Am Mittwochmorgen haben Polizei und Staatsanwaltschaft in München eine groß angelegte Durchsuchungsaktion gegen illegales Online-Glücksspiel gestartet. Laut offiziellen Angaben erstreckten sich die Maßnahmen nicht nur auf die bayerische Landeshauptstadt, sondern auf das gesamte Bundesland, weitere Regionen Deutschlands sowie internationale Standorte.
Ausgangspunkt der Ermittlungen ist das Münchner Kriminalfachdezernat 3, das auf Organisierte Kriminalität und illegales Glücksspiel spezialisiert ist. Die Behörden sprechen von einer „groß angelegten Durchsuchungsaktion“. Details sollen am Donnerstag veröffentlicht werden – aktuell läuft der Einsatz noch.
Ein Beispiel: In Waldkraiburg (Oberbayern) wurden nach Medienberichten mehrere Gebäude durchsucht. Auch mindestens ein Wettbüro war betroffen. Hintergrund der Maßnahme ist offenbar ein Ermittlungsverfahren gegen ein internationales Netzwerk illegaler Glücksspielanbieter, das über Online-Kanäle in Deutschland aktiv ist.
Bereits im November 2024 hatte die Münchner Kripo bei einer vergleichbaren Razzia ein illegales Hinterzimmer-Casino in einer Ottobrunner Bar entdeckt – samt sogenannter Fun-Game-Automaten und Bargeld in fünfstelliger Höhe. Die damaligen Durchsuchungen richteten sich gegen acht Gaststätten, darunter Bars, Cafés und eine Spielhalle.
Die Zahl der Verfahren wegen illegalen Glücksspiels ist in Bayern zuletzt massiv gestiegen: von 77 im Jahr 2019 auf 762 im Jahr 2023 (Quelle: Bayerisches Justizministerium). Auch bundesweit beobachten Behörden wie die GGL eine stabile Marktpräsenz illegaler Anbieter mit geschätzten Marktanteilen von bis zu 25 % im Online-Segment.
Die aktuelle Aktion zeigt erneut, dass der Kampf gegen illegales Glücksspiel zunehmend im digitalen Raum geführt wird. Trotz regulatorischer Fortschritte – wie der Anpassung von Google-Werberichtlinien oder der Einführung des Safe-Server-Prinzips – gelingt es vielen Betreibern weiterhin, an Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland heranzutreten.
Einzelne Affiliates nutzen ausgeklügelte Cloaking-Techniken, um Werberichtlinien großer Plattformen zu umgehen. Auch der nun durchsuchte Fall dürfte Verbindungen zu solchen Netzwerken aufweisen.
Mit der aktuellen Razzia setzt Bayern ein klares Zeichen: Die Durchsetzung des Glücksspielstaatsvertrags endet nicht an der Landesgrenze und erst recht nicht offline. Entscheidend wird sein, ob der zunehmende Fahndungsdruck auch zu messbaren Rückgängen im illegalen Markt führt – oder ob die Anbieter weiterhin von technologischen Lücken profitieren.
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