7. Oktober 2026

House of Lords fordert umfassendes Verbot von Glücksspielwerbung in Großbritannien

Ein neuer Bericht des House of Lords fordert ein umfassendes Verbot von Glücksspielwerbung in Großbritannien. Betroffen wären auch Sport, Social Media, Influencer und Direktmarketing.

Palace of Westminster in London mit Elizabeth Tower, Sitz des britischen Parlaments

Das britische Parlament in Westminster. Ein Ausschuss des House of Lords empfiehlt ein umfassendes Verbot von Glücksspielwerbung in Großbritannien.

Zusammenfassung

  • Das Liaison Committee des britischen House of Lords empfiehlt ein umfassendes Verbot von Glücksspielwerbung in Großbritannien.

  • Die Vorschläge betreffen klassische Werbung ebenso wie Sport-Sponsoring, Social Media, Direktmarketing, Influencer und Content Marketing.

  • Für Pferde- und Windhundrennen werden Ausnahmen diskutiert, bei Lotterien soll das Risiko gesondert geprüft werden.

  • Der Betting and Gaming Council widerspricht Teilen der Bewertung und verweist unter anderem auf sinkende Werbeausgaben lizenzierter Anbieter sowie das Wachstum illegaler Angebote.

  • Ein Werbeverbot ist bislang nicht beschlossen. Der Bericht richtet seine Empfehlungen an die britische Regierung.

Das britische House of Lords bringt ein weitreichendes Verbot von Glücksspielwerbung in die politische Debatte. Das Liaison Committee des Oberhauses empfiehlt der Regierung, Werbung für Glücksspiel langfristig umfassend zu untersagen und die Regulierung bis dahin deutlich zu verschärfen.

Die Empfehlungen gehen aus dem am 17. September 2026 veröffentlichten Bericht „Gambling Harm - Time for Action: Follow-up report“ hervor. Begleitend dazu veröffentlichte das britische Parlament eine offizielle Mitteilung mit den zentralen Forderungen des Ausschusses. Der Bericht knüpft an eine Untersuchung aus dem Jahr 2020 zu den sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Glücksspiels an.

Der Ausschuss bezeichnet ein umfassendes Werbeverbot als aus seiner Sicht wirksamste langfristige Maßnahme innerhalb der Werberegulierung. Dabei geht es nicht nur um klassische Fernsehspots. Die Empfehlungen reichen bis zu Social Media, Direktmarketing, Influencern, Affiliate-Marketing und Werbung im Sport.

House of Lords sieht Glücksspielschäden als Public-Health-Thema

Die Grundlage der Forderung ist ein stärker auf öffentliche Gesundheit ausgerichteter Regulierungsansatz. Der Ausschuss schätzt, dass zwischen 1,0 und 1,5 Millionen Erwachsene in Großbritannien ein Spielverhalten zeigen, das als problematisches Glücksspiel eingeordnet werden könne.

Der Bericht weist zugleich darauf hin, dass sich Schätzungen zur Verbreitung problematischen Glücksspiels je nach Methodik unterscheiden. Ebenso hält der Ausschuss fest, dass die Mehrheit der Menschen, die in Großbritannien Glücksspielangebote nutzt, keine glücksspielbezogenen Schäden erfährt.

Nach Auffassung des Liaison Committee hat sich jedoch insbesondere die Werbelandschaft seit der vorherigen Untersuchung aus dem Jahr 2020 erheblich verändert. Digitale Werbung, Social Media und sogenanntes Content Marketing hätten an Bedeutung gewonnen.

Auch die Höhe der Werbeausgaben wird im Bericht ausführlich behandelt. Über die genaue Größenordnung besteht allerdings Uneinigkeit. Branchenvertreter unterscheiden dabei zwischen Werbung lizenzierter und nicht lizenzierter Anbieter.

Verbot würde weit über klassische Werbung hinausgehen

Der Vorschlag des House of Lords umfasst mehrere Bereiche, die bislang teilweise unterschiedlichen Regeln oder Selbstverpflichtungen unterliegen.

Im Sport empfiehlt der Ausschuss unter anderem, Glücksspielwerbung auf Trikots, Trainingskleidung sowie in und um Sportstätten weitgehend zu untersagen. Für Vereine unterhalb der Premier League und für andere Sportarten soll eine mehrjährige Übergangszeit geprüft werden.

Für Pferde- und Windhundrennen sieht der Bericht mögliche Ausnahmen vor. Werbung direkt an den Rennbahnen könnte nach dem Vorschlag weiterhin erlaubt bleiben. Bei Lotterien fordert der Ausschuss zunächst eine gesonderte Bewertung des mit der Werbung verbundenen Risikos.

Auch Social Media nimmt der Bericht ausführlich in den Blick. Ein umfassendes Verbot soll nach Vorstellung des Ausschusses auch Werbung auf sozialen Plattformen einschließen.

Darüber hinaus fordert das Liaison Committee ein Verbot von Content Marketing durch Glücksspielanbieter. Gemeint sind damit auch Inhalte auf den eigenen Social-Media-Kanälen eines Unternehmens, die nicht wie klassische Anzeigen aussehen, aber nach Auffassung des Ausschusses einen kommerziellen Zweck verfolgen.

Direktmarketing und Influencer ebenfalls im Fokus

Besonders weit gehen die Empfehlungen beim direkten Kontakt mit Kunden. Der Ausschuss spricht sich für ein umfassendes Verbot von Direktmarketing durch Glücksspielanbieter und deren Affiliate-Partner aus. Nicht werbliche Mitteilungen, beispielsweise zu Kontoinformationen oder Maßnahmen des Spielerschutzes, sollen weiterhin möglich bleiben.

Auch Influencer und Content Creator werden ausdrücklich behandelt. Sollte es kein vollständiges Werbeverbot geben, empfiehlt der Ausschuss zumindest deutlich strengere Regeln für deren Zusammenarbeit mit Glücksspielanbietern.

Als weitere mögliche Zwischenmaßnahmen nennt der Bericht unter anderem strengere Altersgrenzen für digitale Werbung. Werbung in sozialen Netzwerken sollte nach Auffassung des Ausschusses nicht gezielt an Personen unter 25 Jahren ausgespielt werden. Der Bericht schlägt zudem strengere Regeln für Bonuswerbung und den Begriff „Free Bet“ vor.

Betting and Gaming Council verweist auf bestehenden Spielerschutz

In der Untersuchung kamen auch Vertreter der Glücksspielbranche zu Wort. Der Betting and Gaming Council, der zahlreiche regulierte britische Glücksspielunternehmen vertritt, bewertete das bestehende Werberegulierungssystem deutlich positiver.

Der Verband verwies auf die Kombination aus Gambling Commission, Advertising Standards Authority, Werbekodizes und freiwilligen Maßnahmen der Branche. BGC-Geschäftsführerin Grainne Hurst stellte zudem infrage, ob die vorhandene wissenschaftliche Evidenz einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Glücksspielwerbung und Glücksspielschäden ausreichend belege. Auch in Deutschland argumentieren legale Anbieter, dass die Sichtbarkeit regulierter Angebote für die Kanalisierung in den legalen Glücksspielmarkt eine wichtige Rolle spiele.

Bei den Werbeausgaben gibt es unterschiedliche Bewertungen. Wie im Bericht des House of Lords dokumentiert wird, verweist der Betting and Gaming Council auf eine Untersuchung des World Advertising Research Centre. Danach sollen die Werbeausgaben regulierter Glücksspielunternehmen 2026 um 9,2 Prozent auf rund 1,05 Milliarden Pfund zurückgehen.

Für nicht regulierte Anbieter prognostiziert diese Untersuchung dagegen einen Anstieg um 32 Prozent auf rund 845 Millionen Pfund.

Streitpunkt Schwarzmarkt

Damit berührt der Bericht eine Diskussion, die auch aus Deutschland bekannt ist: Welche Folgen haben stärkere Beschränkungen des legalen Marktes für nicht lizenzierte Angebote?

Der Betting and Gaming Council sieht insbesondere die zunehmende Werbung illegaler Anbieter als Problem. Diese verfügten nicht über die Spielerschutzvorgaben des regulierten britischen Marktes und könnten unter anderem über Suchmaschinen oder Social Media sichtbar werden.

Das Liaison Committee erkennt den illegalen Markt ausdrücklich als Risiko an, folgt jedoch nicht der Argumentation, dass weniger Werbung legaler Anbieter zwangsläufig zu einer größeren Abwanderung in nicht lizenzierte Angebote führen würde. Für einen solchen Verlagerungseffekt habe die Untersuchung nach Auffassung des Ausschusses keine ausreichend belastbaren Belege ergeben.

Der Bericht fordert dennoch zusätzliche Maßnahmen gegen illegale Glücksspielwerbung. Dazu gehören eine engere Zusammenarbeit mit Suchmaschinen und Social-Media-Plattformen sowie Möglichkeiten, Inhalte und Accounts nicht lizenzierter Anbieter für Nutzer in Großbritannien stärker zu beschränken.

In Deutschland gehört die Frage, wie stark regulatorische Vorgaben die Kanalisierung in den legalen Markt beeinflussen, zu den zentralen Themen der aktuellen Glücksspielregulierung.

Noch kein beschlossenes Werbeverbot

Bei dem Bericht handelt es sich um eine parlamentarische Empfehlung, nicht um ein bereits beschlossenes Gesetz.

Das Liaison Committee fordert die britische Regierung auf, die rechtlichen Voraussetzungen für ein umfassendes Werbeverbot zu schaffen und verschiedene Modelle für dessen Umsetzung zu prüfen. Bis zu einer möglichen Einführung sollen nach Vorstellung des Ausschusses gezielte Einschränkungen greifen. Der Bericht selbst rechnet mit einer Stellungnahme der Regierung innerhalb der für Ausschussberichte üblichen Frist von zwei Monaten.

Parallel beschäftigt sich die britische Regierung bereits mit der Werbung nicht lizenzierter Anbieter. Das Department for Culture, Media and Sport hatte im Juli 2026 eine Konsultation zu einem Verbot von Werbe- und Sponsoringvereinbarungen mit nicht von der Gambling Commission lizenzierten Glücksspielunternehmen gestartet. Diese Konsultation endete am 9. September 2026.

Der jetzt vorgelegte Bericht des House of Lords geht erheblich weiter, weil er nicht allein den illegalen beziehungsweise nicht lizenzierten Markt betrifft, sondern auch die Werbung regulierter Glücksspielanbieter.

Glücksspielwerbung in Deutschland anders geregelt

Für den deutschen Glücksspielmarkt hat der Bericht keine unmittelbare rechtliche Wirkung. Er liefert jedoch einen weiteren internationalen Vergleichspunkt in der Diskussion über Werbung, Spielerschutz und Kanalisierung.

In Deutschland erlaubt § 5 des Glücksspielstaatsvertrags 2021 grundsätzlich Werbung und Sponsoring für erlaubte Glücksspielangebote, verbindet diese Möglichkeit aber mit zahlreichen Einschränkungen. Werbung darf sich beispielsweise nicht an Minderjährige oder vergleichbar gefährdete Zielgruppen richten.

Für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Online-Casinospiele gilt im Rundfunk und Internet ein Werbeverbot zwischen 6 und 21 Uhr. Auch für Sportwetten bestehen besondere Vorgaben rund um Live-Übertragungen und die Einbindung aktiver Sportler und Funktionäre. Werbung für unerlaubtes Glücksspiel ist grundsätzlich verboten.

Die Wirkung dieser Werberegeln ist zudem Bestandteil der Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021. Damit werden Werbung, Spielerschutz und die Kanalisierung in den legalen Markt auch in Deutschland weiterhin regulatorisch untersucht.

FAQ

Hat Großbritannien Glücksspielwerbung bereits verboten?

Nein. Das Liaison Committee des House of Lords hat ein umfassendes Werbeverbot empfohlen. Für eine Umsetzung wären weitere politische und gesetzgeberische Schritte erforderlich.

Was soll nach dem Bericht verboten werden?

Der Vorschlag reicht von klassischer Werbung über Werbung im Sport bis zu Social Media, Content Marketing, Direktmarketing, Affiliates und Influencer-Marketing.

Soll auch Glücksspielwerbung im Sport verschwinden?

Der Ausschuss empfiehlt weitgehende Einschränkungen bei Trikots, Trainingskleidung und Werbung in und um Sportstätten. Für bestimmte Bereiche wie Pferde- und Windhundrennen werden Ausnahmen vorgeschlagen.

Was sagt die Glücksspielbranche zu den Forderungen?

Der Betting and Gaming Council hält das bestehende Regulierungssystem grundsätzlich für wirksam und verweist auf freiwillige Maßnahmen, sinkende Werbeausgaben regulierter Anbieter sowie zunehmende Werbung nicht lizenzierter Anbieter.

Hat der Bericht Auswirkungen auf Deutschland?

Unmittelbar nicht. In Deutschland gelten die Werberegeln des Glücksspielstaatsvertrags 2021. Die Wirkung dieser Vorschriften wird im Rahmen der Evaluierung des Staatsvertrags untersucht.

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