19. Juli 2026
Veröffentlicht am
Autor*in

Bayernweite Razzia gegen illegales Online-Glücksspiel – Ermittler durchsuchen zahlreiche Objekte

Bayernweite Razzia gegen illegales Online-Glücksspiel

Am Mittwochmorgen haben Polizei und Staatsanwaltschaft in München eine groß angelegte Durchsuchungsaktion gegen illegales Online-Glücksspiel gestartet. Laut offiziellen Angaben erstreckten sich die Maßnahmen nicht nur auf die bayerische Landeshauptstadt, sondern auf das gesamte Bundesland, weitere Regionen Deutschlands sowie internationale Standorte.

Ausgangspunkt der Ermittlungen ist das Münchner Kriminalfachdezernat 3, das auf Organisierte Kriminalität und illegales Glücksspiel spezialisiert ist. Die Behörden sprechen von einer „groß angelegten Durchsuchungsaktion“. Details sollen am Donnerstag veröffentlicht werden – aktuell läuft der Einsatz noch.

Ein Beispiel: In Waldkraiburg (Oberbayern) wurden nach Medienberichten mehrere Gebäude durchsucht. Auch mindestens ein Wettbüro war betroffen. Hintergrund der Maßnahme ist offenbar ein Ermittlungsverfahren gegen ein internationales Netzwerk illegaler Glücksspielanbieter, das über Online-Kanäle in Deutschland aktiv ist.

Illegales Glücksspiel auf dem Vormarsch

Bereits im November 2024 hatte die Münchner Kripo bei einer vergleichbaren Razzia ein illegales Hinterzimmer-Casino in einer Ottobrunner Bar entdeckt – samt sogenannter Fun-Game-Automaten und Bargeld in fünfstelliger Höhe. Die damaligen Durchsuchungen richteten sich gegen acht Gaststätten, darunter Bars, Cafés und eine Spielhalle.

Die Zahl der Verfahren wegen illegalen Glücksspiels ist in Bayern zuletzt massiv gestiegen: von 77 im Jahr 2019 auf 762 im Jahr 2023 (Quelle: Bayerisches Justizministerium). Auch bundesweit beobachten Behörden wie die GGL eine stabile Marktpräsenz illegaler Anbieter mit geschätzten Marktanteilen von bis zu 25 % im Online-Segment.

Fokus auf Online-Angebote

Die aktuelle Aktion zeigt erneut, dass der Kampf gegen illegales Glücksspiel zunehmend im digitalen Raum geführt wird. Trotz regulatorischer Fortschritte – wie der Anpassung von Google-Werberichtlinien oder der Einführung des Safe-Server-Prinzips – gelingt es vielen Betreibern weiterhin, an Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland heranzutreten.

Einzelne Affiliates nutzen ausgeklügelte Cloaking-Techniken, um Werberichtlinien großer Plattformen zu umgehen. Auch der nun durchsuchte Fall dürfte Verbindungen zu solchen Netzwerken aufweisen.

Behörden verstärken Druck auf Online-Schwarzmarkt

Mit der aktuellen Razzia setzt Bayern ein klares Zeichen: Die Durchsetzung des Glücksspielstaatsvertrags endet nicht an der Landesgrenze und erst recht nicht offline. Entscheidend wird sein, ob der zunehmende Fahndungsdruck auch zu messbaren Rückgängen im illegalen Markt führt – oder ob die Anbieter weiterhin von technologischen Lücken profitieren.

ANZEIGE

Tags

Auf Social Media teilen

Autor*in

Das könnte Sie auch interessieren

Interview mit Tipico-Manager Kasteleiner: "Challenge accepted!"
Vier Milliarden Euro am Fiskus vorbei, illegale Wettzugänge per Smartphone und überlastete Behörden: Tipico-Manager Karsten Kasteleiner beschreibt im Interview mit der GlücksWirtschaft, wie der Schwarzmarkt immer professioneller wird.
Artikel lesen
Razzien und Kontrollen gegen illegales Glücksspiel in Ahlen und Rüsselsheim
Zwei neue Einsätze gegen mutmaßlich illegales Glücksspiel: In Ahlen stellten Ermittler Glücksspielgeräte sicher, in Rüsselsheim wurden bei Schwerpunktkontrollen zwei Geldspielautomaten versiegelt.
Artikel lesen
Illegale Sportwetten am Geruch erkennen
Wie erkennen Ermittler illegale Sportwetten? Auch am Geruch berichtet Arndt Borgmann aus 26 Jahren Undercover-Arbeit. Behördenvertretern zeigt er, worauf es bei Kontrollen ankommt und warum oft kleinste Details den entscheidenden Hinweis liefern.
Artikel lesen