22. Januar 2026
Veröffentlicht am
Autor*in

Schwarzmarkt bleibt stabil – DOCV fordert faktenbasierte Regulierung

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat ihren Tätigkeitsbericht für das Jahr 2024 vorgelegt – mit Erfolgen im Kampf gegen illegales Glücksspiel. Der Deutsche Online Casinoverband (DOCV) begrüßt die Fortschritte, fordert jedoch mehr Transparenz bei Daten, Methoden und den rechtlichen Grundlagen.

852 illegale Anbieter festgestellt

Laut Tätigkeitsbericht wurden 2024 insgesamt 852 nicht-lizenzierte Online-Glücksspielangebote festgestellt – ein Zuwachs von 14,36 % im Vergleich zum Vorjahr. Diesen stehen 127 legale Webseiten von 43 lizenzierten Anbietern gegenüber, die auf der offiziellen Whitelist der GGL gelistet sind. Die Behörde schätzt den Anteil nicht-lizenzierter Anbieter am Gesamtmarkt auf rund 25 %.

„Die GGL geht engagiert vor“, erklärt Julia Lensing, Geschäftsführerin des DOCV. In Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden würden Maßnahmen wie Payment-Blocking, Geoblocking und Untersagungsverfügungen umgesetzt, um nicht-lizenzierte Anbieter zu verdrängen.

DOCV warnt vor Dynamik des Schwarzmarkts

Trotzdem bleibt der illegale Markt hochaktiv. Lensing verweist auf eine Studie von Prof. Schnabl (Universität Leipzig), laut der mehr als 50 % der Spielzeit im Online-Glücksspiel weiterhin bei nicht-lizenzierten Anbietern stattfindet. Die Marktteilnehmer entziehen sich oft durch technische Tricks wie Cloaking oder Mirror-Seiten der Kontrolle – etwa durch täuschende Webseitenkopien mit wechselnden URLs.

Nach Ansicht des DOCV reichen die derzeitigen gesetzlichen Instrumente nicht aus. Die maßgeblichen §§ 284 ff. StGB stammen aus einer Zeit stationärer Glücksspielregulierung und stoßen im digitalen Raum an ihre Grenzen. Der Verband fordert deshalb eine Nachjustierung dieser Normen mit Blick auf das Online‑Glücksspiel.

Julia Lensing, Geschäftsführerin des Deutschen Online Casinoverbandes

Widersprüchliche Marktentwicklung

Die GGL meldet für den legalen Markt einen Anstieg des Marktvolumens für virtuelle Automatenspiele und Online-Poker – von 0,4 Mrd. € (2023) auf 0,6 Mrd. € (2024). Laut DOCV steht diese Entwicklung jedoch im Widerspruch zu den gemeldeten Steuerrückgängen: Das Bundesfinanzministerium erwartet für 2024 ein Minus von 20 % bei den Einnahmen aus dem virtuellen Automatenspiel.

Forderung: LUGAS-Daten regelmäßig veröffentlichen

„Ein attraktiver legaler Glücksspielmarkt ist die wirksamste Methode gegen illegales Spiel“,

betont Julia Lensing. Nur legale Anbieter könnten umfassenden Jugend- und Spielerschutz garantieren. Voraussetzung dafür sei jedoch eine faktenbasierte Diskussion. Der DOCV fordert daher die regelmäßige Veröffentlichung der LUGAS-Daten durch die GGL, um valide und belastbare Grundlagen für die Regulierung zu schaffen.

Tags

Auf Social Media teilen

Autor*in

Das könnte Sie auch interessieren

Britische Glücksspielkommission: Meta ignoriert illegale Casino-Werbung
Britische Glücksspielkommission: Meta ignoriert illegale Casino‑Werbung
Die britische Glücksspielaufsicht erhebt schwere Vorwürfe gegen Meta. Facebook und Instagram sollen illegale Casino-Werbung dulden und davon profitieren. Die Kritik aus Großbritannien deckt sich mit zahlreichen Meldungen, die das Geschäftsmodell hinter dem digitalen Schwarzmarkt seit Monaten beleuchten.
Artikel lesen
Razzien gegen illegales Glücksspiel: Behörden erhöhen den Druck im neuen Jahr
Mehrere Einsätze in der letzten Woche aus verschiedenen Regionen zeigen, wie eng Polizei, Ordnungsämter und Steuerfahndung mittlerweile zusammenarbeiten. Im Fokus standen vor allem illegal betriebene Glücksspielautomaten.
Artikel lesen
Der Razzia-Tracker in 2025: Zahlen & Fakten je Bundesland
In 2025 konnte die GlücksWirtschaft im Razzia-Tracker 99 Maßnahmen gegen illegales Glücksspiel dokumentieren. Unsere Auswertung zeigt deutliche Schwerpunkte im Westen, starke Stadtstaaten, aber auch große weiße Flecken im Osten.
Artikel lesen