Mehr als 20 Lokale, 80 Einsatzkräfte und 22 sichergestellte Glücksspielautomaten: Die Berliner Behörden sind in Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg entschlossen gegen illegales Glücksspiel vorgegangen.
Hendrik Streeck, der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen
Illegales Glücksspiel in Berlin bleibt ein Thema für Behörden, Politik und Glücksspielbranche. Bei einem Verbundeinsatz mehrerer Behörden sind in der Nacht zu Freitag mehr als 20 Lokale in Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg kontrolliert worden. Wie der Tagesspiegel berichtet, wurden dabei 22 Glücksspielautomaten sichergestellt. 80 Einsatzkräfte waren beteiligt, darunter Mitarbeitende bezirklicher Ordnungsämter, Ermittler des Landeskriminalamtes, Schutzpolizisten und Zollbeamte. Der Einsatz dauerte demnach bis 3.40 Uhr morgens.
Die Berliner Morgenpost beschreibt den Einsatz als erneuten Versuch, Clans und Organisierte Kriminalität beim Geld zu treffen. Genau dieser Ansatz prägt die Berliner Linie seit Monaten: Illegale Geräte sollen nicht nur aus dem Verkehr gezogen werden, die Behörden wollen auch die wirtschaftlichen Strukturen hinter den Automaten angreifen.
Wie der Tagesspiegel berichtet, setzt Berlin dabei auf Verbundeinsätze von Ordnungsämtern, Polizei und Zoll. Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) erklärte demnach, Organisierte Kriminalität könne nicht im Alleingang bekämpft werden. Berlins Behörden müssten gemeinsam gegen kriminelle Strukturen vorgehen und illegale Gewinne abschöpfen.
Einen weiteren Schwerpunkt setzt BILD. Das Medium berichtet, dass Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck (CDU) eine Berliner Glücksspiel-Razzia begleitete. Streeck spricht sich laut BILD für härtere Strafen gegen Betreiber gewerbsmäßigen illegalen Glücksspiels aus.
Gegenüber BILD warnte Streeck, illegales Glücksspiel treibe Menschen in prekären Lebenslagen weiter in Verzweiflung und Ruin. Das Problem werde erst richtig sichtbar, wenn die Behörden genauer hinschauten. Deshalb fordert er bundesweit mehr Kontrollen, einen leichteren Datenaustausch zwischen Behörden und die Möglichkeit der Telefonüberwachung Verdächtiger.
Auch Georg Stecker, Sprecher des Vorstandes des Dachverbandes Die Deutsche Automatenwirtschaft, sieht nach BILD-Angaben dringenden Handlungsbedarf. Stecker warnt vor einer wachsenden Illegalität im Markt und fordert einen stärkeren Vollzug gegen illegale Automatenaufsteller.
Zugleich müsse der legale Markt so aufgestellt werden, dass er dem Schwarzmarkt ein attraktives, kontrolliertes und verlässliches Angebot entgegensetzen könne. Nur wenn legale Anbieter wirtschaftlich arbeiten und Spieler in regulierte Angebote gelenkt werden, lasse sich illegalem Glücksspiel wirksam begegnen.
BILD schildert zudem Details aus einzelnen kontrollierten Objekten. In einer Spielhalle seien rund 16.000 Euro Bargeld sichergestellt worden, weil sich nach Darstellung des Mediums der Verdacht auf mangelnden Kundenschutz erhärtet habe. Später seien Ermittler in einer Berliner Kneipe auf einen verschlossenen Nebenraum gestoßen. Nach Öffnung durch einen Schlüsseldienst seien dort vier weitere Spielautomaten entdeckt worden. Diese Geräte sollen nach BILD-Angaben illegal gewesen sein, weil ihnen die erforderliche Zulassung für Deutschland fehlte. Eine Schnell-Auswertung eines Automaten habe ergeben, dass dieses Gerät seit 2022 knapp 350.000 Euro umgesetzt haben soll.
Der Tagesspiegel verweist darauf, dass für einen illegalen Spielautomaten bislang ein Bußgeld von 500 Euro verhängt worden sei. Diese Summe steht in einem deutlichen Missverhältnis zu den möglichen Einnahmen illegal aufgestellter Geräte. Gerade deshalb setzt Berlin inzwischen stärker auf die sofortige Einziehung illegaler Einnahmen.
Auch die Berliner Morgenpost stellt die Razzia in den Kontext der Organisierten Kriminalität. Der Kern der behördlichen Strategie ist damit nicht allein die Kontrolle einzelner Lokale, sondern die Schwächung krimineller Geschäftsmodelle, die über Automaten, Bargeldströme und verdeckte Aufstellorte funktionieren.
Aus Sicht der GlücksWirtschaft reiht sich der Berliner Einsatz in eine bundesweit wachsende Zahl von Kontrollen gegen illegales Glücksspiel ein. Besonders auffällig ist, dass die Behörden immer häufiger nicht nur klassische Spielhallen überprüfen, sondern auch Gaststätten, Bars, Kioske, Shisha-Lokale und Nebenräume. Illegale Glücksspielautomaten werden damit zunehmend als Teil einer Schattenwirtschaft behandelt, die Spielerschutz, Steuereinnahmen und legale Anbieter gleichermaßen unter Druck setzt.
Für den regulierten Markt ist diese Entwicklung besonders problematisch. Legale Anbieter müssen hohe Anforderungen erfüllen, etwa bei Spielerschutz, Zulassung, Kontrolle und Abgaben. Illegale Anbieter umgehen diese Vorgaben, erzielen hohe Bargeldumsätze und entziehen sich der Aufsicht. Je konsequenter Behörden solche Strukturen verfolgen, desto stärker kann die Kanalisierung in den legalen Markt unterstützt werden.
Die GlücksWirtschaft dokumentiert Razzien, Kontrollen und behördliche Maßnahmen gegen illegales Glücksspiel fortlaufend im Razzia-Tracker. Der Berliner Einsatz ist ein weiterer Eintrag in einer Reihe von Maßnahmen, bei denen illegale Geldspielgeräte, fehlende Zulassungen, versteckte Nebenräume und mögliche Verbindungen zur Organisierten Kriminalität eine Rolle spielen.
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