10. Juni 2026
Veröffentlicht am
Autor*in

Verbotene Wett-Terminals in Tankstellen

Das Gesetz ist klar: „Der stationäre Vertrieb und die Vermittlung von Sportwetten außerhalb von Wettvermittlungsstellen sind verboten.“ (§ 21a Abs. 2 GlüStV). Die Realität sieht anders aus – illegale Wett-Terminals breiten sich zunehmend in Tankstellen, Kiosken und Kneipen aus.

Illegale Sportwetten

Von dubiosen Anbietern im Internet – leider nichts Neues. Verbotene Wetten in Hinterzimmern von Shisha-Bars, Spelunken und Spätis – schon gehört. Jetzt ein neuer gefährlicher Trend: In Tankstellen sowie ganz normalen Cafés und Kneipen stehen in aller Öffentlichkeit immer häufiger Wett-Terminals. Eindeutig verboten – und doch zunehmend Realität.

Nur wer auf der so genannten Whitelist der GGL (Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder) steht, darf in Deutschland legal Sportwetten anbieten. Aktuell sind das 29 Anbieter; die meisten davon bieten nur online Sportwetten an, acht sowohl online als auch stationär – nämlich Tipico, TipWin, Tiptorro, HappyBet, Sportwetten.de, Merkur, Bet3000 und Wettarena. Oddset und AdmiralBet haben die Erlaubnis, betreiben aktuell aber keine stationären Wettvermittlungsstellen. Marktführer ist Tipico mit etwa 1.000 der insgesamt rund 2.350 Wettvermittlungsstellen. Wer nicht auf der Whitelist ist und öffentlich Glücksspiel veranstaltet, macht sich strafbar. Es drohen bis zu zwei Jahre Haft oder Geldstrafen.

Außerdem: Die Sportwetten dürfen ausschließlich in einer offiziellen Wettvermittlungsstelle angeboten werden. Tankstellen und Cafés gehören da nicht dazu. Wer dort also Wett-Terminals sieht, bei dem sollten die Alarmglocken schrillen.

Wie sieht das konkret aus?

Wett-Terminals sind technisch gesehen handelsübliche Computer mit einem Touchscreen, die in einem Gehäuse verbaut sind. Sie werden am Tresen, neben der Kasse oder an einem anderen passenden Ort aufgestellt.

Über eine Datenverbindung werden die Wettangebote – also Paarungen, Spielzeiten und Quoten – von einem Veranstalter eingespielt. Der Kunde wählt über das Touchpad seine Wunschpartien und seinen Einsatz. Schließlich wirft er seinen Wetteinsatz ein. Das Gerät druckt einen Wettschein als Spielquittung aus. Im Fall eines Gewinns nimmt der Aufsteller – der Gastwirt oder Tankwart – den Wettschein entgegen und zahlt den Gewinn in bar aus. Je nach Ausgestaltung des Aufsteller-Verhältnisses rechnet er nun mit seinem Vertragspartner ab oder er trägt das operative Wettrisiko komplett allein und agiert als Wetthalter. Beides ist ganz klar illegal.

Wo kommen die Terminals her?

Teilweise werden ausrangierte Wett-Terminals von legalen Anbietern zweckentfremdet und mit anderer Software bespielt. Manchmal lässt man sogar das Branding bestehen, um den Anschein des Erlaubten zu wecken oder das Image einer bekannten Marke zu nutzen. Aber auch nachgebaute bzw. neu konstruierte Wett-Terminals sind über Kleinanzeigenmärkte im Internet unkompliziert zu erwerben – gebraucht oft für weniger als 1.000 Euro. Allein auf der Website kleinanzeigen.de findet man ganz offen knapp 50 Angebote. Legal. Denn die Geräte werden ohne Software und Lizenzen verkauft und könnten ja auch von lizenzierten Anbietern mit deren Software einer legalen Zweitnutzung zugeführt werden.

Wer stellt die Software und die Daten bereit?

Auf die Geräte muss dann eine Betriebssoftware aufgespielt werden. Auch sie lässt sich unkompliziert über das Internet beziehen. Häufig stammt sie von Unternehmen, die in anderen Ländern, nicht aber in Deutschland eine Zulassung haben. Sie stellen die Software in der Regel nicht direkt zur Verfügung, sondern über Drittanbieter, für deren weitere Nutzung sie wiederum keine Verantwortung übernehmen. Juristisch schwer greifbar – noch dazu, wenn es kaum Verfolgungsdruck gibt.

Bewusste Verschleierung oder komplette Arglosigkeit?

Auf den im Thermoverfahren bedruckten Wettscheinen kann man oft sehen, wer der Anbieter der Wetten ist. Allerdings wird auch hier getrickst: Entweder werden Blanko-Papierrollen ohne jeden Anbieter-Hinweis genutzt oder es werden anderweitig besorgte Papiere legaler Anbieter genutzt. Oder: Es wird einfach das reguläre Kassenpapier der Tankstelle verwendet – was auf ein vollständig fehlendes Unrechtsbewusstsein schließen lässt.

Warum floriert das illegale Wettgeschäft?

Die Attraktivität illegaler stationärer Sportwetten liegt für viele Spieler in besseren Quoten, fehlenden Einsatzlimits, mehr Wettoptionen und der Möglichkeit, anonym zu bleiben. Auch der niederschwellige, völlig unkomplizierte Zugang zieht Spieler an. Hinzu kommt, dass manche Anbieter Schulden tolerieren und Spielern Kredit gewähren – ein erhebliches Risiko für Spielsucht und Überschuldung. Es greifen keinerlei Spielerschutzmaßnahmen und es fehlt an Kontrollmechanismen zur Verhinderung von Geldwäsche und anderen kriminellen Machenschaften.

Was wird damit verdient?

Die Höhe der Einnahmen bei den Wett-Terminals kommt natürlich ganz auf die Nutzungsfrequenz an. Aber: Da das Terminal illegal ist, fallen keinerlei Steuern an. Auch Ausgaben, die etwa Franchisenehmer der lizenzierten Anbieter für Spielerschutzmaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen haben, gibt es nicht. Oft sind Tankstellen und Kneipen auch gar nicht selbst die Betreiber, sondern stellen gutgläubig nur den Platz zur Verfügung und wickeln die Wetten gegen Provision ab. Betroffene berichten von professioneller Anwerbung; Verbindungen zu Organisierter Kriminalität werden gemutmaßt. An guten Standorten schätzen Experten den monatlichen Nettogewinn auf mittlere bis höhere vierstellige Beträge. In darauf spezialisierten Etablissements dürfte die Marge noch deutlich höher ausfallen.

Die Ehrlichen sind die Dummen?

Die Franchisenehmer legaler Sportwetten-Anbieter haben immer öfter das Nachsehen. Während sie sich an die gesetzlichen Vorschriften halten, dafür Geld ausgeben, Lizenzgebühren bezahlen und obendrein Steuern abführen, wirtschaftet die illegale Konkurrenz komplett in die eigene Tasche – auf Kosten des Jugend- und Spielerschutzes und der Allgemeinheit.

Wenn der “Wirt” eine App empfiehlt

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung sogenannter hybrider illegaler Sportwetten, die mit noch deutlich höherer krimineller Energie verbunden sind. Hierbei handelt es sich um ein perfides Modell, das stationäre Präsenz mit digitaler Abwicklung kombiniert. Kunden betreten zwar weiterhin physisch einen illegalen Wettshop – oft getarnt als Kulturcafé oder Kneipe. Doch anstatt die Wette vor Ort abzugeben, werden sie dazu animiert, eine illegale Wett-Webseite auf ihr Smartphone zu laden. Die Wettplatzierung erfolgt dann in der digitalen Umgebung der App, während das Cash-Handling vor Ort durch einen Mittelsmann erfolgt. Es wird also auf auffindbare Terminals verzichtet, manchmal werden kompakte Handscanner genutzt.

Ein Beispiel:

Ein Spieler zahlt 100 Euro in eine schwarze Kasse im illegalen „Wettbüro“ ein und platziert anschließend eine Wette über die App. Falls er gewinnt, erfolgt die Auszahlung vor Ort in bar – außerhalb jeder legalen Nachvollziehbarkeit, ohne jegliche Kontrolle – und ohne jede Steuer. Das bedeutet auch: Keine Altersbeschränkungen, keine Limits, keine Spielsperren. Stattdessen werden Spieler oft sogar dazu verleitet, auf Kredit zu spielen – ein Einfallstor für Verschuldung und Abhängigkeit von kriminellen Netzwerken.

Verbotene Ereignisse

Wetten auf den Amateursport

Neben der Umgehung regulatorischer Vorgaben durch hybride Wettmodelle zeigt sich ein weiteres großes Problem des Schwarzmarktes: die Wettangebote auf verbotene Ereignisse. Im Schwarzmarkt sind Wetten auf Amateursport, Jugendfußball oder sogar Schiedsrichterentscheidungen gang und gäbe. Diese Praxis ist aus mehreren Gründen hochproblematisch: Erstens sind solche Sportereignisse besonders anfällig für Spielmanipulationen zulasten der Glücksspieler – der Raum für Betrug und Abzocke ist riesig. Zweitens erhöht das Wettgeschäft auf Jugend- und Amateurspiele das Risiko von Einflussnahmen durch kriminelle Organisationen, die gezielt Spieler oder Offizielle mit Androhung von Gewalt unter Druck setzen, um Wettgewinne zu maximieren.

Wett-Terminals ganz einfach – und legal – im Internet bestellen. Erst der Betrieb mit unerlaubter Software und außerhalb von lizenzierten Wettvermittlungsstellen macht sie illegal.

Auch Spieler machen sich strafbar

Das Strafgesetzbuch §285 besagt, dass die Beteiligung an einem unerlaubten Glücksspiel mit einer Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten oder einer Geldstrafe von bis zu einhundertachtzig Tagessätzen bestraft werden kann.

Kompakte Terminals am Tresen oder größere Wett-Stationen in der Ecke: immer illegal.

Laut Bundeskriminalamt:

  • Extrem hohe Angebotsstruktur im Bereich illegaler Sportwetten mit geringer Entdeckungswahrscheinlichkeit

  • Schätzungen gehen von Umsätzen „im Milliardenbereich“ aus

  • Tatorte: Barbershops, Kioske, Cafés, Pizzerien, Shisha-Bars u.Ä.

Die erlaubten Veranstalter und Vermittler von Glücksspielen sind auf der Whitelist der GGL öffentlich einsehbar.

ANZEIGE

Tags

Auf Social Media teilen

Autor*in