zweifelsfall hilft der Grundsatz: Legal ist nur, was ausdrücklich erlaubt wurde.
Woran erkennt man legale Anbieter? Hier einige Merkmale, die nach Angaben des Deutschen Sportwettenverbands (DSWV) und der GGL zuverlässige Hinweise liefern, ob ein Anbieter legal in Deutschland operiert:
Werbung im öffentlichen Raum: Nur lizenzierte Glücksspielanbieter dürfen in Deutschland z.B. im Fernsehen, Radio oder auf Banden in Stadien werben. Wer während großer Sportereignisse wie der Champions League mit Werbung präsent ist, verfügt mit hoher Wahrscheinlichkeit über eine Erlaubnis – illegale Wettplattformen dürfen offiziell nicht auf solchen Kanälen werben.
Whitelist-Eintrag: Legale Online-Anbieter stehen auf der von der GGL veröffentlichten Whitelist. Diese Liste kann jedermann auf der Webseite der Glücksspielbehörde einsehen. Ist ein Name dort nicht zu finden, sollte man das Angebot meiden.
Lizenzsiegel: Zugelassene Glücksspiel-Websites zeigen gut sichtbar ein offizielles Erlaubnis-Logo der GGL oder einen Hinweis auf ihre deutsche Lizenz. Fehlt ein solcher Nachweis auf der Seite, ist Vorsicht geboten.
Spielerschutz und Limits: Legal lizenzierte Anbieter setzen die strengen Spielerschutz-Maßnahmen um. Dazu gehören Einzahlungslimits (monatlich max. 1.000 € pro Spielerkonto), die Anbindung an die zentrale Spielersperrdatei OASIS, sowie Mechanismen zum Erkennen und Sperren gefährdeter Spieler. Fehlen solche Limitierungen völlig, handelt es sich oft um ein Schwarzmarkt-Angebot ohne Schutz.
Beitrag zum Gemeinwohl: Nur legale Firmen zahlen Steuern auf Spieleinsätze und unterstützen die Prävention. Beispielsweise finanzieren lizensierte Betreiber Hilfsangebote für Spielsüchtige mit (etwa Hotlines und Beratungsstellen). Illegale Plattformen entziehen sich diesen Abgaben und Verpflichtungen.
Garantierte Auszahlungen: Bei lizenzierten Glücksspielanbietern sind Gewinne vertraglich und behördlich abgesichert. Auszahlungen an Spieler erfolgen zuverlässig und der Einsatz ist nicht verloren, falls der Anbieter Insolvenz anmeldet. Im Gegensatz dazu besteht bei illegalen Seiten immer das Risiko, dass Gewinne einbehalten werden oder der Anbieter plötzlich verschwindet, da keine Aufsicht greift.
Wer diese Punkte beachtet, kann legale Angebote meist klar von illegalen unterscheiden. Im Zweifel bietet die GGL-Whitelist die endgültige Gewissheit über den Status eines Online-Anbieters.
Die Verantwortung für die Überwachung des Glücksspielmarkts liegt in Deutschland bei mehreren Stellen. Für die zugelassenen Anbieter (Lizenzvergabe und Aufsicht) sowie insbesondere für die Bekämpfung unerlaubten Glücksspiels im Internet ist seit 1. Juli 2022 zentral die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) zuständig. Die GGL bündelt im Auftrag aller 16 Bundesländer die Kompetenzen, um gegen Online-Schwarzmarkt-Angebote vorzugehen und die Einhaltung des GlüStV 2021 sicherzustellen. Sie überprüft Anbieter auf Lizenzierung und Regelkonformität, führt Untersagungsverfahren gegen illegale Websites durch und kann Zwangsmittel einsetzen, um die Einstellung solcher Angebote zu erzwingen. Außerdem meldet sie Verstöße an Strafverfolgungsbehörden und kann Maßnahmen wie Zahlungs- oder Netzsperren veranlassen (dazu unten mehr).
Daneben haben die Bundesländer eigene Glücksspielaufsichten für stationäre Angebote: z.B. überwachen Landesbehörden die staatlichen Spielbanken, genehmigen gewerbliche Spielhallen und kontrollieren örtliche Wettvermittlungsstellen. Die Ordnungsämter der Kommunen sowie die Polizei spielen eine wichtige Rolle, wenn es um Vollzug vor Ort geht, etwa beim Aufdecken von illegal betriebenen Spielclubs, Hinterzimmer-Casinos oder manipulierten Automaten in Gaststätten. In solchen Fällen arbeiten oft verschiedene Behörden zusammen: Kommunale Mitarbeiter, Landeskriminalamt, Zollfahndung, Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft führen gemeinsame Razzien durch, um illegalen Glücksspielstätten das Handwerk zu legen. So berichtete der RBB im Herbst 2025 von einer Großrazzia in Berlin, bei der in einer Nacht 23 Lokale durchsucht und über 80 illegal aufgestellte Automaten beschlagnahmt wurden. An der Aktion waren rund 80 Einsatzkräfte von Polizei, Zoll, Finanzamt und Ordnungsamt beteiligt; sogar Drogen und Waffen wurden dabei gefunden. Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg machte deutlich, warum solche konzertierten Einsätze nötig sind: Organisierte Kriminalität nistet sich dort ein, wo mit relativ wenig Aufwand viel Geld zu verdienen ist – illegales Glücksspiel sei ein Paradebeispiel dafür. Die Ermittler in Berlin schätzen, dass mit einem einzigen illegalen Spielautomaten monatlich bis zu 70.000 Euro an Einnahmen erzielt – und am Fiskus vorbei geschleust – werden können. Trotz der Erfolge kommen viele Täter glimpflich davon, und mancherorts stehen nur Monate nach einer Beschlagnahmeaktion wieder neue illegale Geräte. Das zeigt, wie hartnäckig und lukrativ der Schwarzmarkt ist und welche Herausforderung die Behördenbewältigung dieser Auswüchse bedeutet.
Trotz der Regulierungsoffensive seit 2021 boomt der Glücksspiel-Schwarzmarkt weiter. Es existiert eine große Zahl an illegalen Angeboten, sowohl online als auch offline. Online sind es vor allem Casino-Websites und Wettplattformen mit Sitz im Ausland (etwa in Curaçao, Malta oder Asien), die ohne deutsche Lizenz über das Internet hiesige Spieler anlocken. Die GGL identifizierte allein im Jahr 2024 rund 858 illegale deutschsprachige Glücksspielseiten, betrieben von über 200 verschiedenen Anbietern – Tendenz steigend. Die legalen Online-Anbieter können da zahlenmäßig nicht mithalten: Laut einer Auswertung der GGL, auf die der DSWV verweist, standen im Jahr 2024 mindestens 382 illegalen Sportsbetting-Websites nur 34 lizenzierte Wettseiten gegenüber. Anders ausgedrückt: Nach Angaben des DSWV kommen online etwa elf illegale Wettangebote auf ein legales. Diese enorme 11:1-Übermacht des Schwarzmarkts gefährdet nach Einschätzung von DSWV-Präsident Mathias Dahms die Spieler, denn nur im lizenzierten Markt genießen sie garantierten Schutz, sichere Auszahlungen und seriöse Spielbedingungen. Illegale Anbieter dagegen umgingen alle Regeln, böten keinerlei Sicherheit und erhöhten das Sucht- und Betrugsrisiko erheblich, so die eindringliche Warnung des Verbands.
Offline ist die Lage ebenfalls besorgniserregend. Insbesondere das illegale Automatenspiel hat in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt. Experten schätzen, dass bundesweit um die 50.000 nicht genehmigte Geldspielgeräte in Hinterzimmern von Shisha-Bars, Wettbüros oder Vereinsheimen betrieben werden, zum Vergleich: rund 180.000 Automaten stehen legal in konzessionierten Spielhallen oder Gaststätten. Der Umsatz, den diese Grauzonen-Geräte generieren, wird auf jährlich bis zu 6 Milliarden Euro veranschlagt. Damit macht das illegale Automatenglücksspiel ein beachtliches Schatten-Volumen aus. Warum floriert dieser Bereich so sehr? Fachleute führen mehrere Ursachen an: Strikte Auflagen für legale Spielhallen (z.B. maximal 12 Automaten pro Halle, höchstens 2 pro Kneipe) und die Schließung vieler kleiner Spielcasinos infolge neuer Mindestabstände haben die Zahl der offiziellen Geräte reduziert. Gleichzeitig sind legale Automaten seit 2014 durch eine Verschärfung der Spielverordnung für viele Spieler weniger attraktiv geworden – Einsatzlimits, geringere Höchstgewinne, Pflichtpausen und Ausweiskontrollen trüben bei manchem die Spielfreude. Viele suchen daher den Reiz im Unregulierten: Illegale Automaten kennen keine Einsatz- oder Verlustlimits, es gibt keine Zwangspausen und die Gewinne werden nicht gedeckelt. Während der Corona-Lockdowns 2020/21 verlagerten zudem etliche Spieler mangels geöffneter Spielhallen ihr Glück in private Runden und illegale Lokale. Zugleich nahm in der Pandemie der behördliche Kontrolldruck phasenweise ab – was findige Kriminelle nutzten, um ungestört neue Automaten aufzustellen. Das Ergebnis ist ein rasant gewachsener Schwarzmarkt in Hinterzimmern, dessen Akteure sich weder um Spielerschutz noch um Steuern scheren.
Wie groß der Schwarzmarkt insgesamt ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Offizielle Stellen sehen ihn noch als relativ begrenztes Phänomen, nach GGL-Schätzungen machte das Volumen der illegalen Online-Angebote 2024 nur rund €500–600 Millionen aus. Das entspräche etwa 3–4 % des gesamten deutschen Glücksspielmarkts und ungefähr 25 % gemessen am legalen Online-Segment. Branchenverbände und Marktforscher halten diese Einschätzung allerdings für viel zu optimistisch. Eine Studie der Universität Leipzig kam zu dem Ergebnis, dass bestenfalls die Hälfte der tatsächlichen Spieleinsätze in den legalen Markt kanalisiert werden. Das renommierte Beratungsunternehmen H2 Gambling Capital prognostiziert, dass im Jahr 2025 nur etwa 36 % des Online-Glücksspielumsatzes in Deutschland auf lizenzierten Plattformen erzielt werden, umgekehrt also knapp zwei Drittel weiterhin auf dem Schwarzmarkt. Auch aus Sicht des DSWV und anderer Verbände wird die Schwarzmarktentwicklung unterschätzt: Die illegalen Anbieter dominieren demnach weite Bereiche des Marktes, was nicht nur Spielerschutz und Suchtprävention untergräbt, sondern auch zu enormen Steuerausfällen führt. Allein im Bereich Sportwetten entgehen dem Staat laut DSWV durch die vielen Offshore-Buchmacher jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Wettsteuer.
Angesichts dieser Lage haben Politik und Behörden in den letzten Jahren vielfältige Maßnahmen ergriffen, um den illegalen Glücksspielen entgegenzuwirken. Ein zentraler Ansatz ist die Kanalisierung: Durch die Schaffung eines regulierten Online-Markts mit attraktiven legalen Angeboten (Sportwetten, Online-Poker, virtuelle Automatenspiele) soll Spielern eine Alternative zum grauen Markt geboten werden. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 verfolgte das Ziel, „Spieler zurück in den legalen Markt zu holen“, indem er erstmals bundesweit Lizenzen an Privatanbieter vergibt – allerdings unter strikten Auflagen zum Spieler- und Jugendschutz. Kritiker monieren, dass die legalen Angebote durch die vielen Limitierungen an Reiz verlieren und so mancher Spieler doch ins Illegal-Bereich abwandert. Dennoch: Die Legalisierung bisher verbotener Online-Angebote war ein entscheidender Schritt, um überhaupt eine Handhabe gegen unlizenzierte Seiten zu bekommen.
Ein wichtiges Feld im Kampf gegen die digitale Glücksspielflur ist auch die Werbung und Präsenz illegaler Anbieter auf großen Internet-Plattformen. Hier gab es 2024/25 bemerkenswerte Entwicklungen. Google, der dominierende Suchmaschinen- und Werbeanbieter, hat in Absprache mit der GGL seine Richtlinien verschärft: Seit dem 25. September 2024 dürfen in Deutschland nur noch Glücksspielanbieter mit GGL-Lizenz Google-Werbeanzeigen schalten. Unerlaubte Online-Casinos und Wettseiten wurden damit quasi über Nacht von Google Ads ausgesperrt. Die GGL lobte diesen Schritt als Meilenstein – die Sichtbarkeit illegaler Angebote in den populären Suchergebnissen sei dadurch drastisch gesunken. Tatsächlich berichtete die Behörde wenige Wochen später, dass nahezu 100 % der vormals häufig geschalteten „Schwarzmarkt-Anzeigen“ verschwunden seien. Suchten Nutzer etwa nach Online-Casinos, bekamen sie nun fast ausschließlich Werbung legaler, in Deutschland erlaubter Unternehmen zu sehen. Google hat mit diesem freiwilligen Vorgehen Maßstäbe gesetzt und demonstriert Plattformverantwortung im Sinne der Regulierung. Für illegale Betreiber bedeutete es einen herben Rückschlag, da eine wesentliche Kundenakquise-Plattform wegfiel.
Ganz anders präsentiert sich das Bild allerdings bei Meta, dem Konzern hinter Facebook, Instagram und WhatsApp. Hier werfen Recherchen ein weniger rühmliches Licht auf den Umgang mit illegaler Glücksspielwerbung. Interne Dokumente aus dem Meta-Konzern, die im Herbst 2025 bekannt wurden, zeigen, dass Facebook & Co. enorme Summen mit Anzeigen unseriöser Anbieter verdienen, darunter auch zahlreiche Werbung für illegale Online-Casinos, die in Deutschland verboten sind. Wie Reuters berichtet, nahm Meta allein im Jahr 2024 rund 16 Milliarden US-Dollar Umsatz durch Werbung für Betrugsangebote und unerlaubte Produkte ein, was etwa 10 % des Jahreserlöses des Konzerns entspricht. Täglich sollen den Nutzern bis zu 15 Milliarden Anzeigen mit fragwürdigem Inhalt angezeigt worden sein – neben Fake-Shops, dubiosen Krypto-Investments und illegalen Medikamenten eben auch ungezählte Werbebanner für Online-Glücksspiel ohne deutsche Lizenz. Statt diese Anzeigenkunden rigoros zu sperren, fährt Meta offenbar einen anderen Kurs: Laut Spiegel Online sperrt das Unternehmen Werbekunden erst dann dauerhaft, wenn das automatische System eine über 95 %ige Betrugswahrscheinlichkeit erkennt. Liegt die Wahrscheinlichkeit darunter – obwohl Verdachtsmomente bestehen, greift Meta zu einer ungewöhnlichen „Lösung“: Der Konzern erhöht einfach die Anzeigenpreise für die betreffenden Kunden. Diese Art Strafgebühr soll Betrüger abschrecken, spült Meta paradoxerweise aber noch zusätzlich Geld in die Kasse, während die potenziell illegalen Anzeigen weiterlaufen. Nutzer, die auf solche Werbung klicken, bekommen anschließend sogar verstärkt ähnliche Anzeigen eingeblendet, der Algorithmus lernt, wem er noch mehr Angebote von unregulierten Casinos präsentieren kann.
Die Enthüllungen über Metas Strategie haben für Empörung in der Branche gesorgt. Branchenkenner wie Christian Heins (Direktor iGaming beim Wettanbieter Tipico) berichten wie zuletzt im Gastbeitrag für die GlücksWirtschaft aus Erfahrung, dass Hinweise legaler Anbieter auf illegale Casino-Werbung bei Meta ins Leere laufen, Beschwerden würden ignoriert oder mit Textbausteinen abgewiegelt. Heins verweist auf die Dimension: Im Oktober 2025 listete Metas eigene Werbebibliothek über 75.000 aktive Kampagnen von Glücksspielanbietern ohne deutsche Lizenz, schätzt Heins. Er rechnet vor, dass Meta damit pro Jahr rund 250 Millionen Euro Nettowerbeumsatz generiert – mehr als die gesamte legal lizensierte Glücksspielbranche in Deutschland in Online-Werbung investiert. „Meta verdient in diesem Bereich nachweislich mehr an der Illegalität als an der Legalität“, so sein ernüchterndes Fazit. Unter solchen Voraussetzungen, warnt der DSWV, werde die Regulierung ausgehöhlt, solange ein Tech-Gigant illegalen Anbietern quasi freie Hand lasse, ihre Werbung zu platzieren. Diese Debatte hat in Deutschland die Forderung nach stärkerer Plattformverantwortung laut werden lassen: Also der Pflicht großer Internetfirmen, illegale Inhalte – ob Glücksspiel, Fakeshops oder Betrug – proaktiv zu unterbinden. Während Google gezeigt hat, dass es geht, steht Meta hier in der Kritik von Medien, Verbänden und sogar der Politik. Meta selbst wiegelt ab: Man habe Nutzermeldungen über Scam-Anzeigen weltweit um 58 % reduziert und 2025 bereits über 134 Millionen betrügerische Werbeinhalte gelöscht, heißt es in Stellungnahmen. Die internen Pläne sprechen jedoch eine andere Sprache – dort peilt Meta lediglich an, den Anteil der riskanten Werbeumsätze schrittweise zu senken (auf 7,3 % bis Ende 2025, weiter auf 6 % bis 2026), anstatt sofort konsequent durchzugreifen.
Auch auf gesetzlicher Ebene wird der Kampf gegen illegales Glücksspiel begleitet. Ein kontrovers diskutiertes Vorhaben in Berlin ist derzeit die Streichung der Strafrechtsparagrafen 284 ff. StGB, welche das Veranstalten, Vermitteln und Bewerben unerlaubten Glücksspiels unter Strafe stellen. Im Rahmen einer geplanten Strafrechtsreform 2024/2025 brachte das Bundesjustizministerium Überlegungen ein, diese altgedienten Strafvorschriften zu entfernen – vermutlich in der Annahme, Verwaltungsrecht und Aufsichtsmaßnahmen reichten aus. Doch dagegen regt sich Widerstand: Suchtbeauftragte, Strafverfolger und die GGL selbst warnten eindringlich davor, illegales Glücksspiel zu entkriminalisieren. Unerlaubte Glücksspielanbieter agierten häufig in Verbindung mit Geldwäsche und organisierter Kriminalität, betont etwa die Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW, eine Abschaffung der Strafbarkeit käme einem „Akt der Kapitulation“ gleich und würde kriminelle Strukturen stärken. Die GGL sieht in §§284 ff. StGB ein wichtiges Abschreckungs- und Durchgriffsinstrument, um Verantwortliche hinter den illegalen Plattformen zu belangen. Entsprechend deutliche Worte fand GGL-Chef Ronald Benter in einem Fachgespräch: Man dürfe diese Straftatbestände nicht streichen, solange der Schwarzmarkt so mächtig sei, sonst „schafft man das Risiko, dass illegales Glücksspiel als Kavaliersdelikt betrachtet wird“. Stand Ende 2025 ist die Gesetzesnovelle noch nicht entschieden – es bleibt abzuwarten, ob die Politik hier der Argumentation der Vollzugsbehörden folgt oder den Schritt zur Entkriminalisierung wagt.
Unterdessen werden praktisch fortlaufend Sperrverfügungen und Vollzugsmaßnahmen umgesetzt. Die Bundesländer intensivieren die Zusammenarbeit: So tauschen GGL und der neue Bundesdrogenbeauftragte seit November 2025 gezielt Informationen aus, um Prävention und Regulierung zu verzahnen. Auch im europäischen Ausland beobachtet man die deutsche Entwicklung genau. Österreich etwa plant 2026 eine umfassende Glücksspielgesetz-Reform, um konsequenter gegen illegale Online-Casinos vorzugehen und den dortigen Glücksspielmarkt neu zu ordnen. Rumänien hat seine Aufsichtsbehörde ONJN ermächtigt, direkt an große Internetfirmen heranzutreten, 2024 forderte ONJN beispielsweise Google und Meta auf, alle Anzeigen und Apps illegaler Wettanbieter umgehend zu entfernen. Diese internationalen Beispiele zeigen: Der Kampf gegen unreguliertes Glücksspiel ist überall in vollem Gange, denn illegale Angebote machen nicht an Ländergrenzen Halt. Oft stammen die Webseiten, die deutsche Spieler bedienen, aus dem Ausland, dementsprechend wichtig ist die grenzüberschreitende Kooperation zwischen Regulatoren.
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