10 Razzien im April: Das Tempo sinkt zwar weiter, 2026 bleibt aber weiter über dem Vorjahresschnitt von 8,3 Razzien/Monat. NRW mit 4 Razzien Spitzenreiter im April, der Osten bleibt erneut ohne neuen Fall. Gesamt: 158 Razzien seit dem 01.01.2025.
Im April 2026 wurden im Razzia-Tracker 10 Maßnahmen gegen illegales Glücksspiel erfasst. Damit liegt der April spürbar unter den ersten drei Monaten des Jahres mit 19, 16 und 13 dokumentierte Einsätzen. Trotzdem wirkt der April im größeren Bild nicht schwach, sondern eher wie eine Normalisierung auf weiterhin erhöhtem Niveau: Nach vier Monaten in 2026 wurden bereits 58 Maßnahmen dokumentiert. Das entspricht einem Monatsdurchschnitt von 14,5 Einsätzen und läge, linear fortgeschrieben, bei rund 174 Razzien im Gesamtjahr. Der April bleibt damit zwar der bislang ruhigste Monat des Jahres, 2026 bewegt sich insgesamt aber weiterhin deutlich über dem Tempo des Jahres 2025.
Zur Einordnung hilft der Blick auf den aktuellen Vorjahresstand: Der Datensatz kommt für 2025 inzwischen auf 100 Razzien. Damit hat 2026 nach nur vier Monaten bereits 58 Prozent des gesamten 2025er Volumens erreicht. Zugleich liegt der April mit seinen 10 Fällen immer noch rund 20 Prozent über dem rechnerischen Monatsdurchschnitt des Vorjahres von 8,3 Einsätzen. Dass sich solche Vergleichswerte im Zeitverlauf noch leicht verschieben können, ist systemimmanent: Die GlücksWirtschaft beschreibt den Tracker selbst als laufendes System, das fortlaufend aktualisiert, nachverifiziert und mit neuen dokumentierbaren Fällen ergänzt wird.
Die 10 April-Fälle verteilen sich erneut fast ausschließlich auf die bekannten Vollzugsschwerpunkte. Nordrhein-Westfalen schloss den Monat mit 4 Maßnahmen ab und steht damit allein für 40 Prozent aller dokumentierten April-Razzien. Niedersachsen folgt mit 2 Einsätzen. Je 1 Fall entfällt auf Baden-Württemberg, Hessen, Bremen und Hamburg. Auffällig ist damit vor allem zweierlei: Erstens konzentriert sich der April auf nur sechs Länder. Zweitens bleibt Nordrhein-Westfalen nicht nur im Monatsbild dominant, sondern prägt auch das laufende Jahr besonders stark. Nach aktuellem Stand entfallen 15 der 58 dokumentierten Einsätze in 2026 auf NRW, also gut ein Viertel.
Auch qualitativ zeigt der April wieder, wie unterschiedlich „Razzia“ im Vollzug tatsächlich aussehen kann. In Stuttgart-Feuerbach durchsuchte die Polizei Ende April Räume wegen des Verdachts, dort sei ein unerlaubter Pokerclub betrieben worden; angetroffen wurden dutzende Personen, zudem wurde Bargeld in fünfstelliger Höhe beschlagnahmt. In Bocholt stellten Stadt, Kriminalpolizei und Bezirksregierung bei einer gemeinsamen Kontrolle drei nicht lizenzierte Wettterminals sicher. In Göttingen und Hann. Münden kontrollierten Behörden 22 Betriebe, leiteten mehr als 30 Verfahren ein und beschlagnahmten unter anderem einen Spielautomaten und knapp 17.000 Euro Bargeld. In Hamburg kontrollierten Polizei, Bezirksamt und Finanzamt Lokale in Harburg und Heimfeld und stellten dabei ein illegal genutztes Glücksspielgerät sicher. Frankfurt-Niederrad wiederum steht für den behördenübergreifenden Kontrollansatz: Dort wurden sieben Gaststätten überprüft, drei Spielautomaten aus dem Verkehr gezogen und mehrere Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.
Gerade diese Spannbreite ist für die April-Auswertung spannend. Der Tracker erfasst eben nicht nur klassische Polizeizugriffe in Hinterzimmern, sondern auch Gaststättenkontrollen, technische Sicherstellungen, ordnungsrechtliche Maßnahmen und Verfahren, bei denen Spielerschutz oder Zulassungsfragen eine wichtige Rolle spielen. Für den Lesenden entsteht dadurch ein realistischeres Bild des Vollzugs: Illegales Glücksspiel ist kein einheitliches Phänomen, und die staatliche Reaktion darauf ist es ebenso wenig. Dieses Muster hatte sich bereits in den Februar- und März-Auswertungen angedeutet und wird im April noch klarer sichtbar.
So aussagekräftig die April-Fälle im Einzelnen sind, so klar ist das Muster im Gesamtbild: Ostdeutschland bleibt im April erneut ohne neuen dokumentierten Fall. Damit verharrt die Bilanz der ostdeutschen Flächenländer seit dem 01.01.2025 bei gerade einmal 3 dokumentierten Maßnahmen. Dem stehen 122 Fälle in den westdeutschen Flächenländern und 33 in den Stadtstaaten gegenüber. Anders gesagt: Rund 77,2 Prozent aller erfassten Maßnahmen entfallen bislang auf westdeutsche Flächenländer, rund 20,9 Prozent auf Berlin, Bremen und Hamburg zusammen, aber nur rund 1,9 Prozent auf die ostdeutschen Flächenländer. Die Schieflage ist damit nicht nur spürbar, sondern statistisch massiv.
Im laufenden Jahr 2026 ist das Muster nahezu identisch. Von den bislang 58 dokumentierten Einsätzen entfallen 45 auf westdeutsche Flächenländer, 12 auf Stadtstaaten und nur einer auf ostdeutsche Flächenländer. Der sichtbare Vollzug bleibt also auch im zweiten, dritten und vierten Monat des Jahres dort konzentriert, wo er schon 2025 besonders stark war. Die GlücksWirtschaft hat dieses West-Ost-Gefälle bereits in der 2025er Auswertung sowie in den Monatsberichten für Februar und März hervorgehoben. Gleichzeitig gilt weiterhin die zentrale Einordnung: Wenige oder keine Einträge bedeuten nicht automatisch, dass es dort keinen Schwarzmarkt gibt; sie können ebenso auf Unterschiede in Prioritätensetzung, Vollzugspraxis oder öffentlicher Kommunikation hindeuten.
Warum diese Differenzen politisch relevant sind, zeigt auch der regulatorische Rahmen. Die GGL betont, dass der Glücksspielstaatsvertrag 2021 ausdrücklich darauf zielt, die Ausbreitung unerlaubter Glücksspiele in Schwarzmärkten zurückzudrängen, Jugend- und Spielerschutz zu gewährleisten sowie begleitende Kriminalität abzuwehren. Zugleich verbleiben die ausschließlichen Zuständigkeiten für Spielhallen und Geldspielgeräte bei den Ländern und ihren zuständigen Aufsichtsbehörden. Genau deshalb sind regionale Unterschiede im Razzia-Tracker mehr als eine statistische Kuriosität: Sie geben einen sichtbaren Hinweis darauf, wie unterschiedlich die Länder den terrestrischen Vollzug praktisch leben.
Noch schärfer wird das Bild, wenn man die Gesamtzahlen ins Verhältnis zur Bevölkerung setzt. Deutschland kommt inzwischen auf rund 1,9 dokumentierte Razzien je 1 Million Einwohner seit dem 01.01.2025. Die Stadtstaaten liegen als Gruppe mit rund 5,4 deutlich darüber, die westdeutschen Flächenländer mit rund 1,9 ziemlich genau am Bundesniveau, die ostdeutschen Flächenländer dagegen nur bei rund 0,25. Die bekannte geographische Schere aus den bisherigen Auswertungen bleibt damit nicht nur bestehen, sie vertieft sich im laufenden Jahr weiter.
An der Spitze bleibt Bremen der klare Ausreißer nach oben. Mit 9 dokumentierten Maßnahmen bei 0,7 Millionen Einwohnern liegt das Land nun bei rund 12,9 Razzien je 1 Million Einwohner. Hamburg folgt mit rund 6,7. Unter den Flächenländern stechen Schleswig-Holstein mit rund 4,1 und Hessen mit rund 3,7 heraus; Berlin liegt als Stadtstaat inzwischen bei rund 3,3. Nordrhein-Westfalen bleibt zwar mit 41 Fällen der mit Abstand wichtigste Einzelstandort in absoluten Zahlen, kommt pro Kopf aber auf rund 2,3 je 1 Million Einwohner und wirkt damit eher wie ein großer, dauerhaft aktiver Vollzugsraum als wie ein extremer Ausreißer. Baden-Württemberg und Bayern bleiben trotz inzwischen zweistelliger Gesamtstände pro Kopf relativ unauffällig. Genau dieses Muster – Stadtstaaten und kleinere Länder relativ weit vorne, große Flächenländer teils nur im Mittelfeld – hatte die GlücksWirtschaft bereits in der 2025er Grundauswertung beschrieben.
Gerade für die politische Debatte ist dieser Pro-Kopf-Blick wichtig. Absolute Fallzahlen zeigen, wo viel passiert; relative Werte zeigen, wo der Vollzug besonders sichtbar ist. Bremen und Hamburg sind deshalb nicht einfach nur „kleine Länder mit wenigen Fällen“, sondern Hotspots einer sehr dichten, sehr sichtbaren Kontrollpraxis. Umgekehrt wirken Länder mit wenigen oder keinen Fällen nicht automatisch entspannt, sondern eher auffällig zurückhaltend. Im April bestätigt sich dieses Muster erneut, weil die beiden Stadtstaaten Bremen und Hamburg trotz insgesamt nur 10 Monatsfällen wieder jeweils einen Eintrag beisteuern, während der Osten komplett leer bleibt.
Der GlüStV 2021 ist im Kern kein abstraktes Regelwerk, sondern auf sichtbaren Vollzug angewiesen. Die GGL hält fest, dass öffentliches Glücksspiel in Deutschland nur mit behördlicher Erlaubnis angeboten oder vermittelt werden darf, dass Schwarzmarktbekämpfung, Jugend- und Spielerschutz sowie die Abwehr begleitender Kriminalität zu den gleichrangigen Zielen des Staatsvertrags gehören. Wenn das der Maßstab ist, dann sind monatliche Tracker-Auswertungen mehr als ein Statistikformat: Sie machen greifbar, ob sich diese Ziele regional im Alltag überhaupt wiederfinden.
Der April 2026 sendet dabei ein gemischtes, aber keineswegs schwaches Signal. Einerseits sinkt die monatliche Schlagzahl nun den vierten Monat in Folge. Andererseits bleibt 2026 nach vier Monaten klar über dem Vorjahr, und selbst der April liegt noch oberhalb des 2025er Monatsschnitts. Mehr noch: Wenn das bisherige Jahrestempo gehalten würde, käme 2026 auf rund 174 dokumentierte Maßnahmen und einer mehr als deutlichen Steigerung im Kampf gegen den Schwarzmarkt.
Lesen Sie zum Kampf gegen den Schwarzmarkt und gegen illegales Glücksspiel auch das Exklusiv-Interview der GlücksWirtschaft mit Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP).
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