In Deutschland explodiert das Geschäft mit illegalen Geldspielautomaten. Grund sind die riesigen Profite, die die Betreiber und Aufsteller illegaler Geräte herausschlagen.
Um es vorwegzuschicken: Das Volumen des illegalen Glücksspiels in Deutschland ist naturgemäß schwer zu beziffern. Die folgenden Zahlen gelten jedoch als realistisch. Sie basieren etwa auf Referenzmodellen über Umsätze und Erträge von den legalen Anbietern, aber auch auf Ermittlungen und Erfahrungen von Fachleuten, Institutionen und Unternehmen, die sich seit langem mit der Materie befassen.
Um sich die Größenordnung des illegalen Glücksspiels bewusst zu machen, muss man die des legalen umreißen: 2019 bis 2021 wurden im deutschen Glücksspielmarkt Gesamt-Bruttospielerträge von jährlich bis zu 13,3 Mrd. Euro erwirtschaftet (Quelle: Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder). Der Anteil der Profite aus illegalem Glücksspiel daran betrug nach Schätzungen zwischen 2,21 Mrd. Euro (2019) und 740 Mio. Euro (2021). Dieser Rückgang schien vordergründig daran zu liegen, dass die Segmente der Internet-Casinos, -Automatenspiele und -Sportwetten 2021 durch geänderte Regulierung nun großteils legalisiert wurden.
Unterdessen kommt jedoch eine 2023 publizierte Studie im Auftrag des Deutschen Online Casinoverbands und des Deutschen Sportwettenverbands zu Erkenntnissen, die keineswegs hoffen lassen, dass der Online-Schwarzmarkt in Deutschland auf dem Rückzug ist. Nach dieser Analyse, die der Leipziger Wirtschaftswissenschaftler Gunther Schnabl auf Basis eines Panels des Marktforschungsunternehmens Nielsen erstellte, lag im März 2023 bei den Panel-Teilnehmern der Anteil der Nutzungszeit an legalen wie illegalen Glücksspiel-Angeboten gleichermaßen bei 50 Prozent. Und von den für die Studie erfassten 520 Anbietern konnten lediglich 87 eine gültige Erlaubnis zur Veranstaltung von Online-Glücksspielen in Deutschland vorweisen.
Noch viel ungünstiger als im Online-Segment verläuft die Entwicklung im Bereich des stationären Glücksspiels: Hier beobachten Behörden und legale Anbieter ein geradezu explosionsartiges Wachstum des Schwarzmarkts. Denn ohne die Kontrolle von Mindesteinsätzen, Gewinnausschüttungen oder gar steuerlichen Abgaben lassen sich mit illegal betriebenen Geräten – speziell den sogenannten Fun Games – immense Profite erzielen.
Fachleute gehen von Monatsumsätzen zwischen 5000 und 10.000 Euro pro Gerät aus – bei Kosten von vielleicht 1500 Euro für dessen Beschaffung. Für Hamburg zum Beispiel schätzt der Hamburger Automaten-Verband e. V. deshalb bereits, dass „den knapp 1000 legalen Geräten in den Spielhallen ungefähr 3000 illegale in Hinterzimmern und fragwürdigen Cafés“ gegenüberstehen. Geht man von bundesweit rund 50.000 illegalen Geräten aus, summieren sich die Umsätze aus diesem Geschäft hierzulande auf jährlich drei bis sechs Milliarden Euro – steuerfrei natürlich.
Unter diesen Umständen verwundert es nicht, dass der Bundesbeauftragte für Drogen- und Suchtfragen, Burkhard Blienert, vermutet, „dass die Umsätze des illegalen Automatenspiels inzwischen höher sind als die des legalen Marktes“. Und Georg Stecker, Vorstandsprecher der Deutschen Automatenwirtschaft (DAW), taxiert die jährlichen Einbußen aus Vergnügungs- und Umsatzsteuer für den Staat auf mindestens eine halbe Milliarde Euro.
Die Anzahl der polizeilich erfassten Fälle von illegalem Glücksspiel ist in den vergangenen Jahren regelmäßig gestiegen und erreichte zuletzt mit hohen Zuwachsraten neue Rekordhöhen. Der kurzzeitige Rückgang im Jahr 2020 wird nicht zuletzt auf das Herunterfahren der Kontrollen während der Pandemie zurückgeführt.
Die Beschaffungskosten für illegale Glücksspielautomaten sind so gering, dass sie sich oft binnen Tagen amortisieren. Ihre Gesamtumsätze könnten geschätzt bis zu 6 Mrd. Euro pro Jahr betragen. Das wäre mehr als die Gesamtsumme der legalen Umsätze, obwohl es „nur“ ca. 50.000 illegale Geräte geben soll, während 180.000 legale registriert sind.
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