17 dokumentierte Maßnahmen im Mai, 75 seit Jahresbeginn 2026: Der Razzia-Tracker zeigt wieder mehr Tempo im Vollzug. Im Osten bleibt die Landkarte erneut leer.
llegales Glücksspiel wird in Deutschland weiter sehr ungleich sichtbar bekämpft. Während der Razzia-Tracker der GlücksWirtschaft für den Mai 17 dokumentierte Maßnahmen ausweist und damit wieder einen spürbaren Anstieg nach dem schwächeren April zeigt, kommt aus den ostdeutschen Flächenländern erneut kein neuer Fall. Das Bild ist damit klar: Der Vollzug verdichtet sich vor allem im Westen, einzelne Länder stechen besonders hervor, andere tauchen weiter kaum auf.
Seit Jahresbeginn 2026 summiert sich der Tracker auf 75 dokumentierte Razzien und Kontrollen mit Glücksspielbezug. Über den gesamten Zeitraum seit dem 1. Januar 2025 sind es nun 175 Fälle. Schon nach fünf Monaten hat das laufende Jahr damit drei Viertel des gesamten Vorjahreswerts erreicht. Würde das bisherige Tempo anhalten, läge 2026 bei rund 180 dokumentierten Maßnahmen und damit deutlich über 2025.
Der prägende Monatsschwerpunkt liegt diesmal in Hessen. Dort registrierte der Razzia-Tracker der GlücksWirtschaft im Mai sechs neue Maßnahmen. Kein anderes Bundesland kam in den vergangenen Monaten auf einen vergleichbaren Wert. Hessen erhöht seinen Gesamtstand damit auf 29 dokumentierte Fälle seit Beginn des Beobachtungszeitraums und gehört weiter zu den auffälligsten Ländern im Tracker.
Daneben entfielen im Mai drei Maßnahmen auf Schleswig-Holstein, jeweils zwei auf Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, außerdem eine auf Bayern und eine auf Bremen. Schon diese Verteilung zeigt, wie stark sich der Vollzug im Mai auf wenige westdeutsche Länder konzentriert hat.
Mit 17 neuen Fällen ist der Mai zugleich der zweitstärkste Monat des Jahres. Nur der Januar lag mit 19 Maßnahmen noch höher. Nach 19 Fällen im Januar, 16 im Februar, 13 im März und 10 im April zieht der Mai die Jahreskurve also wieder sichtbar nach oben.
Gerade diese Entwicklung passt zu der Linie, die Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Interview mit der GlücksWirtschaft beschrieben hat. Dort ging es nicht um vereinzelte Verstöße am Rand, sondern um illegales Glücksspiel als Teil einer Schattenwirtschaft im Hinterzimmer, die entschlossener und politisch konsequenter bekämpft werden müsse. Die Mai-Zahlen geben dieser Einordnung neues Gewicht.
Denn die Statistik erzählt nicht nur von einzelnen Einsätzen, sie zeigt auch, dass der Verfolgungsdruck in manchen Regionen hoch ist, in anderen dagegen kaum öffentlich sichtbar wird. Wenn ein Monat wie der Mai bundesweit 17 dokumentierte Maßnahmen hervorbringt, davon aber 16 in westdeutschen Flächenländern, dann wirkt der Vollzug nicht flächendeckend, sondern eher wie ein Flickenteppich und abhängig von der Agilität des Bundeslandes.
Besonders deutlich wird das beim Blick nach Ostdeutschland. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen tauchen auch im Mai wieder nicht mit neuen Fällen auf. Sachsen bleibt nach seinem Eintrag aus dem Februar weiterhin bei zwei Fällen insgesamt und wohl ohne neue Maßnahme gegen illegales Glücksspiel.
Für die ostdeutschen Flächenländer stehen damit seit Beginn des Trackers zusammen gerade einmal drei dokumentierte Maßnahmen zu Buche. Demgegenüber kommen die westdeutschen Flächenländer inzwischen auf 138 Fälle, die Stadtstaaten auf 34. Diese Schieflage ist längst kein einmaliger Ausreißer mehr oder auf die Bevölkerungsdichte zurückzuführen, sondern eine Struktur, die sich durch die Monatsberichte zieht.
Natürlich lässt sich aus der Statistik allein nicht sicher ableiten, ob hier vor allem unterschiedliche Vollzugsintensität, abweichende Behördenkommunikation oder tatsächlich verschieden starke Märkte sichtbar werden. Klar ist aber: Wer, wie Kopelke, eine politische Offensive gegen illegales Glücksspiel fordert, wird an dieser regionalen Unwucht kaum vorbeikommen.
Obwohl im Mai nur Bremen als Stadtstaat mit einem neuen Fall auftaucht, bleiben die Stadtstaaten im Pro-Kopf-Vergleich besonders sichtbar. Bremen liegt mit 10 dokumentierten Fällen bei nur rund 0,7 Millionen Einwohnern weiterhin klar an der Spitze. Dahinter folgen Hamburg mit 12 Fällen bei rund 1,8 Millionen Einwohnern und Berlin mit 12 Fällen bei rund 3,6 Millionen Einwohnern.
Auch unter den Flächenländern fallen einige Länder inzwischen stärker auf, wenn man die Einwohnerzahl mitdenkt. Schleswig-Holstein und Hessen liegen im Verhältnis zur Bevölkerung deutlich höher als große Länder wie Bayern oder Baden-Württemberg. Nordrhein-Westfalen bleibt zwar in absoluten Zahlen vorne, wirkt pro Kopf aber weniger dominant als kleinere, aktivere Länder.
Gerade dieser Blick relativiert die reine Monatsstatistik. Wer nur auf absolute Fallzahlen schaut, sieht vor allem Nordrhein-Westfalen und Hessen. Wer die Zahlen zur Einwohnerzahl ins Verhältnis setzt, erkennt zusätzlich, dass die Stadtstaaten und kleinere Länder weiter überproportional oft im Tracker auftauchen.
Nach fünf Monaten steht 2026 nun bei 75 dokumentierten Maßnahmen. Das entspricht einem Monatsdurchschnitt von 15 Fällen. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr ergäbe das rund 180 Maßnahmen. Gegenüber den 100 dokumentierten Fällen des Jahres 2025 wäre das ein Zuwachs von etwa 80 Prozent.
Der Mai markiert damit mehr als nur einen stärkeren Monat nach dem April. Er bestätigt, dass 2026 bislang auf einem deutlich höheren Niveau läuft als das Vorjahr. Gleichzeitig zeigt der Razzia-Tracker der GlücksWirtschaft weiter, dass der Druck gegen illegales Glücksspiel regional sehr unterschiedlich sichtbar wird. Während Hessen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein oder Niedersachsen regelmäßig neue Einträge liefern, bleibt der Osten auch im Mai weitgehend leer.
Genau darin liegt die eigentliche Aussage dieses Monatsberichts. Nicht nur die Zahl der Maßnahmen steigt, sondern auch der Kontrast zwischen den Regionen bleibt bestehen. Wer illegales Glücksspiel als Schattenwirtschaft im Zusammenhang mit vielen anderen kriminellen Handlungen sieht und nicht nur als Bagatelle versteht, muss diese Lücke im Vollzug mit in den Blick nehmen.
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