Illegales Glücksspiel bleibt für die Polizei ein Kontrolldelikt mit großem Dunkelfeld. GdP-Chef Jochen Kopelke fordert im Exklusiv-Interview mit der GlücksWirtschaft mehr Befugnisse, Ressourcen und eine konsequentere Strafverfolgung.
Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Exklusiv-Interview mit der GlücksWirtschaft.
Das illegale Glücksspiel in Deutschland floriert, im Verborgenen weitgehend, aber mit massiven Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Rechtsstaat. Die bekannten Zahlen sind alarmierend, das Entdeckungsrisiko gering. Das illegale Glücksspiel bietet Kriminellen maximale Gewinne bei minimaler Gefahr. Trotz zahlreicher Razzien und tausender Maßnahmen scheint die Polizei gegen die Flut an illegalen Angeboten in Cafés, Bars und im Internet oft machtlos. Im Exklusiv-Interview mit der GlücksWirtschaft gibt Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Einblicke in die polizeiliche Arbeit, erklärt das Ausmaß des illegalen Glücksspiels und formuliert Wünsche an Politik und Justiz, von der Beweislastumkehr bis hin zu erweiterten Ermittlungsbefugnissen für die Polizei.
Herr Kopelke, ist für Sie das Ausmaß des illegalen Glücksspiels einschätzbar?
Nein, das Ausmaß ist nur eingeschränkt einschätzbar. Es gibt ein hohes Dunkelfeld, da illegales Glücksspiel ein Kontrolldelikt ist. Schätzungen sprechen von 60.000 bis über 100.000 illegalen Automaten und einem Online-Schwarzmarktanteil von bis zu 70 bis 80 %.
Wieviel Polizeiarbeit fließt in die Bekämpfung des illegalen Glücksspiels?
In die Bekämpfung des illegalen Glücksspiels fließt bereits ein erheblicher polizeilicher Aufwand. Das zeigt sich an zahlreichen Kontrollen, Razzien und Ermittlungen etwa mit fast 1.000 Maßnahmen in Hessen im Jahr 2024 oder rund 350 Fällen in Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig reichen die vorhandenen Ressourcen nicht aus, weil andere Einsatzschwerpunkte und personelle Engpässe die Polizeiarbeit stark belasten.
Was ist die Erkenntnis der polizeilichen Arbeit über das illegale Glücksspiel?
Beim illegalen Glücksspiel handelt es sich um ein hochprofessionelles und äußerst lukratives Kriminalitätsfeld. Die Täter erzielen dabei erhebliche Gewinnmargen, teils von mehreren tausend Euro pro Automat und Monat. Begünstigt wird dies durch eine stabile Nachfrage infolge des hohen Suchtpotenzials und ein vergleichsweise geringes Entdeckungsrisiko. Zugleich zeigt sich, dass illegales Glücksspiel oft der Finanzierung organisierter Kriminalität und clanbezogener Strukturen dient. Hinzu kommen erhebliche Steuerausfälle.
Wo findet nach Ihrer Erkenntnis das illegale Glücksspiel statt?
Illegales Glücksspiel findet sowohl im stationären Bereich als auch im digitalen Raum statt. Nach unserer Erkenntnis reicht das Spektrum von illegalen oder manipulierten Spielhallen und Spielautomaten über unerlaubte Wettbüros in Hinterzimmern von Cafés, Bars oder kleinen Gewerberäumen bis hin zu privaten Pokerrunden und Untergrund-Casinos. Hinzu kommen informelle Glücksspielangebote auf der Straße oder in Hinterzimmern. Im Online-Bereich verlagert sich ein erheblicher Teil auf nicht lizenzierte Plattformen und illegale Sportwettenangebote, die häufig aus dem Ausland betrieben werden und keiner deutschen Aufsicht unterliegen.
Haben Sie genug Mittel in der Hand, um es erfolgreich bekämpfen zu können?
Nein, es fehlen spezialisierte Einheiten, moderne Ausrüstung für Vor-Ort-Kontrollen und digitale Ermittlungsbefugnisse. Illegales Glücksspiel zählt nicht zu den sogenannten Katalogstraftaten. Daher sind typische Ermittlungsinstrumente bei Organisierter Kriminalität wie die Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ) nicht ohne weiteres zulässig, was die Bekämpfung ineffizient macht.
Wir wünschen uns von der Justiz eine konsequente Strafverfolgung mit spürbaren Sanktionen, damit illegales Glücksspiel nicht als geringfügiges Delikt wahrgenommen wird.
Wer könnte die Polizei bei der Bekämpfung des illegalen Glücksspiels unterstützen? Mit welchen Mitteln?
Die Polizei könnte durch spezialisierte Ermittlungsgruppen in allen Bundesländern unterstützt werden, die gezielt gegen illegales Glücksspiel vorgehen. Wichtig wären außerdem gemeinsame Taskforces von Polizei, Aufsichtsbehörden, Zoll, Finanz- und Ordnungsbehörden, um Informationen und Maßnahmen besser zu bündeln. Ergänzend dazu wäre eine zentrale Koordinierungsstelle auf Bundesebene sinnvoll, die Lagebilder und bewährte Vorgehensweisen zusammenführt. Benötigt werden moderne IT-Forensik, bessere Datenzugänge, IP- und Payment-Blocking sowie eine Beweislastumkehr bei unklarem Vermögen.
Haben Sie in dem Zusammenhang Forderungen/Wünsche an die Politik?
Ja. Wir wünschen uns vor allem mehr Ressourcen für die Polizei, damit illegales Glücksspiel wirksamer verfolgt werden kann. Zudem sollten die §§ 284 ff. StGB (Paragrafen im Strafgesetzbuch, die sich mit dem Unerlaubten Glücksspiel befassen – d. Red.) als Katalogtaten eingeordnet werden, um den Ermittlungsbehörden erweiterte Befugnisse zu ermöglichen. Wichtig ist außerdem eine konsequente Vermögensabschöpfung, deren Erlöse direkt den Polizeihaushalten zugutekommen sollten. Die Schaffung einer Beweislastumkehr bei unklarem Vermögen ist dabei unerlässlich. Darüber hinaus braucht es bundesweite Präventionsmaßnahmen sowie eine Entbürokratisierung legaler Angebote, damit der Fokus stärker auf wirksamem Spielerschutz und der Bekämpfung illegaler Strukturen liegen kann.
Haben Sie Forderungen/Wünsche an die Justiz?
Ja. Wir wünschen uns von der Justiz eine konsequente Strafverfolgung mit spürbaren Sanktionen, damit illegales Glücksspiel nicht als geringfügiges Delikt wahrgenommen wird. Wichtig sind außerdem eine enge und verlässliche Kooperation bei der Einziehung von Vermögenswerten und Geräten sowie eine klare Priorisierung entsprechender Verfahren.
Vielen Dank für Ihre Einblicke, Herr Kopelke.
Lesen Sie im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews wie Jochen Kopelke eine politische Offensive fordert.
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