In 2025 konnte die GlücksWirtschaft im Razzia-Tracker 99 Maßnahmen gegen illegales Glücksspiel dokumentieren. Unsere Auswertung zeigt deutliche Schwerpunkte im Westen, starke Stadtstaaten, aber auch große weiße Flecken im Osten.
Seit Jahren wächst der Schattenmarkt, nun sind auch die Vollzugszahlen sichtbar. Mit der Eintragung der Razzia in Wunstorf (Niedersachsen) erreicht der Razzia-Tracker der GlücksWirtschaft die Marke von 100 dokumentierten Maßnahmen seit dem 1. Januar 2025. Dahinter stehen Schwerpunktkontrollen, Großrazzien und Ermittlungen im digitalen Raum, von der beschlagnahmten Hinterzimmerbank bis zu Maßnahmen gegen Online-Angebote.
Branchen-Schätzungen gehen von rund 50.000 illegalen Geldspielautomaten in Deutschland aus, mit einem Umsatzpotenzial von bis zu 6 Milliarden Euro im Jahr. In einem Markt, in dem etwa 45 Prozent der Geräte als illegal eingestuft werden, entscheidet sich die Glaubwürdigkeit der Regulierung nicht nur im Gesetzblatt, sondern vor Ort, bei Kontrollen und Razzien.
Der Razzia-Tracker bündelt diese Einsätze und macht erstmals sichtbar, wo der Staat tatsächlich und sichtbar durchgreift. Für die Auswertung nach Bundesländern hat die Redaktion die 99 in 2025 dokumentierten Fälle ausgewertet.
Die Verteilung der Einsätze ist alles andere als gleichmäßig. Vielmehr zeigen sich klare Schwerpunkte:
Drei Bundesländer, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen, vereinen damit 54 der 99 ausgewerteten Fälle auf sich, also mehr als die Hälfte aller dokumentierten Maßnahmen. Zählt man Berlin und Hamburg hinzu, entfallen rund 70 Prozent der Einsätze auf nur fünf Länder.
Noch deutlicher wird das Bild, wenn man die Razzien ins Verhältnis zur Bevölkerung setzt. Auf Basis der amtlichen Einwohnerzahlen aus 2024 kommt Deutschland im Schnitt auf 1,2 Razzien pro eine Million Einwohner. Die Stadtstaaten und einige kleinere Länder liegen deutlich darüber:
Bremen erreicht mit 6 Razzien rund 8,6 Maßnahmen pro eine Million Einwohner
Das Saarland liegt mit 4 Razzien bei 4 Maßnahmen pro eine Million Einwohner
Hamburg: 3,9 Maßnahmen pro eine Million Einwohner
Hessen: 3,1 Maßnahmen pro eine Million Einwohner
Berlin: 2,2 Maßnahmen pro eine Million Einwohner
Große Flächenländer wie Bayern (0,4) und Baden-Württemberg (0,5) liegen dagegen deutlich unter dem Durchschnitt, ebenso Sachsen (0,3). Hier ist im Razzia-Tracker lediglich eine Maßnahme verzeichnet.
Die Zahlen deuten darauf hin, dass insbesondere Stadtstaaten und einige westdeutsche Länder den Vollzug gegen illegales Glücksspiel sichtbar priorisieren, während andere Länder in der Statistik kaum oder gar nicht auftreten.
Auffällig ist auch das regionale Gefälle. 97 der 99 ausgewerteten Maßnahmen entfallen auf westdeutsche Länder oder die drei Stadtstaaten. In den ostdeutschen Flächenländern sind lediglich Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen mit je einem Fall vertreten, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen tauchen in der aktuellen Auswertung überhaupt nicht auf.
Das bedeutet nicht, dass es dort keinen Schwarzmarkt gibt. Vielmehr verweist die Statistik auf Unterschiede im Vollzug, in der Prioritätensetzung oder in der Art der Kommunikation der Maßnahmen.
Der Razzia-Tracker erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, er bildet das ab, was über Polizeimeldungen, Presseberichte und Hinweise aus dem Netzwerk der Redaktion dokumentierbar ist. Die tatsächliche Zahl der Einsätze dürfte höher liegen, das Dunkelfeld vor allem im Online-Bereich bleibt erheblich.
Trotzdem liefert die Auswertung erstmals eine strukturierte Sicht auf den Vollzug gegen illegales Glücksspiel in Deutschland. Sie zeigt, wo Behörden besonders aktiv werden, wo sich Schwerpunkte entwickeln und in welchen Regionen bislang kaum Maßnahmen in der Öffentlichkeit sichtbar werden.
Mit Stand heute mehr als 100 dokumentierten Maßnahmen seit Jahresbeginn 2025 hat sich der Razzia-Tracker als Beobachtungsinstrument etabliert. Für Polizei und Aufsicht kann er ein zusätzliches Lagebild liefern, für Politik und Gesetzgeber ein Indikator, ob die Ziele der Regulierung erreicht werden sowie für die Branche ein Spiegel, wie ernst der Rechtsstaat die Bekämpfung des Schwarzmarkts nimmt.
Für die GlücksWirtschaft ist der Tracker ein Anfang: eine Datengrundlage für weitere Analysen, für vertiefende Recherchen und für eine nüchterne Debatte über die Frage, ob der Vollzug mit der Dynamik des illegalen Marktes Schritt hält.
Hier geht es zum Razzia‑Tracker.
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