11. August 2026
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Wie illegale Anbieter Google-Werbung schalten

Auch im Bereich der Online-Werbung bleibt der Schwarzmarkt für illegales Online-Glücksspiel präsent. Zwar hatte die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) im vergangenen November erklärt, dass Google seine Werberichtlinie angepasst habe und seitdem nur noch Veranstalter und Vermittler mit einer Erlaubnis der GGL mit Google Ads werben könnten. Aktuelle Branchenanalysen zeigen aber, dass ein Großteil der geschalteten Glücksspielanzeigen weiterhin illegale Angebote bewirbt – genau das sollten die neuen Richtlinien unterbinden.

Um zu verstehen, warum die Anpassung nicht funktioniert, lohnt es sich einen Schritt zurückzugehen: Aufgrund des behördlichen Einwirkens hat Google im September 2024 seine Werberichtlinien für das Online-Glücksspiel angepasst. Seitdem müssen sich Werbekunden offiziell als Glücksspielanbieter registrieren und eine deutsche Glücksspiellizenz vorlegen. Doch die Umsetzung scheint lückenhaft: Der Schwarzmarkt nutzt weiterhin Googles Plattform für seine Werbung, oft unter Verwendung von „Cloaking“-Techniken – einer Methode zur Verschleierung von Webinhalten.

Illegales Online-Glücksspiel und die Täuschung von Google: Eine Schritt-für-Schritt-Analyse

Trotz technischer Überwachungsmaßnahmen gelingt es kriminellen Akteuren, selbst große Player wie Google und ihre Werbeplattformen (Google Ads) zu täuschen. Eine Schlüsselrolle spielen dabei spezialisierte Affiliates, die als Zwischenhändler fungieren und die Manipulation systematisch betreiben. Die folgenden Schritte zeigen beispielhaft die typische Strategie eines solchen kriminellen Netzwerks:

Schritt 1

Einen Affiliate beauftragen

Anstatt sich selbst direkt an Google zu wenden, beauftragen illegale Glücksspielanbieter spezialisierte Affiliates. Diese fungieren als Vermittler und tragen das primäre Risiko. Ihr Geschäftsmodell basiert darauf, legale Identitäten und harmlose Inhalte als Tarnung zu nutzen, während sie gleichzeitig gezielt illegale Angebote bewerben.

Schritt 2

Schrittweise im Werbenetzwerk etablieren und tarnen

Anfangs schaltet der Affiliate tatsächlich primär Werbung für ein fiktives, aber unverfängliches Geschäft, beispielsweise einen Blumenladen: Die ersten Kampagnen bewerben ausschließlich Blumen, um das Misstrauen von Google zu vermeiden. Erst nach einer gewissen Zeit beginnt er, gezielt auch Begriffe im Glücksspielbereich zu besetzen – jedoch so dosiert, dass es nicht sofort auffällt. Google sieht weiterhin nur die Blumen-Website, während Nutzer, die über bestimmte glücksspielrelevante Suchbegriffe oder Ads auf die Seite geleitet werden, direkt mit der darunterliegenden illegalen Glücksspielseite konfrontiert werden. Diese ist nur für speziell getargetette Nutzer sichtbar.

Schritt 3

Googles Kontrollmechanismen umgehen

Google setzt verschiedene Algorithmen ein, um betrügerische Anzeigen zu erkennen. Falls eine verdächtige Aktivität entdeckt wird, wird die Seite aus dem Werbenetzwerk ausgeschlossen. Professionelle Affiliates sind jedoch darauf vorbereitet: Parallel zum „Blumenladen“ betreiben sie bereits weitere Tarnseiten – z. B. einen Fahrradladen, eine Bäckerei oder eine Metzgerei. Sobald eine Seite gesperrt wird, wird einfach eine andere aktiviert.

Schritt 4

Identitätsdiebstahl als Sicherheitslücke in der Verifizierung

Google fordert in manchen Fällen Identitätsnachweise an, um die Seriosität eines Werbetreibenden zu prüfen. Kriminelle Affiliates umgehen dies, indem sie gestohlene Identitäten nutzen. Diese Identitätsdaten stammen aus Hacks, dem Darknet oder physisch gestohlenen Ausweisdokumenten und werden so aufbereitet, dass sie die Google-Prüfung bestehen.

Warum Google handeln müsste

Technische Möglichkeiten zur Unterbindung dieser Praxis existieren bereits. Google könnte Werbekunden ohne Lizenz das Targeting von glücksspielbezogenen Suchbegriffen untersagen und Cloaking-Webseiten mittels bereits verfügbarer Software identifizieren und sperren.

Ein effektiver nächster Schritt

Auch die organische Suche bei Google müsste in den Blick genommen werden. Legale Anbieter dürfen mit dem meistgesuchten Begriff „Casino“ o.Ä. nicht werben. Illegale Anbieter halten sich daran nicht und erscheinen daher bei Nutzern, die nach entsprechenden Begriffen suchen, ganz oben in den Suchergebnissen. Würde Google die Anzeige in der Suchliste von dem Vorliegen einer Lizenz abhängig machen, könnte vielen arglosen Spielern geholfen werden, nicht in die Illegalität zu gleiten.

Ein Systemproblem?

Auch wenn sich die vorliegende Analyse auf den Glücksspielmarkt konzentriert, ist bekannt, dass Cloaking auch in problematischen Bereichen wie Pornografie, dem Medikamenten- und Waffenhandel oder Cyberbetrug genutzt wird. Nur wenn es gelingt, Cloaking-Seiten effektiv zu entdecken und zu entfernen, können Internetnutzer wirksam vor illegalen Angeboten im Netz geschützt werden.

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