Österreich bereitet eine Reform des Glücksspielgesetzes vor: Ein der Krone vorliegender Entwurf sieht ab 2029 mehrere Online-Lizenzen und strengere Schutzregeln vor.
Österreichs Glücksspielmarkt steht offenbar vor einer der größten regulatorischen Veränderungen seit Jahren. Nach einem Bericht der Kronen Zeitung liegt der Redaktion ein Entwurf für das neue Glücksspielgesetz vor. Dieser sieht demnach ab 2029 mehrere Konzessionen für Online-Glücksspiel vor. Damit würde das bisherige Online-Monopol der Casinos-Austria-Tochter win2day perspektivisch enden.
Derzeit ist die Österreichische Lotterien GmbH bis zum 30. September 2027 für die Durchführung von Lotterien sowie elektronischen Lotterien, also Online-Glücksspiel über win2day, konzessioniert. Die Casinos Austria AG betreibt zudem zwölf Spielbanken in Österreich, deren Konzessionen je nach Standort bis Ende 2027 beziehungsweise Ende 2030 laufen.
Dem der Krone vorliegenden Gesetzesentwurf zufolge soll die neu zu schaffende Glücksspielaufsichtsbehörde künftig eine nicht begrenzte Zahl von Konzessionen für Online-Glücksspiel vergeben können. Die erstmalige Laufzeit soll 5 Jahre betragen, bei Verlängerung 10 Jahre. Die Ausschreibung könnte dem Bericht zufolge nach dem Sommer 2026 erfolgen, die Neuvergabe wäre dann für 2029 vorgesehen.
Eine vollständige Liberalisierung wäre die geplante Reform dennoch nicht. Der Entwurf sieht laut Krone zugleich deutlich verschärfte Spielerschutzvorgaben vor. Besonders stark betroffen wäre das sogenannte kleine Glücksspiel, also Landesausspielungen mit Glücksspielautomaten außerhalb klassischer Spielbanken.
Vorgesehen sind demnach wöchentliche Einzahlungslimits: 250 Euro für Spieler unter 26 Jahren und 1.680 Euro für ältere Spieler. Pro Spiel soll der Einsatz höchstens 2 Euro betragen, mögliche Gewinne sollen auf 2.000 Euro begrenzt werden. Jackpots wären verboten. Nach 90 Minuten Spielzeit soll außerdem eine Abkühlphase von 15 Minuten vorgeschrieben werden.
Besonders relevant für den Online-Markt: Diese Regeln sollen laut dem Bericht künftig sinngemäß auch für Online-Glücksspiel gelten. Damit würde Österreich zwar mehrere Anbieter zulassen, den legalen Markt aber zugleich mit engen regulatorischen Leitplanken versehen.
Für internationale Anbieter wäre die geplante Öffnung grundsätzlich ein wichtiges Signal. In Österreich sind seit Jahren zahlreiche Unternehmen aktiv, die zwar über EU-Lizenzen verfügen, aber keine österreichische Konzession besitzen. Die Reform könnte für diese Anbieter eine neue Perspektive schaffen - allerdings nur unter strengen Bedingungen.
Der der Krone vorliegende Entwurf sieht dem Bericht zufolge offenbar auch für bisher nicht konzessionierte Anbieter eine Möglichkeit vor, künftig in den regulierten Markt zu wechseln. Dafür müssten Abgaben nachgezahlt werden. Außerdem müssten die Unternehmen Urteilen nach Spielerklagen nachkommen.
Das wäre politisch und juristisch ein heikler Punkt. Denn es geht um die Abgrenzung zwischen künftiger Marktöffnung, rückwirkender Bereinigung und konsequenter Durchsetzung des bisher geltenden Rechts. Für den Staat könnte ein solcher Weg zusätzliche Einnahmen und mehr Kontrolle bringen. Kritiker dürften jedoch fragen, ob Anbieter, die bisher ohne österreichische Konzession tätig waren, damit nachträglich zu günstig in den regulierten Markt gelangen.
Die Reform bewegt sich damit zwischen zwei Zielen: Einerseits soll der Markt stärker reguliert und kanalisiert werden. Andererseits sollen Spielerinnen und Spieler besser geschützt werden. Gerade die geplanten Limits zeigen, dass Österreich das Online-Glücksspiel nicht einfach öffnen, sondern eng begrenzen will.
Für die Branche könnte genau das zur entscheidenden Frage werden. Wenn die Vorgaben zu streng ausfallen, könnte der legale Markt für manche Anbieter wirtschaftlich weniger attraktiv sein. Zugleich könnten Spieler auf nicht konzessionierte Angebote ausweichen, wenn dort höhere Einsätze, Jackpots oder weniger Einschränkungen möglich sind.
Damit steht die österreichische Politik vor einem klassischen Regulierungsproblem: Ein legaler Markt muss streng genug sein, um Spielerschutz und Aufsicht glaubwürdig zu sichern. Er muss aber auch attraktiv genug bleiben, um Spieler vom Schwarzmarkt fernzuhalten.
Bei klassischen Spielbanken und Lotterien soll sich nach den Informationen aus dem der Krone vorliegenden Entwurf deutlich weniger ändern. Für Lotterien ist demnach weiterhin nur eine Konzession vorgesehen. Auch bei den Spielbanken bleibt der Grundrahmen offenbar weitgehend erhalten.
Das macht die Reform vor allem zu einem Online-Thema. Der politische Kern liegt in der Frage, ob Österreich sein bisheriges Monopolmodell zugunsten eines Mehrlizenzsystems öffnet und ob die neuen Regeln für Anbieter wirtschaftlich attraktiv genug bleiben.
Genau darin liegt die zentrale Spannung: Österreich will offenbar mehr regulierte Anbieter zulassen, den Markt aber nicht freigeben. Für die Branche könnte das neue Chancen schaffen. Für Anbieter, die auf hohe Spieleinsätze, Jackpots oder intensive Spielmechaniken setzen, würde der österreichische Markt dagegen deutlich anspruchsvoller.
Der Entwurf soll dem Bericht zufolge über den Sommer in Begutachtung gehen, auch auf EU-Ebene. Im Herbst peilt die österreichische Regierung demnach einen Beschluss an. Damit bleibt der Zeitplan ambitioniert, denn bei der Neuordnung des Glücksspielmarkts treffen finanzpolitische Interessen, Spielerschutz, föderale Zuständigkeiten und europarechtliche Fragen aufeinander.
Für Österreich wäre der Schritt ein Paradigmenwechsel: weg vom exklusiven Online-Angebot über win2day, hin zu einem regulierten Mehrlizenzmodell. Ob daraus ein attraktiver legaler Markt entsteht oder ein streng begrenztes Konzessionssystem mit geringer wirtschaftlicher Anziehungskraft, dürfte nun in den politischen Verhandlungen entschieden werden.
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