Im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews mit der GlücksWirtschaft zeichnet der GdP-Vorsitzende Kopelke ein deutliches Bild der Lage des Kampfes gegen das illegale Glücksspiel und fordert eine politische Offensive.
Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP).
Während der deutsche Glücksspielstaatsvertrag den legalen Markt ordnen soll, hat sich im Windschatten der Regulierung ein hochgefährlicher Schwarzmarkt etabliert. Für die Politik ist das Thema oft nur eine Frage von Konzessionen und Steuereinnahmen. Für die Polizei ist es ein täglicher Kampf gegen kriminelle Netzwerke, die von den Lücken im System profitieren. Doch die Beamten kämpfen mit stumpfen Waffen.
Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), legt in einem Exklusiv-Interview mit der GlücksWirtschaft die Finger in die Wunden. Er kritisiert eine Prioritätensetzung der Politik, die die Polizei bei der Überwachung des Marktes personell und technisch nicht die probaten Mittel in die Hände gibt. Er macht deutlich, dass hohe Aufklärungsquoten in der Statistik kein Beleg für Erfolg sind, sondern ein Warnsignal für ein massives Dunkelfeld, das durch mangelnde Kontrolldichte politisch mitverantwortet wird.
Auch interne Themen spart er nicht aus: So geht es im Gespräch ebenso um Spielsucht innerhalb der Polizei selbst und die Notwendigkeit von Prävention und Unterstützung.
Herr Kopelke, wie sieht das Spielerklientel aus?
Vornehmlich vulnerable, suchtgefährdete Gruppen, die gezielt Angebote nutzen, bei denen es keine wirksamen Spielerschutzmechanismen gibt. Gerade diese fehlenden Schutzvorkehrungen machen illegale Angebote für gefährdete Personen besonders riskant. Die Folgen für die Betroffenen sind oft erheblich: Es drohen Glücksspielsucht, hohe finanzielle Verluste, zunehmende Verschuldung bis hin zu existenziellen Problemen. Hinzu kommen nicht selten soziale Isolation, familiäre Konflikte und psychische Belastungen.
Wie wird das illegale Glücksspiel von der Polizei konkret bekämpft?
Illegales Glücksspiel ist ein Kontrolldelikt. Die Polizei bekämpft illegales Glücksspiel daher vor allem durch regelmäßige Kontrollen. Hinzu kommen gezielte Razzien gegen illegale Spielstätten und Betreiberstrukturen wie etwa in Rheinland-Pfalz, wo 75 Automaten und 75.000 Euro sichergestellt wurden. Außerdem führt die Polizei Ermittlungen gegen Betreiber und kriminelle Netzwerke, stellt illegale Geräte sicher.
Wie hoch ist die Aufklärungsquote?
Bei den polizeilich erfassten Fällen ist die Aufklärungsquote hoch. Für die Delikte nach §§ 284 ff. StGB (Paragraph des Strafgesetzbuches zu unerlaubter Veranstaltung eines Glücksspiels, Anm. d. Red.) lag sie laut PKS (Polizeilicher Kriminalstatistik) 2024 bei rund 98 Prozent. Zugleich ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Aufklärung insgesamt deutlich niedriger liegt, weil im Bereich des illegalen Glücksspiels von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen ist.
Ist die Polizei dafür gut ausgerüstet, ausgebildet?
Nein, hier besteht noch Verbesserungsbedarf. Erforderlich sind stärkere Schulungen und Fortbildungen für Vollzugsmitarbeitende, unterstützt durch passende Bildungsangebote. Zudem braucht es eine modernere Ausrüstung für Vor-Ort-Kontrollen, etwa bei Prüfgeräten und der Beweissicherung. Wichtig ist außerdem eine technische Standardisierung, zum Beispiel bei Kontrollgeräten, Ausweislesern und digitalen Protokollen, um Kontrollen effizienter und rechtssicherer durchführen zu können.
Wie läuft eine solche Ausbildung?
Eine solche Ausbildung sollte vor allem praxisnah und regelmäßig erfolgen. Notwendig sind wiederkehrende Fortbildungen zu unterschiedlichen Glücksspielvarianten, typischen Manipulationsmethoden und den rechtlichen Besonderheiten in diesem Bereich. Ergänzt werden sollte dies durch praktische Übungen, etwa im Umgang mit Prüfgeräten,
Sind genug Polizeibeamte in der Bekämpfung des illegalen Glücksspiels tätig?
Nein. Wir haben zu wenige spezialisierte Beamte, da Personalmangel vorherrscht und es oft auch andere Prioritätensetzungen gibt, die Kapazitäten binden.
Sind auch Polizisten von Spielsucht betroffen?
Ja, auch Polizistinnen und Polizisten können von Spielsucht betroffen sein, wie andere Bevölkerungsgruppen auch. Spielsucht ist daher auch innerhalb der Polizei ein ernstzunehmendes Thema. Umso wichtiger sind präventive Maßnahmen und ein konsequenter Spielerschutz im legalen Bereich. Gleichzeitig brauchen Beschäftigte im Polizeidienst niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote, die vom Dienstherrn bereitgestellt werden sollten.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kopelke.
Lesen Sie auch den ersten Teil des Interviews mit Jochen Kopelke Schattenwirtschaft im Hinterzimmer.
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