19. April 2026
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Warum boomt der Schwarzmarkt beim virtuellen Automatenspiel?

Das illegale Spiel lockt. Wie Spieler das regulierte virtuelle Automatenspiel erleben – und wieso sie in den Schwarzmarkt abwandern.

Peter M. ist leidenschaftlicher Glücksspieler. Am liebsten spielt er das, was der Gesetzgeber „virtuelle Automatenspiele“ nennt. „Ich zocke einfach gern“, sagt Peter beim Gespräch in Frankfurt am Main. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass rechtliche Klarheit für Online-Casinos in Deutschland geschaffen wurde. Aber die Seiten der ‚großen Namen‘ besuche ich kaum noch. Da gewinne ich nur noch Mickey-Maus-Beträge. Und Online- Roulette kann ich gar nicht mehr spielen“, sagt der 34-Jährige. Peter ist kein Einzelfall in Deutschland.

Statt auf regulierte Angebote zu setzen, greifen Spielfans immer wieder auf ausländische Plattformen zu, die ihnen hohe Jackpots und spannendere Spiele versprechen. Die Gefahr, abgezockt zu werden, blenden die Spieler aus. „Ich bin alt genug“, sagt Peter. „Ich kann auf mich selbst aufpassen.“ Peters Geschichte wirft ein Schlaglicht auf das Dilemma der deutschen Glücksspielregulierung. Mit dem aktuellen Glücksspielstaatsvertrag wurde ein deutscher Rechtsrahmen für das geschaffen, was Peter und viele weitere Spielefans „Online-Casino“ ennen. Die Zeiten des Satzes „Dieses Angebot gilt nur für Spieler mit Wohnsitz oder ständigem Aufenthaltsort in Schleswig- Holstein“ sollten endlich der Vergangenheit angehören. Die Realität sieht jedoch anders aus. Mit dem Staatsvertrag wurde nicht etwa das bestehende „Online-Casino“ mit deutschem Recht reguliert. Stattdessen wurden „virtuelle Automatenspiele“ geschaffen: Nachbildungen von Geldspielgeräten in Spielhallen, die für die Online-Umgebung „übersetzt“ wurden. Ganz gestrichen wurden Spielformen wie Online-Blackjack oder eben Online- Roulette.

Diese sind nun den „Online-Casinospielen“ vorbehalten – welche in jedem Bundesland anders geregelt sind. Zumindest in der Theorie. Denn mit Ausnahme Bayerns gibt es bisher in keinem Bundesland ein reguliertes Angebot. Wenn Peter in Frankfurt Online- Roulette spielen will, bleibt ihm nur der Schwarzmarkt. Dort findet er weiter das, was er vor 2021 als „Online-Casino“ für sich entdeckt hat. Die Hintergründe dieser Zweiteilung mögen juristisch nachvollziehbar sein. Den Spielern hilft das wenig. Denn auch wenn man sich nicht für Online-Roulette oder Online-Blackjack interessiert, haben „virtuelle Automatenspiele“ mit dem früheren Online-Casino fast nichts mehr gemeinsam. Es dürfen keine Jackpots angeboten werden, der Höchsteinsatz ist auf einen Euro pro Drehung gedeckelt, und ein Spiel dauert mindestens fünf Sekunden – alles Einschränkungen, die es im Schwarzmarkt nicht gibt. Ganz zu schweigen von der Ausschüttungsquote: Im regulierten Markt liegt sie oft bei ca. 88 Prozent, im Schwarzmarkt über 95 Prozent. 

Die Konsequenz: Wer im Schwarzmarkt spielt, erzielt höhere Gewinne – oder kann von seinem Geld zumindest länger spielen. Viele Stellschrauben also, die bei der Weiterentwicklung der Glücksspielregulierung genauer betrachtet werden sollten. Dabei drängt die Zeit: Auch Spieler, die unter dem neuen Staatsvertrag das regulierte Angebot ausprobiert haben, wenden sich ab. Die Steuereinnahmen aus dem virtuellen Automatenspiel sprechen eine deutliche Sprache: Lagen sie 2022 noch bei 429 Mio. Euro, waren sie 2024 auf 213,5 Mio. Euro gesunken.

Anders ausgedrückt: Das Einsatzvolumen betrug 2024 mit 4,27 Mrd. Euro nicht einmal die Hälfte des Einsatzvolumens von 2022 (8,58 Mrd. Euro). Offensichtlich stimmen die Spieler mit den Füßen ab – beziehungsweise mit der Maus. Oder, wie Peter M. sagt: „Ich finde es ja gut, wenn Online-Casinos deutsche Lizenzen haben. Aber es muss schon Spaß machen, so wie früher. Wenn ich heute 1 Euro setze, 5 Sekunden warte, und am Ende gewinne ich 1,20 Euro – sorry, da bin ich raus.“

Daueraufgabe Glücksspielregulierung - Verlockende Angebote im Schwarzmarkt

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